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Tim Cook fordert Steuersenkungen

22.05.2013 | 10:03 Uhr |

Am Dienstag stand Apple dem Unterausschuss des US-Senats Rede und Antwort, der die Steuervermeidung großer US-Konzerne untersucht. Dabei kommt das komplizierte Geflecht zutage, mit dem Apple im Ausland Steuern spart.

"Wir sind der größte Umsatzsteuerzahler in Amerika", sagt Apple-CEO Tim Cook. Aber das US-Steuerrecht benachteilige international aufgestellte Unternehmen.

Den subtilen Vorwurf, Apple könne doch gleich mit der gesamten Firma in ein Steuerparadies ziehen, weist Cook energisch zurück: "Wir sind eine US-Firma, unsere Forschung findet hier statt. Wir sind eine US-Firma, auch wenn wir nach China verkaufen. Es kam mir noch nie in den Sinn, in ein anderes Land zu ziehen. Das ist jenseits meiner Vorstellungskraft und die ist wirklich gut!"

Derzeit habe Apple jedoch keine Pläne, das im Ausland gelagerte Geld zu den aktuellen Steuersätzen in die USA zu holen, sagt Cook. Die Steuergesetze müssten sich langfristig ändern und berechenbar werden, fordert Cook.

Der Apple-CEO beginnt seine Aussage selbstbewusst wie eine Keynote und präsentiert die glänzenden Zahlen Apples. Später ändert sich das Bild: zum Ende der Befragung sitzt Cook etwas zusammengesunken in seinem Stuhl, starrt mit heruntergezogenen Mundwinkeln auf seine Hände.

Über 100 Milliarden Dollar Kapital lagern derzeit in Apples Zweigstelle in Irland. Und da soll es auch bleiben. Statt die Kapitalreserven anzufassen, nimmt Apple in den USA lieber Schulden auf , um Dividende und Aktienrückkäufe zu stemmen.
Der Grund: Würde Apple das Geld der Tochter in die USA bringen, müsste das Unternehmen über 30 Prozent Steuer darauf bezahlen. Im Vergleich zu dem normalen Steuerprozentsatz kann Apple derzeit das Geld mit dem Zinssatz von 2 bis 3 Prozent ausleihen.

Das Apple-System

Es ist ein komplexes Konstrukt , das Apple sich aufgebaut hat, um möglichst wenig an den Fiskus zu zahlen. Das gesamte Geschäft außerhalb der USA läuft über drei Tochterunternehmen in Irland. Jeder Apple Store in London, München, oder Hongkong, jedes in Indien verkaufte iPhone: der Umsatz landet letztlich immer in Irland. Dort hat Apple einen Deal, nur zwei Prozent Steuern zu zahlen. Dies gilt seit 1980, als Apple dort seinen europäischen Vertrieb öffnete. 2009 wurde dieser Deal erneuert.

Das Geld bunkert Apple schließlich bei " Apple Operations International ", einem Unternehmen, das weder Angestellte hat, noch unternehmerisch tätig ist. "Wir können nicht mit einem System weiter machen, in dem ein US-Unternehmen bestimmen kann, wohin die Profite gehen. Ein Unternehmen, das zu 95 Prozent in den USA entwickelt", klagt Senator und Ausschussvorsitzender Carl Levin.

Er hält Tim Cook und Apple-Finanzchef Peter Oppenheimer zum Abschluss eine Moralpredigt. Apple habe seine Kronjuwelen, das geistige Eigentum und die Handelsrechte an den Produkten für das Auslandsgeschäft verschenkt. Apple hat die Rechte für das Ausland an die irischen Töchter abgetreten, die so scheinbar eigenständig handeln. Dennoch gehören die irischen Unternehmen Apple und werden auch von Kalifornien aus gesteuert, wie Cook und Oppenheimer zugeben.

"Wo haben die drei irischen Töchter ihren Steuersitz", fragen die Senatoren mehrfach. "Nirgendwo. Aber wir zahlen trotzdem Steuern." Juristisch ist daran nichts zu rütteln, jeder der Senatoren bescheinigt Apple, kein Gesetz gebrochen zu haben. Dennoch prallen hier streng unterschiedliche Standpunkte aufeinander. Apple muss sich rechtfertigen. Warum liegen zwei Drittel des Kapitals auf fremdem Boden, warum versteuert Apple zwei Drittel seines Gewinns außerhalb der USA?

Unterstützung von rechts

Große Teile des Senatsausschusses kritisieren Apples Praxis. Nur die erzkonservativen Senatoren Rand Paul, Ron Johnson und Rob Portman behandeln Apple freundlich. Für sie ist der Fall Apple ein Aufhänger, Steuersenkungen zu fordern. Konkurrent Samsung zahle international ungefähr den gleichen Steuersatz wie Apple, rechnet Portman vor. Der einzige Unterschied: Samsung könne seine Auslandsgewinne ohne Probleme in die Heimat schaffen und dort investieren.

Senator John McCain, Ex-Präsidentschaftskandidat. Obwohl er Republikaner ist, ist er einer der Kritiker der Steuersparmodelle von US-Unternehmen.
Vergrößern Senator John McCain, Ex-Präsidentschaftskandidat. Obwohl er Republikaner ist, ist er einer der Kritiker der Steuersparmodelle von US-Unternehmen.

Was Apple und einige Republikaner als Benachteiligung Apples ansehen, sehen Ex-Präsidentschaftskandidat John McCain und die Demokraten als Benachteiligung heimischer Unternehmen. Wer nicht international handle, habe keine Möglichkeit, über solche Mittel Steuern zu sparen.

Tim Cook findet keine Erklärung dafür, warum Apple alle Geschäfte in Kanada und Südamerika regulär in den USA versteuert, alles jenseits des amerikanischen Kontinents jedoch nicht. 

In den USA müssen Privatmenschen und Unternehmer grundsätzlich sämtliche Einnahmen weltweit auch in den USA versteuern. Durch die Auslandstöchter umgeht Apple dies, zahlt aber dennoch in den USA Steuern für die Zinsen, die in Irland durch den vollen Geldspeicher anfallen. Für exportierende Unternehmen wie Apple sei das US-Steuerrecht ein Wettbewerbsnachteil, sagt Senator Portman. In Ländern wie Großbritannien oder Deutschland gebe es dies nicht.

Link: Untersuchungsbericht des Ausschusses

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