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Analysten halten Einfluss des iPad auf den PC-Markt für übertrieben

20.09.2010 | 07:11 Uhr |

Die Schätzung, wonach 50 Prozent der Notebook-Verkäufe vom letzten Jahr nun Apples Tablet zum Opfer fielen, war haltlos. Während mit realistischen Zahlen erst ab nächstem Jahr gerechnet werden kann, beziffern Analysten aber jetzt schon die Umsatzeinbußen der Notebook-Hersteller mit 15 bis 25 Prozent.

Das iPad ist nicht der Tod der PC-Industrie, wehren Analysten ab. Zwar haben die iPad-Verkäufe die Umsätze von PC-Notebook heftig dezimiert, aber bei weitem nicht um gar 50 Prozent, wie Brian Dunn, der Geschäftsführer von Best Buy im Interview mit dem Wall Street Journal behauptete. Stephen Baker, ein Analyst bei der NPD Group, hält diese Zahlen für haltlos überhöht. Selbst Dunn hat später in seinem Best Buy-Blog üppige Übertreibungen eingeräumt.

"Offensichtlich ist das iPad ein fantastisches Produkt - aber es ist noch viel zu früh um einen echten Schaden des PC-Markts vorherzusagen. [...] Erst ab 2011, wenn mehrere Tablets auf dem Markt sind und der Trend der Tablet-Verkäufe sich weiterhin fortsetzt, kann der Einfluss auf PC-Umsätze realistisch abgeschätzt werden", meldete Baker. In einer noch nicht veröffentlichten Studie von NPD wird der Verlust von PC-Verkäufen aufgrund iPads vorsichtig auf einen Prozentwert zwischen zehn und zwanzig beziffert, berichtete Baker und fügt hinzu: "Das iPad hat immer noch den "Brandneu"-Vorteil, ist aber deutlich teurer als ein vergleichbares Notebook. Die bisherigen Umsatzzahlen geben keinen Grund zur Beunruhigung der PC-Hersteller."

Andere Wall-Street-Analysten kommen aufgrund der gleichen NPD-Zahlen zu wesentlich pessimistischeren Vorhersagen: Aufgrund der Statistik der NPD-Studie, wonach die Notebook-Verkäufe im August in den USA um vier Prozent geringer ausfielen als im Vorjahresmonat, kamen diese Marktforscher zur Schlussfolgerung, dass dank dem iPad der PC-Notebook-Markt um 25 Prozent eingebrochen ist.

Baker bezweifelt diese Folgerungen. Die Notebook-Verkäufe sind im August und Juli jeweils um zwei Prozent gesunken, aber Baker führt das nicht auf das iPad zurück, sondern auf die ungewöhnlich hohen Notebook-Umsätze im Vorjahr, mit denen 2010 einfach nicht mithalten kann. Als weitere Faktoren für die gesunkenen Verkaufszahlen führt Baker an, dass die meisten PC-Kunden bereits in 2009 auf Windows 7 umstiegen und die PC-Hersteller in diesem Jahr keine aggressiven Laptop-Schnäppchen zum Schulanfang anboten.

Ezra Gottheil vom Marktforschungsinstitut TBR (Technology Business Research) stimmt dieser Logik nur bedingt zu. Letzte Woche veröffentlichte TBR eine Studie, wonach 32 Prozent aller Kunden, die vor sechs Monaten planten ein iPad zu erwerben, dies mittlerweile kauften oder kurz davor stehen, einen PC gegen ein iPad auszutauschen. Gottheil schließt daraus, dass die iPad-Käufe klar auf Kosten der Notebooks gehen, da die Kunden eher den Zweit- oder Dritt-Rechner gegen ein iPad tauschen und nicht ihren Hauptcomputer damit ersetzen. "PC-Hersteller konnten sich bisher darauf verlassen, dass jeder Kunde neben dem Hauptcomputer auch zu einem Notebook und/oder Netbook griff und jedes Gerät für bestimmte Dienste einsetzte. Aber zum Ersatz eines ausgedienten Notebooks oder Netbooks greifen Kunden nun gezielt zum iPad für E-Mails und Internetzugang.", analysiert Gottheil den Verkaufstrend.

Überraschenderweise zeigt die letzte TBR-Umfrage unter 500 Kunden, dass immerhin fünf Prozent das iPad als einzigen Computer nutzen. 50 Prozent schätzen, dass sie das iPad als Zweit-Computer einsetzen, während 44 Prozent das iPad als Hauptcomputer und einen PC als Zweit-Computer verwenden. "Trotz allem Zubehör sind Notebooks nur eine Kompromisslösung", erinnert Gottheil und erwartet, dass in Zukunft der Trend klar zu einem Desktop-Rechner mit großem Bildschirm und einem Zweitgerät wie ein Tablet oder Smartphone mit ausreichend großem Display gehen wird.

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