922817

The Day after June 14th

07.06.2004 | 16:26 Uhr |

Endlich ist es soweit, das Warten hat ein Ende. Zumindest vermuten das europäische Journalisten, die eine Einladung von Apple Europe zu einer Veranstaltung mit Steve Jobs in London zum Thema "iTunes" bekommen haben. Oder doch nicht? Macwelt wirft einen Blick auf die Einladung - und die Konsequenzen, die sich daraus ergeben könnten.

Manche Leute können bestimmte Dinge gar nicht mehr erwarten. Dass Deutschland beispielsweise noch nicht einmal ins Viertelfinale der EM in Portugal kommt, die Media-Markt-Fernseh-Wette ist ohnehin schon verloren. Ähnlich ungeduldig warten viele Fans auf die europäische Version des iTunes Music Stores, der schon über Jahr seine Faszination auf Kunden in den USA und Kanada ausübt. Bisher waren die scheinbar harten Verhandlungen mit Plattenlabels und Künstlerverbänden das Hemmnis schlechthin. Ohne Zustimmung aus diesen Ecken kein Music Store Europa. So einfach ist das. In den vergangenen Monaten hat auch Macwelt das Auf und Ab der europäischen Bemühungen von Apple begleitet, und oft einen Blick in die Welt von Napster, Phonoline und sonstigen Online-Musikläden registriert. Und anscheinend hat diese neidische Rumschielerei endlich ein Ende.

Journalisten in Erregung zu versetzen ist keine leichte Aufgabe. Apple hat diese Taktik allerdings sehr gut im Griff. Frei nach dem Motto: "Weniger ist mehr" stachelt Apple die Adressaten mit einer nicht gerade aussagekräftigen PDF-Einladung an. Steve Jobs lädt nach London, zwar nicht persönlich, aber sein Geist schwebt ja förmlich mit allen Ankündigungen mit. Etliche iPod-Poster, bekannt aus Werbung und von New Yorker U-Bahn-Wänden, unterstreichen die prophetische Überschrift: "The biggest story in music is about to get even bigger". Irgendwas soll größer werden, nein, nicht irgendwas, die "größte Sache der Musikindustrie". Dann folgt noch eine Wegbeschreibung, eine kurze Auflistung der Location-Highlights, tja, und dann ist auch schon Schluß. Moment, haben dpa und Reuters nicht vollmundig von "Steve Jobs präsentiert iTunes Music Store Europa" berichtet? Ja, haben sie, aber in der betreffenden Einladung steht davon kein einziges Wort. Vielmehr hat sich beim Anblick der iPod-Motive die Fantasie der Journalisten verselbstständigt, hat einen unausgesprochenen Wunsch ein bisschen umformuliert - und schon haben wir den Start von iTMS Europa an der Backe.

Ganz ehrlich: Wahrscheinlich ist es auch genau so, wie es die Kollegen der Nachrichtenagenturen gewagt in den Raum stellen. Apple wird ausgesuchte europäische Journalisten kaum zu einem Event in London einladen, nur um dann einen iPod mit 60 GB Festplattenkapazität durch die Menge zu reichen. Wie so oft sind aus Apple-Kreisen aber keine weiteren Informationen zu "unangekündigten Produkten" zu bekommen. Andererseits: Jetzt haben wir auf dem alten Kontinent so lange auf den Startschuss unseres iTunes Music Stores gewartet, die verbleibenden sieben Tage überleben wir gerade auch noch. Wobei ich schon jetzt weiss, welche "größte Sache der Musikindustrie noch größer" wird - nämlich unsere Kreditkartenrechnungen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
922817