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Die nächste Generation von OS X

14.01.2015 | 11:22 Uhr |

Yosemite ist erfolgreich gestartet, aber was kommt danach? Wir werfen vorab einen Blick auf die Zukunft von OS X und mögliche weiterführende Funktionen des Nachfolgers

Nach dem Update ist vor dem Update, um eine alte Fußballerweisheit etwas abzuwandeln. Während viele Anwender noch mit dem Umstieg auf OS X Yosemite beschäftigt sind, arbeitet Apple längst an der nächsten Generation des Systems. Die offizielle Vorstellung wird sicher auf der WWDC 2015 erfolgen, die aller Voraussicht nach vom 8. bis 12. Juni stattfinden wird. Für diesen Zeitraum tauchte kurzzeitig ein „Corporate Event“ als Terminblocker im Kalender des Moscone Centers in San Francisco auf. Auf der WWDC wird Apple die breite Masse der Entwickler mit Informationen versorgen, damit diese die Möglichkeit haben, Ihre Produkte an die kommende Generation von OS X anzupassen. Den Namen des neuen Systems hält Apple natürlich streng geheim. Es wird sich wieder um einen sehenswerten und beliebten Ort in Kalifornien handeln, also eher Golden Gate, Sequoia oder Tahoe als Death Valley, obwohl sich das als Schreibtischhintergrund gar nicht schlecht machen würde. Zu neuen Funktionen ist noch nichts Konkretes durchgesickert, aber einige Baustellen sind relativ offensichtlich.

Möglicher Termin

Mavericks und Yosemite sind jeweils im Oktober erschienen. Ob Apple allerdings auch dieses Jahr dabei bleibt, scheint uns nicht ganz so sicher. Schließlich hat Microsoft für die zweite Jahreshälfte Windows 10 angekündigt. Möglicherweise wird Apple deshalb den Verkaufsstart von OS X 10.11 etwas vorziehen. OS X Mountain Lion erschien 2012 zusammen mit Windows 8 auch nicht wie angekündigt im Spätsommer, sondern bereits am 25 Juli, was Ihm einen ordentlichen Vorsprung bescherte. Windows 8 folgte erst am 26. Oktober. Spätsommer scheint uns auch 2015 ein plausibler Termin zu sein.

Eine 10 zu viel?

Es wird immer wieder gern darüber spekuliert, ob Apple den Namen des Systems noch einmal anpasst, um die doppelte 10 zu entfernen

Das „X“ steht einerseits für die römische 10, auf der anderen Seite aber auch für die Abstammung von Unix. Diese Doppeldeutigkeit war Apple damals höchst willkommen, um klarzumachen, dass Mac-OS X sich grundsätzlich vom in die Jahre gekommenen Vorgänger Mac-OS 9 unterscheidet. Inzwischen ist das „Mac“ aus dem Namen verschwunden und der zweite Teil der Versionsnummer ist zweistellig geworden. Das ist an sich kein Problem, aber wenn sich die erste Zahl eh nicht ändert, kann man sie auch weglassen und aus OS X 10.11 einfach OS X 11 machen. Damit könnte Apple auch vermeiden, dass sich 2016 OS X 10.12 und iOS 10.0 gegenüberstehen, was das mobile System auf den ersten Blick abwertet.

