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Text Smoothing- Schick, aber problematisch

18.06.2002 | 13:22 Uhr |

Antialiasing unter Mac-OS X: Mit dem Internet Explorer 5.2 setzt sich immer mehr die Quartz eigene Art der Textglättung durch

München/Macwelt - Seit Mac-OS X 10.0.4 bereitet eine Funktionalität des neuen Betriebssystems einigen Nutzern Probleme: Text Smoothing, auch Antialiasing genannt. Bisher konnten nur Cocoa-Programme auf diese Technik zur Schrifverbesserung setzten, unter Mac-OS X 10.1.5 steht es auch unter vielen anderen Programmen zur Verfügung.

Bildschirmschrift setzt sich aus einzelnen Pixeln zusammen, was bei größeren Schriften zu einem grobpixeligen, treppenförmigen Schriftbild führt. Schon das klassische Mac-OS glättet deshalb Schriften am Bildschirm. Die treppenförmigen Kanten der Buchstaben füllt dazu die klassische Systemkomponente Quickdraw mit grauen Pixeln, was aus der Entfernung den Eindruck runder Formen erweckt.

Schrift in Carbon-Anwendungen profitiert weiterhin von diesem Antialiasing. Mit der kostenlosen Systemerweiterung Silk können jetzt neben Microsoft Office und dem Internet Explorer 5.2 auch andere Carbon-Programme davon profitieren. So stehen bei einigen Programmen wie Apple Works jetzt drei Methoden der Schriftverbesserung zur Verfügung: Man kann das Antialiasing komplett abzuschalten, das Antialiasing von Quickdraw wählen oder, mit Hilfe des Freewareprogramms Silk, die optisch aufwendige Quartz-Variante einsetzen. Je nach Geschmack sollte jetzt jeder Anwender die ihm angenehmste Textdarstellung finden können.

Quartz-Textsmoothing


Unter Mac-OS X ist für das systemeigene Antialiasing der Grafiklayer Quartz zuständig, das über eine Textsmoothing-Technologie verfügt. Diese Kantenglättung ist weit aufwendiger als die Quickdraw-Variante, ähnelt der Vorgehensweise von PDF und Postscript und erzeugt ein weit glatteres Schriftbild. Die Formen der Buchstaben werden mit einer weit größeren Anzahl an grauen Pixeln nachgezogen, teilweise auch in ihrem Kontrast verändert.

Besonders Schriften mit einer Schriftgröße über 12 Punkt erreichen fast Grafikqualität. Der Cocoa-Browser Omniweb begeisterte mit dieser Technologie bereits eine Vielzahl an Internetsurfern. Problematisch sind dagegen kleine Schriften. Besonders Besitzer eines älteren Röhrenmonitors, die viel Schrift am Bildschirm lesen müssen, klagen deshalb über ein "verwaschenes" Schriftbild. TFT-Nutzer haben dagegen weniger Probleme. Die Vermutung liegt nahe, dass Apple seine Technik speziell auf TFT-Monitore abgestimmt hat. Hatte Steve Jobs doch noch vor nicht allzu langer Zeit den Röhrenmonitor ins Museum schicken wollen.
Unschärfeempfindliche Mac-OS X-Anwender müssen aber nicht unbedingt auf klare Textränder verzichten: Unter Systemeinstellugnen --> Allgemein gibt es deshalb die Option "Text nicht glätten", die das Antialiasing erst ab einer einstellbaren Schriftgröße gestattet. Noch feinere Einstellungsmöglichkeiten erlaubt das Programm Tinker Tool von Marcel Bresink, das auch auf die Quickdraw-Einstellungen zugreifen kann.

Performace


Scrollt man oft durch lange Textdokumente, ergibt sich ein Performanceproblem, denn das Glätten der Schrift beansprucht einen nicht unbeträchtlichen Teil der Systemleistung. Deaktiviert man etwa unter Microsoft Word die "Quartz-Textglättung", zu finden unter Allgemeine Einstellungen--> Allgemein, scrollt man fast doppelt so schnell durch ein langes Dokument als mit aktivierter Textglättung.
Will man beim Internetsurfen gleichzeitig gut lesen können und nicht auf Schrift mit Grafikqualität verzichten, ergibt sich aber ein optisches Problem: Dicht neben pixeliger Schrift mit scharfen Ränders steht dann aufwendig geglättete Schrift. Optisch nicht unbeding ein Genuss.
Stephan Wiesend

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