Von Thomas Pelkmann - 03.09.2009, 13:48

Test Software-Synthesizer

Metasynth 5

Metasynth ist ein ungewöhnliches Werkzeug zur Klangproduktion. Die Version 5 dieses Musikwerkzeugs läuft exklusiv auf Mac-OS X und ist nicht leicht einzuordnen ist. Wir haben Metasynth 5 getestet
Obwohl der Name es nahe legt: Metasynth ist kein virtueller Synthesizer. Es ist laut Hersteller eine "Umgebung für Sound-Design und Musikkomposition, die alle Paradigmen für das Schaffen und Bearbeiten von Musik über den Haufen wirft". Das sind große Worte, doch was halten sie in der Praxis?

Musik malen

Herzstück von Metasynth ist eine Leinwand, deren Funktion einfach zu verstehen ist: Von links nach rechts verläuft die Zeitachse, von unten nach oben die Achse für die Tonhöhe. Die Farbe der Bilder sagt etwas über die Stereoposition des Klangs aus, die Helligkeit steht für die Amplitude.
Das Ausgangsmaterial für die Klangformungsarbeit mit Metasynth besteht aus Samples, Wavetables sowie diversen Wellenformen und reicht für neoklassische Musik ebenso aus wie für ungewöhnliche Grooves, Klanglandschaften "Soundscapes" oder Elektronika aller Art.
Besteht das Klangmaterial aus Samples, dient Metasynth eher der Manipulation dieser Klänge. Bei der Arbeit mit Wellenformen und Wavetables fungiert das Programm dagegen als Partitur-Werkzeug. Aber die Grenzen dazwischen verlaufen fließend. Das erkennt man zum Beispiel daran, dass man erzeugte oder bearbeitete Klänge jederzeit über Re-Sampling in neues Ausgangsmaterial umformen kann und dann erneut für alle Bearbeitungen zur Verfügung steht. Der Ursprung lässt sich dann sehr schnell nicht mehr erkennen.

Arbeit in Räumen

Für die unterschiedlichen Bearbeitungsmöglichkeiten hat U&I Software die Metapher von Räumen geschaffen, von denen es beim Metasynth insgesamt sechs gibt. Der "Effect-Room" bietet 25 unterschiedliche Effekte, die hüllkurvenartig über den Ausgangsklang gelegt werden. Die Verlaufskurven zeichnet man grundsätzlich mit der Maus, allerdings stehen verschiedene Hilfswerkzeuge zur Verfügung, die beim Ziehen und Verändern der Kurven helfen.
Die Effekte reichen von Echo, Hall, Chorus, Flanger, Phaser, EQ bis zu exotischen wie Harmonize (filtert das Obertonspektrum) oder Cross Fade, das zwischen dem Ausgangs- und einem zweiten Klang hin- und herblendet.
Im "Image Synth" malt man mit der Maus eine Partitur für die bereits erwähnten vorgefertigten Wellenformen oder Samples. Dafür stehen insgesamt sechs Layer zur Verfügung, die man mit unterschiedlichen Instrumenten und Tonverläufen füllt. Wem das für eine komplexe Partitur zu wenig ist, drückt zwischendurch auf den "Synthese"-Button und baut die Teilpartituren später im "Montage-Room"zu einer einzigen großen zusammen.
Das Zimmer "Image Filter" ist dazu gedacht, die im Sample-Fenster angezeigte Wellenform mit Filterverläufen zu bearbeiten. Auch diese Manipulation versteht man am besten, wenn man sie sich hüllkurvenartig vorstellt.
Eins der stärksten Werkzeuge von Metasynth ist sicher der Raum "Spectrum Synth". Hier dient ebenfalls die im Sample-Editor angezeigte Welle als Ausgangsmaterial. Der Spectrum Synth analysiert zunächst das Obertonspektrum des Klangs und erlaubt anschließend die Bearbeitung des Spektrums. Wer weiß, dass die Obertöne entscheidenden Anteil am eigentlichen Klang haben, kann ermessen, was die Manipulation dieser mitschwingenden Töne für den Klang bedeutet. Im Spektrum-Synth lassen sich auf der Grundlage eines fertigen Klangs sehr spannende und das Ausgangsmaterial radikal umformende Verläufe erzeugen. Mit den Spektren der Obertöne eines Klanges zu spielen, ist nicht nur ungeheuer faszinierend; es bringt auch tolle Klangerlebnisse. Flächen, die sich langsam entwickeln oder Soundscapes für die Musik zum Film im Kopf.
Eher unspektakulär sind die zwei verbliebenen Räume von Metasynth: "Sequencer" bietet einen recht einfachen Step-Sequencer, mit dem man aus dem vorhandenen Klangmaterial Tonfolgen erzeugt. Der schon erwähnte "Montage Room" schließlich dient dem Zusammenfügen des Klangmaterials. Beide Räume zusammen ähneln Produktionswerkzeugen wie Logic Audio oder Garageband, allerdings mit einem Unterschied: Da Metasynth keinerlei MIDI-Steuerung erlaubt, ist das Einspielen von Melodielinien über ein Keyboard nicht möglich.
Damit wird deutlich: Metasynth ist kein Musikinstrument im klassischen Sinne. Es eignet sich nicht für Live-Darbietungen, sondern dient allein dem Komponieren. Das muss kein Nachteil sein, ist aber wichtig zu wissen.

Empfehlung

Die Möglichkeit, Musik zu zeichnen oder Musik mit grafischen Elementen zu manipulieren, ist sicher faszinierend, weil sie das Spektrum der Musikproduktion deutlich erweitert. Die Veränderungen vorhandenen Klangmaterials reichen dabei von zart bis total, so dass vom Ausgangsmaterial nichts mehr zu erkennen ist.
Allerdings verlangt es einige Erfahrung in der Handhabung von Metasynth, aufregende Klänge gezielt zu erzeugen, weil viele Ergebnisse nicht vorhersehbar sind. Natürlich kann auch das intuitive Ändern von Klang zielführend sein, und in der Tat ist es eine große Stärke von Metasynth, solche Klangabenteuer mit ungewissem Ausgang zu ermöglichen. Umgekehrt ist es eine Schwäche, dass es ein geregeltes Verändern nach festen Parametern und Formeln nicht gibt. tb
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