Zweigleisige Strategie

OS X und iOS haben mit Unix und Apples darauf aufsetzenden Darwin-Projekt bereits gemeinsame Wurzeln, doch eine formale Verschmelzung von OS X und iOS erwarten wir auch 2015 nicht. Dagegen sprechen die völlig unterschiedlichen Anforderungen an ein Desktop- und Mobilsystem. Auf einem Mac stehen deutlich mehr Ressourcen im Hinblick auf Leistung, Speicher oder Internetnutzung zur Verfügung, und die wird Apple auch im nächsten OS X reichlich ausnutzen. Auf iPhone und iPad sind dagegen die einfache Bedienung auf dem kleinen Bildschirm und ein geringer Stromverbrauch wichtiger. Letztlich ist es aber keine technische Entscheidung, ob wir irgendwann ein „iOS X“ sehen werden. OS X und iOS sind die zwei Gesichter einer Plattform. Sie haben unter der Haube bereits viele Gemeinsamkeiten. Behält man zwei unabhängige Systeme, kann man deren individuelle Stärken besser hervorheben. Dabei drängt sich der Vergleich mit Windows auf. Mit dem Versuch, die für Mobilgeräte erdachte Kacheloberfläche auf dem PC zu etablieren, ist Microsoft bei Windows 8 spektakulär gescheitert. Analog dazu ist das vom iOS-Homescreen inspirierte Launchpad eine echte Bereicherung für OS X, da man es bei Bedarf schnell aufrufen kann. Als alternative Startoberfläche anstelle des Finders hätte es jedoch keine Chance.

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Microsoft geht mit der Ankündigung von Windows 10 den entgegengesetzten Weg und vollzieht im Marketing die Fusion aus Windows 8 und Windows Phone 8, um die Gemeinsamkeiten zu betonen und Windows-Nutzer, die unterwegs mehrheitlich auf iOS und Android setzen, auf die eigene Mobil-Plattform zu locken. Dort hat der Konzern aus Redmond noch eine Menge Nachholbedarf. Gleichzeitig rudert man auf dem Desktop weiter zurück zu einer konventionellen PC-Oberfläche, baut diese mit virtuellen Bildschirmen und verbessertem Multitasking aus, um die eigene Basis nicht zu vergraulen.

Teamwork statt Fusion

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der fein abgestimmten Zusammenarbeit beider Welten, die Apple auch 2015 weiter ausbauen wird. Yosemite stand mit seiner neuen flachen Oberfläche für Finder und mitgelieferte Apps ganz im Zeichen dieser Anpassung. Hier ist jetzt ein wichtiger Punkt erreicht. Die gleichen Apps auf beiden Systemen, ähnliche Symbole in der Oberfläche und gemeinsame Funktionen wie die Heute-Ansicht in der Mitteilungszentrale oder das Freigabemenü. Bei der weiteren Verbesserung der Zusammenarbeit spielt iCloud eine zentrale Rolle. Hier erwarten wir in 2015 erweiterte Freigabefunktionen für Dateien. Wenn man demnächst über die neue Fotos-App (Seite 39) und die iCloud-Fotomediathek Bilder und Alben freigeben kann, dann sollte das doch bitte auch mit Dateien und Ordnern des iCloud Drive möglich sein. Diese Funktion fehlt auf jeden Fall noch, um eine wichtige Lücke im Vergleich zu anderen Cloud-Diensten wie Dropbox zu schließen. iCloud Drive könnte so auch die iTunes-Freigabe beim Datenaustausch mit iOS-Geräten grundsätzlich ersetzen. Schließlich verbinden immer weniger iOS-Nutzer ihre Geräte noch direkt mit dem Mac. Die Auslagerung weiterer Daten auf iCloud macht auch geschäftlich für Apple Sinn. Die neuen iCloud-Tarife sind zwar preislich durchaus fair, aber immer mehr Anwender werden in Zukunft einen kostenpflichtigen Account benötigen, wenn Sie die neuen Funktionen nutzen wollen.

iCloud erweitern

Mit iCloud erlaubt Apple den Abgleich vieler Daten zwischen Macs oder zwischen der Cloud und einem neu eingerichteten Mac. Man gibt auf Letzterem seinen iCloud-Account ein und schon stehen Kontakte, Termine, E-Mail und diverse Passwörter zur Verfügung. Was noch fehlt, sind die lokalen Mac-Einstellungen, wie die Finder-Konfiguration, Schreibtischhintergründe, Spotlight-Einstellungen und vieles mehr. Für eine komplette Wiederherstellung bräuchte man iCloud-Support für Time Machine, aber dafür ist die Zeit noch nicht reif. Das geben die heute üblichen DSL-Verbindungen einfach noch nicht her und auch „Fair Use“-Flatrates, die die Geschwindigkeit nach circa 100 bis 300 GB drosseln, würde Time Machine bei vielen Anwendern locker sprengen. Eine zentrale Sicherung der Benutzereinstellungen wäre aber problemlos möglich. Organisiert man dann noch iCloud-Drive passend, hat man fast schon sein Home-Verzeichnis in iCloud. Dann reicht es wirklich, OS X auf einem neuen Mac zu installieren und die iCloud-ID einzugeben, um in der gewohnten Umgebung zu landen.

