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MySpace geht Facebook aus dem Weg

28.10.2010 | 07:32 Uhr |

Mit der Neuausrichtung von MySpace verliert Facebook seinen letzten globalen Rivalen. Gibt es jetzt auf Dauer nur noch ein weltumspannendes Online-Netzwerk?

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Facebook, das weltgrößte Online-Netzwerk, ist seinen letzten weltweiten Konkurrenten losgeworden. Erzrivale MySpace, einst selbst die weltweite Nummer eins, gibt nach mehreren mageren Jahren die Verfolgung auf und will sich als Unterhaltungs- Plattform neu erfinden. Steht Facebook mit seinen bereits mehr als 500 Millionen Nutzern damit der Weg zur globalen Dominanz im "sozialen Web" offen? Gefahr droht im Moment höchstens aus einer Richtung: Die Internet-Supermacht Google will in dem rasant wachsenden Markt auch noch ein Wörtchen mitreden.

Für den Vorreiter MySpace ist die Neuausrichtung ein drastischer Einschnitt. Aber die Online-Tochter von Rupert Murdochs News-Corp.- Imperium hatte kein Wahl mehr. Der Facebook-Express donnerte in den vergangenen Jahren an immer neuen Rekordmarken vorbei: 300, 400, 500 Millionen Mitglieder. MySpace steckt dagegen seit Jahren irgendwo im Bereich von mehr als 100 Millionen Nutzern fest. Facebook hatte irgendwann schlicht die kritische Größe überschritten: Neue Nutzer melden sich dort an, wo ihre Freunde sich bereits online tummeln.

Das "soziale Web" gilt als der große Wachstumsmarkt der Zukunft. Eine soziale Komponente für alles, was die Menschen online unternehmen, so lautet die Vision von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Im Klartext: Facebook soll alles vernetzen.

Zusammen mit Microsoft experimentiert das Online-Netzwerk auch mit einer "sozialen Internet-Suche", bei der die Präferenzen von Bekannten die Treffer mitbestimmt. Kein Wunder, dass der Suchmaschinen-Primus Google die Bedrohung erkannte. Erst kürzlich kündigte Konzernchef Eric Schmidt an, einzelne Google-Dienste sollen um soziale Elemente ergänzt werden. Und Schmidt forderte Facebook auf, den Zugang zu Nutzerlisten zu öffnen, damit sich diese auch bei Google leichter finden könnten. Sonst gebe es auch andere Wege, an diese Daten zu kommen, drohte der Google-Chef unverhohlen.

Außerdem: Auch wenn der Umbau von MySpace die Vormachtstellung von Facebook in der Welt der Online-Netzwerke zementiert - regional gibt es immer noch gewichtige Player. In Südamerika ist zum Beispiel die Google-Tochter Orkut stark, in Deutschland die VZ-Netzwerke - und der Milliardenmarkt China ist weitgehend ein ein weißer Fleck auf der Facebook-Karte.

Und was wird nun aus MySpace ? Firmenchef Mike Jones macht aus der Not jedenfalls eine Tugend. "Nischenplayer bieten oft das bessere Erlebnis im Internet", argumentiert er etwa. "Wir hatten das Gefühl, dass Myspace über die Jahre ein zu breites Produktangebot bekommen hat. Deswegen verschlanken wir das jetzt."

So klar wie noch nie gibt Jones zu Protokoll, dass sich sein Unternehmen nicht mehr mit Facebook messen wolle: "Das neue Myspace ist eine Ergänzung zu anderen Plattformen. Es ist keine Alternative zu Facebook oder Twitter." Man wolle der Ort sein, wo junge Leute neue Musik, Filme oder Spiele entdecken oder sich darüber austauschen können.

Ohne Risiko ist der neue Kurs auch nicht, denn für alles gibt es schon irgendwo eine Plattform. Will man sich über eine laufende Fernsehsendung austauschen, kann man zum Beispiel zu Twitter gehen. Die Vorlieben der Freunde bekommt man auch über Facebook mit. Und zum Entdecken neuer Musik will Apple sein neues Netzwerk Ping etablieren.

Jones glaubt dennoch nicht, dass MySpace mit dem neuen Konzept zwischen den Stühlen landen wird. "Was wir gelernt haben ist, dass die Nutzer im Internet auf verschiedenen Plattformen Gemeinschaften für unterschiedliche Zwecke bilden." Da sei auch genügend Platz für MySpace als eigenständige Plattform für Unterhaltungsinhalte. Punkten will Jones auch auf mobilen Geräten. Bereits heute wähle sich ein Drittel der Nutzer von unterwegs bei MySpace ein. Mitte November soll auch das mobile Angebot umgebaut werden - ebenfalls mit einer drastischen Neuerung: Die mobilen Web-Anwendungen sollen künftig ohne Login funktionieren. "Zum Beispiel auf dem iPhone wird die neue App den User fragen, ob sie für ihn eine Playlist erstellen soll. Wenn er zustimmt, wird die App die Songs auf Grundlage der Musik auf seinem Telefon zusammenstellen", erläutert Jones.

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