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Testpersonen bevorzugen autonome Selbstschutz-Fahrzeuge

14.07.2016 | 13:26 Uhr |

Die Diskussion um autonome Automobile ist nach dem tödlichen Tesla-Unfall in vollem Gange. Welche Autos würden Kunden bevorzugen?

Die Wahl besteht zwischen selbst fahrenden Autos, die bei bestehender Unfallgefahr eher den Fahrer schützen und Passanten opfern, oder umgekehrt. Die Online-Ausgabe von Bild der Wissenschaft beschreibt im Anschluss an die Zeitschrift Science das moralische Dilemma um autonom fahrende Autos. Dabei wird folgendes typisches Szenario vor Augen geführt: Das Auto fährt auf eine Fußgängergruppe zu und kann nicht mehr rechtzeitig bremsen. Weicht es automatisch aus, würde es den Fahrer töten, etwa indem es gegen einen Baum oder eine Wand prallt. Fährt es dagegen geradeaus weiter, sterben die Passanten auf der Straße. Wie das Auto entscheidet, ist eine Frage der Programmierung aufgrund moralischer Richtlinienentscheidungen.

Wie aktuell solche Diskussionen sind, zeigt der jüngste Unfall mit einem per Autopilot-Funktion fahrenden Tesla-Mobil, bei dem der Passagier starb, obwohl es hier ”nur” um die hellweiße Seitenfront eines Sattelzugs und Blendung der Autopilot-Sensoren durch Sonne   ging, so dass die Bordelektronik den LKW nicht als Hindernis erkannte und mit tödlichen Folgen aufprallte. 
Doch das moralische Dilemma entsteht erst, wenn Leben gegen Leben abgewogen werden muss. In einem Online-Experiment mit knapp 2000 Testpersonen haben Wissenschaftler von der Universität Toulouse herausgefunden, dass bei einem Szenario mit zehn Fußgängern und einem Autofahrer sich 76 Prozent dafür entscheiden, lieber den Fahrer zu opfern und die Fußgänger zu verschonen.

Dies gilt – allerdings auch abhängig von der Zahl der gefährdeten Fußgänger – auch dann, wenn im eigenen Auto ein weiteres Familienmitglied sitzt. Diese Einstellung ändert sich aber bei geringerer Anzahl der Fußgänger – steht im Extremfall nur ein Fahrer einem Fußgänger gegenüber, waren nur noch 23 Prozent der Versuchspersonen dafür, den Fahrer zu opfern.
 Ein anderes interessantes Ergebnis ist, dass die Teilnehmer im Zweifel mehrheitlich lieber ein ”Selbstschutz-Fahrzeug” erwerben würden, das in jedem Fall Leben und Gesundheit des Fahrers gegenüber Passanten bevorzugt – gäbe es solche Autos nicht, sondern aufgrund behördlicher Vorschriften nur solche, die im Zweifel immer den Fahrer opfern, wollten nur noch ein Drittel der Versuchspersonen ein derartiges Auto erwerben. Die Wissenschaftler erkennen hierin das moralische Dilemma des autonomen Fahrens – zwar sind die Teilnehmer prinzipiell für die Minimierung der Opfer durch den Algorithmus des Autos, würden aber selbst lieber ein Auto fahren, das unter allen Umständen sie selbst schützt. Wie dieses Dilemma zu lösen ist, wird sicherlich eine der dringendsten Fragen vor der flächendeckenden Einführung autonom fahrender Autos sein. Immerhin erwartet man durch diese unabhängig von solchen Konfliktfällen eine Verminderung der Verkehrsunfälle um bis zu 90 Prozent.

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