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Typografie im Internet

23.05.2008 | 13:26 Uhr |

Im Internet sind herkömmliche Typo-Regeln nicht anwendbar? Falsch. Das Medium mag nach anderen Regeln funktionieren als Print-Design, aber ein gutes Schriftbild ist hier genau so wichtig.

Bei der Gestaltung von Text für das Web ist vieles anders als im Printdesign. Der allerwichtigste Unterschied: Für den Druck legt der Grafiker das Erscheinungsbild bis ins Detail fest, das Erscheinungsbild einer Webseite hängt in vielen Dingen jedoch nicht vom Designer ab, sondern vom Leser. Wie eine Webseite auf dem Monitor aussieht, bestimmen Faktoren wie die für die Browseranzeige zur Verfügung stehenden Systemschriften, die Browsersoftware selbst, Monitorauflösung und Monitorgröße, die Anwendereinstellungen für die bevorzugte Grundschriftgröße sowie Komponenten wie beispielsweise die bevorzugte Fensterbreite oder das Vermögen eines Monitors, Farben korrekt anzuzeigen. Die Reduzierung auf einige wenige Systemschriften ist wohl mit das wesentlichste Merkmal bei der Gestaltung von Text für Internet-Aufritte. Der Grund: Für die Schriftanzeige relevant sind lediglich die Schriften, die auf dem Rechner des Surfers überhaupt zur Verfügung stehen. Folgerichtig sind Arial, Helvetica, Verdana, Times und Courier nach wie vor Standards.

Hauptfaktor Schrift

Schrift: Der Anwender bestimmt das Schriftbild wie hier in den Einstellungen von Safari.
Vergrößern Schrift: Der Anwender bestimmt das Schriftbild wie hier in den Einstellungen von Safari.

Moderne Systemschriften warten mit mehreren Alleinstellungsmerkmalen auf, die sie für diesen Job besonders gut geeignet machen. Zum einen sind sie für die Monitoranzeige eigens optimiert. Das heißt: Anders als Print-Schriften, bei denen vor allem die stufenlose Skalierbarkeit der Outline wichtig ist (etwa für Punktgrößeneingaben in Zehntel- oder gar Hundertstel-Intervallen), müssen Systemschriften vor allem bei 10, 14 oder 18 Pixel Darstellungshöhe gut lesbar sein. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Zeichenausstattung. Anders als noch ihre betagten Vorläufer aus Mac-OS 9 ähneln die Dfont-Systemschriften auf aktuellen Apple-Rechnern in vielem Opentype-Schriften; Helvetica und Konsorten warten mit über 1000 Zeichen auf; Apples System-Helvetica etwa ist mit genau 2125 Glyphen ausgestattet. Der Grund: Anzeigen können sollen sie nicht nur normalen Standardtext, sondern – im Zeitalter der Globalisierung wichtig – möglichst auch Alphabete, die vom Lateinischen abweichen.

Da mit allen Alphabeten selbst der Zeichenrekordhalter unter den Mac-Sys-temschriften, die Lucida Grande, überfordert wäre, enthält das Mac-OS zusätzliche Schriften für die Anzeige nah- und fernöstlicher Alphabete. In Sachen Monitordarstellung wie auch in Sachen Zeichenausstattung mögen die Systemstandards Spezialisten auf der Höhe der Zeit sein. Was die Schriftwahl angeht, sind Webdesigner allerdings weiterhin auf einige wenige Exponate festgelegt: Arial, Helvetica, Verdana und Geneva als Sans-Serif-Schriften, Times, Times New Roman und Georgia als Serif-Schriften sowie Courier und New Courier als Monospace-Schriften. Wie die Aufführung der ähnlich klingenden Varianten schon vermuten lässt, kommt es bei der Schriftwahl nicht darauf an, ganz konkrete Font-Dateien zu bestimmen. Absicht ist vielmehr die effektive Einschränkung auf einen bestimmten Schrifttyp: Sans Serif, Serif oder Monospace.

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