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Trickfilme klötzchenweise: Brickfilme im Internet

18.02.2004 | 10:39 Uhr |

Die Dusche läuft, das auserwählte Opfer steht nichts ahnend darunter. Langsam schwenkt die Kamera, der Übeltäter schleicht sich ins Bad. Der Rest ist "Psycho"-Geschichte.

Die Szene ist bekannt - und doch ist sie ganz neu. Denn die Hauptdarsteller der so genannten Brickfilme sind Legofiguren. Brick ist englisch und bedeutet Mauerstein.

Nicht nur mit Legofiguren werden Filmszenen nachgedreht - auch Playmobilfiguren, Barbies und verschiedene Actionfiguren haben ihre Anhänger. Die Macher der Filme sind meistens männlich und jünger als 30. Frauen haben noch nicht so recht Zugang in die Welt der Brickfilmer gefunden: "Ich weiß zwar nicht warum, aber das ist tatsächlich eine Jungendomäne", sagt Oliver Baentsch, Brickfilmer aus Essen.

Angefangen hat bei Baentsch alles, als er selbst für ein Studentenmagazin einen Brickfilm drehen sollte. "Es gab ein Moviemakerset von Lego, komplett mit Spielzeug und einer Digitalkamera. Das habe ich ausprobiert und bin daran hängen geblieben", sagt der 28-Jährige.

Eines der bekanntesten Brickfilmchen ist "Die Helden von Bern". Ebenfalls im Lego-Look wird hier das WM-Finale 1954 nachgestellt, unterlegt mit dem Originalkommentar des Sportreporters Herbert Zimmermann. Zu finden sind "Die Helden von Bern", die von drei Studenten des Studienganges Medien und Informationswesen der Universität Offenburg abgedreht wurden, unter www.wm54.de.vu/ .

Besonders zahlreich sind Brickfilmer nicht: "So einige hundert wird es geben", schätzt Baentsch. Wichtigstes Medium für sie ist das Internet, denn die Klötzchenfilmer sind über den gesamten Erdball verteilt. Die wichtigste Seite ist unter www.brickfilms.com zu finden. Hunderte Animationen sind von dort aus zugänglich - übersichtlich sortiert und mit einer Inhaltsangabe.

Brickfilme beruhen auf der Stopmotiontechnik: Einzelne Bilder werden geschossen und dann hintereinander gelegt. "Das ist wie ein Daumenkino oder ein Zeichentrickfilm", erklärt der Brickfilmer Marcel Belledin aus Köln. "Für eine "Pulp Fiction"-Produktion haben wir vier Tage Drehzeit und noch mal so lange Postproduktion gebraucht", erinnert sich Baentsch. Denn sind die Bilder im Kasten, gehe die Arbeit erst richtig los: "Schneiden, Spezialeffekte, Vertonung - das braucht alles seine Zeit."

Obwohl das Internet das größte Forum für die Legofilmer ist, haben sich einige Regisseure auch in der realen Welt einen Namen gemacht. Belledin hat seine Produktionen bereits auf Kurzfilmfestivals vorgeführt. Dass der dänische Legokonzern die Filmer nicht sponsort und sich dem Anschein nach auch nicht für diese Community erwärmen kann, hat nach Baentschs Meinung auch mit den nicht immer jugendfreien Produktionen zu tun. "Es gibt auch Leute, die Legopornos drehen: gelbe Männchen und eindeutige Bewegungen - fertig."

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