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Manager Magazin schmäht Apple

28.06.2011 | 12:03 Uhr |

Man fühlt sich in Stil und Duktus an das gern etwas reißerische "Spiegel"-Magazin erinnert, statt an eine seriöse Wirtschaftsanalyse des zweitwertvollsten Unternehmens der Welt für Deutschlands Managerelite: Das "Manager Magazin" beansprucht immerhin, die "rüden Geschäftsmethoden des Kultkonzerns" bloßzulegen.

Äpfel auf Tablett mit Apple-Logo
Vergrößern Äpfel auf Tablett mit Apple-Logo

Ein Mann im dunklen Business-Anzug mit überkreuzten Armen und arrogant hochgerecktem Kinn, die Nase zum Himmel erhoben. Am Jackett ist ein weißer iPod angeklemmt, die Hintergrundfarbe der Titelseite in giftiges Grün getaucht: So erinnert das Magazin an die iPod-Werbespots, will aber suggerieren: Apple ist überheblich, rüde und machthungrig. So ähnlich lautet denn auch der in Majuskeln gedruckte Titel: "APPLE - DIE ARROGANZ DER MACHT." Und natürlich ist ihr Mitgründer und "König des Silicon Valleys" nicht besser als das Unternehmen, das heute unbestritten von A bis Z seine Handschrift trägt: "Vorbeter: Apple-Boss Steve Jobs - genial, arrogant, machtversessen", wird der Beitrag im Inhaltsverzeichnis angekündigt, nachdem Chefredakteur Arno Balzer in seinem Editorial zur Einstimmung schon genüsslich IT-Vorstände zitiert, die Jobs "Kontrollwahn, Perfektionismus und Herablassung" attestieren, dazu "rüdes Geschäftsgebaren" und die Einsicht, der "Kultkonzern hat seinen Zenit überschritten".

Doch so richtig los geht es erst ab Seite 36: " Das Ende des Appsolutismus ", liest man dort, wieder in Majuskeln überschrieben und im besten "Spiegel"-Deutsch. Auf der direkt gegenüberliegenden Seite ein Format füllendes Bild von lauter iPhones , die zusammen ein pyramidenförmiges Kartenhaus bilden: Schick, aber akut vom Einsturz bedroht, will das wohl sagen. Was dann auf insgesamt acht Seiten (nach Abzug der Werbung) folgt, ist Hauen und Stechen auf den "Orden des Apfels" bei nur wenigen wirklich aussagekräftigen oder für Apple-Kenner gar neuen Fakten. So belegt eine Grafik unter dem Titel "Abstiegsszenario", dass Apple seit 2002 vom Umsatz "einen schrumpfenden Prozentsatz in die Forschung" investiert und die Apple-Aktie ihren Höhepunkt überschritten zu haben scheint - obwohl das Manager Magazin einräumt, dass 48 von 53 Apple -Analysten immer noch zum Kauf raten, die übrigen zum Halten der Aktie. Und natürlich ist der Umsatz bei Apple in den letzten Jahren so exorbitant gestiegen, dass die Forschung dem auch prozentual kaum Rechnung tragen könnte oder müsste.

Aus berufenem Mund ist dann der bedeutungsschwere Satz zu hören: "Heute ist Apple obenauf, aber in ein paar Jahren kann das ganz anders sein." Aha. Sagt wer? Ein "neutraler" Marktbeobachter, der zu tief ins Orakelglas geguckt hat? Ach was, so etwas weiß natürlich HP-CEO Leo Apotheker ganz genau, selbstverständlich ohne jeden eigennützigen Hintergedanken. In diesem Stil und mit hoher Redundanz geht es weiter. Nicht ohne berechtigte Kritik am Versuch Apples, die deutsche Zeitschriftenszene im App Store einseitig auszuhebeln. Wie schön, dass diese sich erfolgreich gewehrt hat. "Sicher", so das Magazin wieder augurenhaft dazu, "Apples Zensuranspruch bleibt bestehen. Und doch dürfte die Pokerpartie als Wendepunkt in Apples Firmengeschichte eingehen".

Keine Frage, Jobs ist nicht nur ein visionärer, äußerst charismatischer, sondern auch für viele Zeitgenossen und Mitarbeiter schwer erträglicher Konzernchef mit ganz eigener, exzentrischer Weltwahrnehumg, die man gern als "Reality distortion field" beschrieben hat. Irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn angesiedelt, will das wohl sagen. Aber ist das alles etwas wirklich Neues? Nur Fanboys und -girls werden Produkte und Gebaren des Unternehmens aus Cupertino anhimmelnd und unkritisch begleiten. Aber von einem Wirtschaftsmagazin hätten wir in einer Titelstory doch deutlich mehr erwartet als eine Ansammlung von Häme und Plattitüden. Am aussagekräftigsten ist noch das Interview mit Springerchef Mathias Döpfner auf Seite 39: Er spricht im Verhältnis zu Apple von einer "Hassliebe" und analysiert diese Geschäftsbeziehung ebenfalls kritisch, aber auch deutlich pointierter. Dass Apple, dem er wegen der künstlichen Verknappung von Produkten auch aus ganz persönliche Erfahrung unterstellt, es habe "das DDR-Marketing in genialer Weise reetabliert: ... wer etwas haben will, muss sich hinten anstellen", letztlich angesichts der Konkurrenz von Google & Co. nicht alle Maximalpositionen gegenüber den Verlagen durchhalten kann, ist einsichtig und gut für den Markt. Untergangsszenarien für den Mac-Hersteller muss der Manager aber nicht heraufbeschwören. Sein Statement aus dem vergangenen Jahr , dass jeder Verleger einmal täglich beten und Steve Jobs dafür danken solle, dass er die Verlagsindustrie rette, würde er nach eigener Auskunft auch heute wiederholen - "mit der gleichen Portion Begeisterung und Ironie, die schon damals in der Bemerkung steckte.

Das Manager Magazin 7/11 gibt es derzeit im Zeitschriftenhandel für 8 Euro. Online lässt sich das Heft nach Hause bestellen, aber nicht im Web gleich lesen. Allerdings hat der Verlag passend zu seiner Titelstory eine eigene Site über " Die Methode Steve Jobs " mit einer Fotostrecke angelegt. Wohl bekommt’s ...

Info: Manager Magazin

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