Von Mike Schelhorn - 04.11.2009, 15:30

Test: Lightroom 3

Adobe Lightroom 3 im Test: Was die Beta schon kann

Adobe bleibt beim Raw-Konverter und Fotoworkflow-Programm Photoshop Lightroom seiner Linie treu und stellt jetzt wieder eine erste Beta der nächsten größeren Programmversion für Interessierte kostenlos zu Test und Beurteilung bereit.
Im eigentlichen Bearbeiten-Modul von Lightroom haben drei Werkzeuge mehr unter der Motorhaube Verbesserungen erfahren. Schon seit längerem hat Adobe an einem besseren Demosaicing von Raw-Aufnahmen gearbeitet, was sich bereits in den letzten Versionen von Lightroom 2.x zeigte. Das neue Demosaicing, das Zusammensetzen der Farbinformationen aus der Raw-Aufnahme, macht sich vor allem in einer besseren Darstellung an Lichterkanten und in feinen Strukturen bemerkbar.
Auch der Schärfen-Funktion sieht man in der Lightroom-Oberfläche die Überarbeitung nicht an, die Regler sind dieselben wie in der Version 2. Sie verhalten sich nun jedoch etwas empfindlicher, die Schärfung setzt früher ein. Der neue Algorithmus dahinter arbeitet komplett anders als beispielsweise eine Unscharf-Maskierung. Bei Überschärfung entstehen eher natürliche Schärfungsartefakte, die an Filmkorn erinnern. Die Schärfung wird nun auch in Vorschauen bei kleineren als einer 100-Prozent-Darstellung angezeigt.

Rauschen wird besser korrigiert

Ebenfalls neu ist die Rechenmethode der Farbrauschreduzierung. War die bisherige deutlich schlechter als spezialisierte Entrauschungs-Software wie Noise Ninja, so kann die Farbrauschreduzierung nun mit gelungener Detailerhaltung besser überzeugen. Zu dieser trägt auch ein Regler für den Kantenschutz bei. Noch in Entwicklung ist eine neue Methode zur Reduzierung des Luminanzrauschens. Dessen Regler ist in der Lightroom-3-Beta noch deaktiviert.
Das neue Effekte-Bedienfeld beinhaltet die bekannte, aber überarbeitete Vignetten-Funktion und einen neuen Filmkorn-Effekt. Bei der Vignettierung nach Freistellen (dem Abdunkeln oder Aufhellen von Bildecken) unterscheidet Lightroom jetzt zwischen einer Priorität für Erhalten der Lichter oder Erhalten der Farbe; neu ist auch eine Vignetten-Kontrastregelung. Wer den Look analoger Fotografien hoher Empfindlichkeit mag, findet nun einen neuen Korneffekt, der natürlich aussehendes Filmkorn dem Bild zufügt. Dabei lassen sich Korngröße, Verteilung und Rauhheit des künstlichen Filmkorns steuern.
Wegen der grundlegenden Änderungen bei Demosaicing, Schärfen und Rauschreduzierung unterscheidet Lightroom 3 nun zwischen Prozessversionen. Damit ist gemeint, dass in der Vorgänger-Version getätigte Bildeinstellungen einschließlich des vom Anwender nicht steuerbaren Demosaicing erhalten bleiben, außer man aktualisiert durch eine neue Einstellung oder Klick auf einen Update-Button.

Runderneuertes Import-System

Bilderimporte von der Speicherkarte der Kamera oder von der Festplatte sind nun besser in das Interface von Lightroom integriert, das eigene Import-Dialogfenster entfällt und wird durch eine Import-Ansicht in normaler oder kompakter Größe ersetzt. Oben im Lightroom-Fenster ist nun klar von links nach rechts zu sehen und einzustellen, von wo, auf welche Art (als DNG, Kopie, Bewegt, am Speicherort verbleibend) und wohin neue Bilder in einen Lightroom-Katalog aufgenommen werden. Auf der rechten Seite gibt es nun zwei neue Bedienfelder für Dateihandhabung und Importaktionen wie eine Stichwortvergabe. Bereits beim Sichten der möglichen Datenquellen zeigt Lightroom Previews der Orderinhalte an. Eigene Import-Definitionen lassen sich als Vorgaben sichern, womit sich erneute Importe schneller und sicherer organisieren lassen.
Deutlich flotter ist der Import nach einem ersten Testeindruck auch geworden: Der Import von 100 JPEG-Bildern einschließlich Erzeugung von bildschirmgroßen Standard-Vorschauen ist innerhalb von vier Sekunden erledigt, bei 100 Raw-Aufnahmen, ebenfalls mit Standard-Vorschau, ist die Beta immerhin 14 Sekunden schneller als Lightroom 2. Am Multicore-Processing hat sich dennoch noch nicht allzuviel geändert. Rechenintensive Tasks wie umfangreiche Im- und Exporte werden nach wie vor nicht automatisch in mehrere Prozesse aufgeteilt. Adobes Haltung dazu: Der Anwender soll während solcher Aufgaben schließlich noch flüssig weiterarbeiten können.
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