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Steve Jobs schimpft über Flash

29.04.2010 | 16:43 Uhr |

In einem offenen Brief erteilt Steve Jobs Adobe eine endgültige Abfuhr und erklärt, warum eigentlich niemand Flash brauche. Flash sei aus der PC-Ära und nicht zeitgemäß.

Flash Slash
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Es kommt nicht oft vor, dass sich Steve Jobs direkt an die Öffentlichkeit wendet. Wenn er dies macht, dann geht es um große Politik – zumindest große Unternehmenspolitik. 2007 kündigte Jobs den "A Greener Apple an". Seit einiger Zeit sind die besonders umweltschädlichen Substanzen aus Macs verbannt und Apple lässt jeden Mac mit Umweltabzeichen zertifizieren. Kurz zuvor, im Februar 2007, hatte Steve Jobs sich öffentlich gegen DRM als Schutz vor kopierter Musik eingesetzt (" Thoughts on music "). Seit Anfang 2009 gibt es keine Musik mit DRM mehr in Apple iTunes Store.

Rundumschlag mit Argumentationslücken

Wenn Steve Jobs öffentlich eine Richtung vorgibt, dann wirft dies seine Schatten voraus, auch gegen den Widerstand beispielsweise der Musikindustrie. Nun ist Adobe an der Reihe. Die Diskussion über Flash , ob Flash auf das iPhone und iPad kommen soll, ob Flash noch zeitgemäß ist; alle diese Fragen hat Steve Jobs jetzt selbst beantwortet: nein!

Er führt zahlreiche Gründe an und zerreibt das Plugin von Adobe dabei zwischen seinen Fingern. Flash sei langsam, unsicher, ressourcenhungrig und veraltet. Jobs ist dabei keineswegs objektiv, sondern er führt Punkt für Punkt auf, warum Apples Strategie mit HTML5 und CSS moderner, schneller und besser sei. Jobs argumeniert mit Zahlen. Dass Nutzer dank Youtube-App immerhin 40 Prozent aller Web-Videos sehen könnten, plus der Videos einiger weiterer Anbieter. Statt Flash-Spielen könnten Nutzer Apps aus dem App Store nutzen.

Flash unterstütze kein Toucheingaben, sei eine Software aus der PC-Ära, für PCs und Mäuse. Dabei verschweigt er, dass die Betaversion von Flash 10.1 durchaus auch Toucheingaben beherrschen soll. Laut Jobs gebe es bis heute kein Smartphone mit Flash-Unterstützung. Dies ist wohl ein Definitons-Trick. Es gibt seit langer Zeit Behelfslösungen wie Flash lite, einige Handys unterstützen auch die vollen Flash-Funktionen. Steve Jobs kritisiert sogar, dass Flash eine proprietäre, also geschlossene Software sei und ganz der Kontrolle Adobes unterliege. Diesen Vorwurf bringen viele Kritiker auch gegen Apple an. Sicherheitsprobleme und die Stabilität sind zwei Vorwürfe, die auch viele Nutzer sicherlich unterschreiben würden.

Was Steve Jobs in seinem Rundumschlag unter den Tisch fallen lässt, ist die Tatsache, dass Flash nicht nur für Webvideos und kleine Animationen genutzt wird. Auch wenn moderne Webprogrammierung bereits tolle Anwendungen hervorbringen kann: HTML5 ist noch ein früher Entwurf und wird erst in Jahren ein verabschiedeter Standard sein und überall Anwendung finden. Für Webvideos gibt es noch keine einheitliche Lösung unter HMTL5. Während Apple und Google den bald lizenzkostenpflichtigen H.264-Codec in ihre Browser integrieren, setzen Firefox und Opera dabei auf lizenzfreie Codecs. Videowebseiten entscheiden sich ebenfalls für jeweils unterschiedliche Formate. Eine einheitliche Lösung ist nicht in Sicht.

Jobs versucht sich auch dafür zu rechtfertigen, dass Apple es verboten hat, andere Entwicklungstools für das iPhone zu nutzen als das eigene Xcode. Konverter und ähnliche Zwischenschichten sind verboten, auch Adobes "Flash zur App"-Konverter. Jobs begründet dies damit, dass diese zwischengelagerten Schichten nie alle Funktionen der Plattform unterstützten und deshalb zu schlechteren Apps führen.

Es geht um Politik

Steve Jobs hat tendenziell mit vielen Punkten sicher recht und trifft bei vielen Nutzern wohl auch den richtigen Nerv. Dennoch ist iPhone- und iPad-Nutzern nicht damit geholfen, wenn sie im Internet an vielen Stellen blaue Fragezeichen sehen. Steve Jobs' "Thoughts on Flash" klingt wie eine Besänftigung des Nutzers, die ihm erklärt, warum Apple genau das Richtige macht, dabei geht es um auch deutlich um Unternehmenspolitik.

Link: Steve Jobs – Thoughts on Flash , auf der folgenden Seite in deutscher Übersetzung.

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