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Thema der Woche 50/08: Bücher über Bücher

13.12.2008 | 00:00 Uhr

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Rezension: Mac OS X Support Essentials

649 Seiten, viele Aufgaben (mit Lösungen): Die Support Essentails für Mac-OS X 10.5 sind keine leichte Kost. Aber eine gute Übersetzung und ein guter Autor erleichtern den Weg durch den Kosmos von Mac-OS X.

© Addison-Wesley

Von Walter Mehl (09.12.2008)

Von Apple erhält man Rechner und Betriebssystem begleitet von einem dünnen, gedruckten Heftchen, das die ersten Schritte mit Mac-OS X beschreibt. Wer mehr wissen will, findet einige Hilfetexte im gleichnamigen Menü - oder in einem der zahlreichen Bücher zu Mac-OS X. Eine gewisse Sonderstellung nehmen dabei die Bücher von Pearson (Deutsch unter dem Verlagsnamen "Addison Wesley"). Sie sind die offizielle Literatur, die die Basis für die Ausbildung zum "geprüften Apple-Techniker" bildet ("AppleCare Technician" oder "Apple Certified Support Professional").

Mit kleinen Aufgaben

Diese Zielrichtung erkennt man unter anderem an den Textaufgaben, die jedes Kapitel abschließen. Erstaunlich wirkt auf uns, dass in diesen Aufgaben nur Erlerntes wiederholt wird, aber praktisch keine Transferleistung nötig ist. Die Praxis dürfte deshalb gelegentlich an den Aufgaben (und Lösungen) des Buches vorbeigehen.

Von Anfang an merkt man außerdem, dass das offizielle Buch zu Mac-OS X 10.5 ein Arbeitsbuch ist. Der Autor nennt häufig Internetadressen als weitere Informationsquellen, verweist dabei aber fast ausschließlich auf Seiten, die von Apple stammen. Das bedeutet auf der positiven Seite, dass man hiermit die offizielle Antwort auf viele Fragen bekommt, schränkt aber zugleich darauf ein, so dass kreative Lösungen und Hintertürchen, die von Personen außerhalb des Apple-Konzerns kommen, in diesem Buch fehlen. Tief den Hut ziehen wir aber vor den Verweisen in die Apple-eigene Datenbank des Wissens ("Knowledge Base", kurz: KB) - die im Buch genannten Artikel aus der Datenbank bringen meistens Problem und Lösung sehr schön auf den Punkt (aus den Überschriften erkennt man, ob der Artikel auf Deutsch oder nur auf Englisch in der Datenbank gespeichert ist).

Das Buch selbst beginnt bei der Vorbereitung der Installation und geht flott zur Installation und behandelt am Ende der ersten Lektion die Grundkonfiguration des Macs sowie den Update-Mechanismus von Apple (= "Software-Aktualisierung" in den Systemeinstellungen. Eine der Fragen dazu ist, welche Schritte vor der Installation von Mac-OS X 10.5 nötig sind (Tipp: Firmware des Macs aktualisieren, prüfen, ob vorhandene Software ein Update benötigt, Backup aller selbst erzeugter Dateien und Notation der wichtigsten Einstellungen und Kennwörter auf Papier).

Danach folgt ein sehr gutes Kapitel über das Konzept "Benutzer", die Einrichtung eines Benutzerkontos und die Rechte eines Benutzers. Dort wird auch die Sicherheit dieses Konzepts erklärt sowie Schutzmechanismen wie ein gutes Kennwort, den Schlüsselbund oder ein zusätzlicher Schutz mit Filevault.

Wo die offizielle Version Schwächen hat

Weiter geht es mit Festplatten, Partitionen und Volumes (dazu zählen für White auch RAID-Laufwerke) und das Brennen von Daten auf CD sowie die Zugriffsrechte. An der Stelle fallen zum ersten Mal die Grenzen der offiziellen Apple-Literatur ins Auge: Die Unix-Zugriffsrechte (mit dem Konzept von Benutzer, Benutzergruppen und "Jedermann") erklärt White ausführlich und zeigt, an welchen Stellen man im Finder darauf Einfluss nehmen kann. Aber die mit Mac-OS X 10.5 neu dazu gekommenen "Access Control Lists", kurz ACL, streift er nur mit zwei oder drei Seiten. In unseren Augen zu kurz, auch wenn man heute nur im Terminal auf alle Funktionen Zugriff hat, die mit ACL machbar sind.

