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Transmeta - Ein neues Prinzip (Teil 1)

24.03.2000 | 00:00 Uhr |

Seit Januar spielt die Prozessorenschmiede Transmeta mit offenen Karten. Das Unternehmen, das 1995 David Ditzel, Doug Laird, Steve Goldstein und Colin Hunter gegründet haben, kündigte nach fast fünfjähriger Entwicklungsarbeit im Januar 2000 zwei neue Prozessoren unter der Bezeichnung "Crusoe" an. Die Chips, die nach Daniel Defoes Abenteurer Robinson Crusoe benannt sind, unterscheiden sich wesentlich von der Konkurrenz: Sie bestehen aus Hard- und Software. Diese Kombination soll laut Transmeta-Boss David Ditzel vor allem zwei Probleme lösen: Dank Software-Einsatz lässt sich die Komplexität des Prozessors verringern und man kann damit eine Prozessorarchitektur verwenden, die auf keine Altlasten (Abwärstkompatibilität) Rücksicht nehmen muss. Die Konsequenzen: Die Chips sollen einfacher aufgebaut, einfacher zu debuggen, einfacher zu erweitern und einfacher herzustellen sein.

Software statt Hardware

Crusoe, so Ditzel auf einem Microprozessor-Forum im März in Santa Clara, sei nicht der Name eines Chips, sondern der ganzen Baureihe. Diese besteht vorerst jedoch nur aus zwei Modellen, dem TM3120 und dem TM5400, die beide in mobilen Internet-Geräten oder Notebooks zum Einsatz kommen sollen. Das kleinere Modell (TM 3120) verwendet einen 400 MHz-Prozessor mit 108 KB Cache und der große Bruder soll es auf 700 MHz bringen und von einem 400 KB Cache unterstützt werden. Das besondere sind jedoch nicht so sehr die Taktraten, sondern der Stromverbrauch und die unterschiedlichen Befehlssätze beider Chips. Beide Prozessoren benötigen rund 1 Watt Leistung und sind dank Software kompatibel zu Intels x86-Welt, die auch Windows-PCs verwenden. Dass beide Prozessoren unterschiedliche Befehlssätze haben und dennoch kompatibel sind, liegt daran, dass Transmeta die Kompatibilität auf der Software-Ebene sucht und bei der Hardware nahezu ungebunden ist. So waren die ersten RISC-Prozessoren mit einem 32-Bit-Datenpfad jahrelang Standard in der Prozessoren-Entwicklung. Crusoe-Chips verwenden 128 Bit lange Befehlswörter und laut Transmeta kann man, ohne Kompatibilitätsprobleme befürchten zu müssen, in Zukunft auch 256-Bit-Prozessoren einsetzen.
Crusoe-Prozessoren bestehen zu 75 Prozent aus Software und zu 25 Prozent aus Hardware. Die Hardware, die auf einem VLIW-Silicon-Prozessor basiert, verfügt über einen großen Cache, Register Files, arithemetische Funktionen und eine sogenannte In-Order Execution. Die restlichen Bestandteile konventioneller Prozessoren, wie etwa der Floating Point Stack oder die Speculative Execution werden von der Software übernommen, die Transmeta kurzerhand "Code Morphing Software" heisst. Der wohlklingende Name, so Ditzel, stamme aus einer Zeit, als man noch Investoren suchen musste.

Martin Stein

Vorschau

Teil 1: Ein neues Prinzip (24. März 2000)

Teil 2: Code Morphing im Detail (31. März 2000)

Teil 3: Transmeta für Apple (April 2000)

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