Neue Suchmaschine

2015 läuft Apples Vereinbarung mit Google aus, dessen Suchmaschine als Voreinstellung in OS X zu wählen. Da die Stimmung zwischen Apple und Google in letzter Zeit zunehmend abkühlt, könnte die Stunde einer anderen Suchmaschine schlagen. Für Microsofts Bing spricht, dass der Dienst mittlerweile deutlich aufgeholt hat und Apple ihn bereits für die in Yosemite eingeführte Internetsuche in Spotlight nutzt. Wer dann weiter mit Google suchen will, wird wohl die Einstellung der Standardsuchmaschine in Safari selbst ändern müssen.

Feintuning für Yosemite

Zum Schluss gibt auch noch einige mit Yosemite eingeführte Funktionen, die etwas Feintuning gebrauchen können. So nervt die Familienfreigabe zum Beispiel damit, dass sie einem beim Bezahlen nicht die Wahl zwischen einer eigenen Bankverbindung und der Familienkreditkarte lässt. Selbst bereits laufende Abos werden auf die Familienkarte umgebucht. Außerdem nervt die Funktion durch übertrieben häufige Abfrage des iCloud-Passworts.

Handoff ist zwar eine faszinierende Funktion, aber im Alltag fehlen noch zwei Dinge. Einerseits braucht Handoff eine Funktion „Öffnen mit“, die die Übergabe von Dokumenten an formatkompatible Apps erlaubt. Warum soll man bitte eine auf dem iPhone in Safari geöffnete Webseite nicht auf dem Mac mit Chrome übernehmen? Das zweite ist Handoff per Internet, so dass man zum Beispiel das zuletzt auf dem Mac bearbeitete Dokument unterwegs auf dem iPhone oder iPad öffnen kann.

Neue Technologien

Auf der Suche nach neuen Funktionen hat es sich in der Vergangenheit immer gelohnt, in Richtung iOS zu schielen. Was sich auf dem Mac sinnvoll nutzen lässt, wird sich dort auch über kurz oder lang finden. Ein Dienst, der auf dem Mac noch fehlt, ist Siri. Schließlich wäre es auch am Mac praktisch, mal schnell einen Termin oder eine Erinnerung per Spracheingabe anzulegen.
Datenzentrale Mac Die Erfassung von gesundheitsrelevanten Daten mittels Healthkit erfolgt über mobile Geräte wie das iPhone. Es ist aber sicher nur eine Frage der Zeit, wann es eine Möglichkeit zur Analyse und Weiterverarbeitung der Daten auf dem Mac gibt, da sich zum Beispiel zeitliche Entwicklungen und andere Zusammenhänge auf einem großen Bildschirm viel besser darstellen und erkennen lassen. Ähnlich sieht es mit Homekit aus. Der Mac taugt nicht unbedingt zur Fernsteuerung von Geräten, da man ihn nicht immer zur Hand hat, aber wer erst einmal eine größere Anzahl Lichtquellen, Heizungen, Rauchmelder und andere Dinge über Homekit steuert, wird sich schnell eine App auf dem Mac wünschen, um die Übersicht zu behalten und Änderungen an der Konfiguration vorzunehmen. Solche Apps werden vermutlich von Fremdfirmen kommen, aber Apple könnte mit dem nächsten OS X einheitliche Voraussetzungen für einen sicheren Zugriff auf die persönlichen Daten schaffen.

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