Danach geht es im Kapitel "Datenverwaltung & Backup", um die Hierarchie der Ordner von Mac-OS X, um den Aufbau von Dateien und die Finder-Funktion zur Komprimierung von Dateien. Hier findet man sehr gute Erklärungen zu virtuellen Festplatten ("disc images") und zu Apples Backup-Software Time Machine. Und einer sehr guten Grafik (Seite 239), die beschreibt, wo Mac-OS X nach "Resourcen" sucht - sprich: nach Voreinstellungen, nach Zeichensätzen oder nach Softwareerweiterungen.

Merkwürdig kurz kommt uns dann das Kapitel "Programme und Boot Camp" vor. Zwar findet man dort Tipps, wie man Programme kontrolliert und im Notfall beendet, doch speziell bei Bootcamp fehlt uns einiges, zum Beispiel der Hinweis, dass Bootcamp von der Datensicherung mit Time Machine ausgeschlossen ist. Ein kurzer Satz zu Alternativen wie Vmware Fusion oder Parallels Desktop würde dem Buch nicht schaden.

Wunderbare Erklärung zu Netzen und Netzdiensten

In Kapitel 6, 7 und 8 erklärt White Netze und Netzdienste (sprich: die Einrichtung von Mac-OS X für den Kontakt zu Internet oder firmeninternen Netzen und die Funktion "Sharing" in den Systemeinstellungen). Die Erklärungen speziell zu IP-Netzen (sprich: Verbindungen ins Internet) sind knapp, aber sehr gut. Das beginnt mit einer kurzen Begriffsklärung, geht über einer Erklärung von IP-Adressen hin zu Verbindungsarten und Verschlüsselungsarten sowie typischen Fehlern und Schwachstellen in IP-Netzen. Ganze zwei Stunden soll diese Lektion dauern, was ohne Vorkenntnisse nicht zu machen ist, doch wer sich durch dieses Kapitel ackert (und die abschließende Prüfung besteht), ist für die meisten Verbindungsprobleme gewappnet. Kapitel 7 beginnt ganz einfach mit Safari und iChat, steigert sich aber am Ende in ein Stakkato von Verzeichnisdiensten wie LDAP, Kerberos und Open Directory oder Active Directory. Danach folgt Kapitel 8, das die Sharing-Dienste gut erklärt, sich aber über die Schwierigkeiten wie falsche Zugriffsrechte und Kontaktschwierigkeiten zu älteren Macs oder Windows-PCs etwas herum mogelt.

USB, Bluetooth und Firewire-Geräte sind gut, aber nicht allzu ausführlich beschrieben. Dafür gefällt uns die Anleitung zur Fehlersuche, weil sie zeigt, wo Hardware und Software bei diesen Peripheriegeräten ineinander greifen.

Den Abschluß bildet eine Erklärung von Startvorgang (inklusive der möglichen Probleme) und eine allgemeine Fehlersuche. Ersteres ist ausführlich und in unseren Augen sehr gut erklärt. Letzteres ist zwar nur als "Anhang" betitelt; etwas ausführlicher hätte es aber sein dürfen.

Fazit

Ein Buch (nicht nur) für professionelle Mac-Besitzer, das an manchen Stellen Schwächen zeigt. Vor allem, wenn es um andere Informationsquellen außerhalb des Hauses Apple gibt, ist White sehr zurückhaltend. Zum Ausgleich bekommt man aber manche Kapitel (zum Beispiel über Internetverbindungen), die wir anderen Autoren nur empfehlen können - wesentlich besser lässt sich das in unseren Augen nicht schreiben. Was beim Verständnis hilft, ist die gute bis sehr gute Übersetzung. Die deutschen Begriffe stimmen und die Sätze sind deutlich unterhaltsamer als in manch anderem Fachbuch.

Info

Kevin M. White, Mac OS X Support Essentials,

2. Auflage; Deutsche Übersetzung von G&U Language & Publishing Services, erschienen bei Addison-Wesley 2008

ISBN 978-3-8273-2619-5

649 Seiten, Euro 49,95

Info: www.addison-wesley.de

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