Die Vereinbarkeit von Kunst und Kapital
Doch wie kriegt man „High Definition“ für „Low Budget“ sinnvoll zustande? Gerade bei Agenturaufträgen weichen viele Produktionsfirmen gerne auf kostengüns-tigere HD-Formate aus. Diese Systeme zeichnen sich durch schnelle Verfügbarkeit aus. Geliehen oder günstig gekauft, erfordern sie zudem keine zusätzliche Miete für professionelle HD-Recorder zur Nachbearbeitung. Kosten entstehen höchstens ein einziges Mal für die Ausspielung des Masterbandes aus dem Schnittsystem.
Im wesentlichen stehen hier zwei Formate zur Auswahl: „HDV“, das vor einigen Jahren von einem Konsortium japanischer Kamerahersteller um Sony herum ins Leben gerufen wurde und „DVCPRO HD“, ein System von Panasonic.
In einem Punkt sind sich alle Systeme einig: High Definition hat immer ein Seitenformat von 16:9, das alte 4:3 vom betagten PAL hat sich erledigt. Bei der Auflösung stehen jedoch mehrere Varianten zur Verfügung: 720 mal 1280 Pixel gibt es wahlweise im Vollbildverfahren oder Interlaced. Erstes bietet 25 oder 50 Vollbilder pro Sekunde. Das Interlaced-Verfahren teilt jeweils ein Vollbild in zwei Halbbilder auf. Diese Auflösungen sind vor allem in USA und Japan vertreten. Weiter gibt es die Variante mit 1080 mal 1920 Pixel, ebenfalls als Vollbild (= 1080p) oder als Interlaced (= 1080i). Vollbildauflösungen sind für Werbung klar von Vorteil, da sich Animationen und Grafikeffekte einfacher und sauberer einbauen lassen.
Im Prinzip beherrschen HD-Camcorder immer mehrere HD-Auflösungen, auch einige für PAL. Viele Camcorder haben „Downconverter“ eingebaut, die ein HD-Video als PAL-Video umwandeln. „Im Profi-Sektor wird gerne auf HD gedreht, wobei das HD-Material dann auf ein sendefähiges Standard-Definition-Format für die Nachbearbeitung umkopiert wird. Das HD-Original bleibt zur Sicherung im Schrank.“ sagt Stefan Niederfeilner von der Münchner Firma Videolink, die HD-Camcorder und Zubehör in allen Qualitätsklassen vermietet.
Hardware-Evaluierung
Auch die beiden günstigeren HD-Systeme beherrschen unterschiedliche Formate aus beiden Welten. Zuerst jedoch ein paar Worte zu den grundlegenden Parametern:
HDV setzt auf den bekannten Mini-DV-Kassetten auf: Lediglich eine Datenrate von 25 mbit/Sek ist möglich. Da die Bandlaufzeit im SD- und HD-Format gleich bleibt, werden die hochauflösenden Bilder wesentlich stärker komprimiert: Der Codec für HDV ist MPEG-2. Zudem wurde die bei DV übliche geringe Farbauflösung von 4:2:0 verwendet (Reduzierung auf etwa die Hälfte des üblichen Signals). Nachteil: Unter bestimmten Voraussetzungen merkt man die starke Komprimierung bei den Bewegtbildern. Vorteil: Auf eine Kassette passt etwa eine Stunde Aufzeichnung ohne Unterbrechung. Sony und Canon setzen auf die Auflösung 1080i, JVC bevorzugt 720p. Die Unterschiede in der Bildschärfe zwischen den beiden Sys-temen sind nicht wesentlich, da die Datenmenge nur geringfügige Unterschiede zeigt. Alle HDV-Camcorder können auch in DV aufnehmen.
DVCPRO HD ist ein Panasonic-eigener Codec, der mit 100mbit/Sek arbeitet, also der vierfachen Datenmenge von HDV. Auch wird das Farbsignal im üblichen Rahmen ohne Einschränkung 4:2:2 übertragen. Die Bilder zeigen wesentlich schönere Farben und lassen sich in der Nachbearbeitung auch besser filtern; das ist wichtig für ein professionelles Ergebnis. Zu einem ähnlichen Preis wie ein vergleichbares HDV-Gerät ist beispielsweise der DVCPRO-HD-Camcorder AG-HVX200 zu haben. Er beherrscht ebenfalls mehrere Formate: DV nimmt er auf Kassette oder P2-Speicherkarte auf, die DVCPRO-Varianten und DVCPRO HD ausschließlich auf P2-Speicherkarten, die mit 16 GB bei HD etwa für 16 Minuten Aufnahmekapazität bieten. Die Kamera bietet Platz für zwei Speicherbänke.
Nach etwa 32 Minuten ist Schluss mit HD und die Karten müssen gewechselt werden. Zum Preis des AG-HVX200 (Straßenpreis rund 6000 Euro, tägliche Mietkosten etwa 200 Euro) addieren sich die Kosten für die P2-Speicherkarten, die man für Preise ab 40 Euro pro Tag (je nach Kapazität) jedoch auch leihen kann. Ein weiterer Vorteil von DVCPRO HD ist, dass es die Bilder wie bei DV als Einzelbilder komprimiert und nicht in Gruppen zusammenfasst wie HDV, was zu Qualitätseinbußen führt.
Die Schärfeleistung der AG-HVX200 ist der vergleichbarer HDV-Kameras in etwa gleichwertig. Die Panasonic-Kamera verwenden viele Kameraleute für die Produktion von Werbespots und Videoclips.
Bei der Bildgestaltung ist das herkömmliche PAL-Video dem scharfen Kinofilmbild unterlegen: Detailreiche Übersichtsaufnahmen waren nie die Stärke von PAL: Der Inhalt wurde mehr in Halbnah- und Großaufnahmen vermittelt. Bei HD bringt die höhere Auflösung entschieden mehr Detailzeichnung ins Bild. Soll jedoch von der „Webfilm-Briefmarke“ bis zum riesigen Messe-Flatscreen-Video gestaltet werden, heißt es, sich entweder am kleinstmöglichen Bild zu orientieren (alles muss erkennbar sein), oder unterschiedliche Schnittfassungen zu erstellen. Letzteres treibt Aufwand und Kosten in die Höhe.
Werkzeuge für die Nachbearbeitung
Ein großer Teil des Materials für Image- oder Werbefilme kommt vom Kunden selbst: Fotos, Uralt-PAL-Videos, Quicktime- und WMV-Videos, Schmalfilmteile, JPEGs aus der Webseite und ähnliches. Egal wie schlecht die Auflösung auch ist, oft muss eine qualitativ minderwertige Aufnahme in ein Video eingebaut werden, da kein anderes Material verfügbar ist. Zudem denkt der Kunde, man könne noch so minderwertiges Material posthum „digital“ aufpeppen, was in der Praxis nur sehr begrenzt möglich ist. Konsequenz für die Auswahl der Software: Der Im- und Export unterschiedlichster Datenformate darf kein Problem darstellen.
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