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U2 und Apple wollen Kaufanreiz für Musik erhöhen

18.09.2014 | 15:53 Uhr |

Vom Verkauf von Alben kann kaum noch ein Musiker leben. U2 wollen das zusammen mit Apple ändern - ein neues digitales Format soll "unwiderstehlich" werden.

Das gratis an iTunes-Nutzer verteilte Album "Songs of Innocence" war nicht das letzte, was man von Apple und U2 gehört hat, verrät der Frontmann der irischen Band, Bono, dem Time Magazine in einem Interview. Zusammen mit Apple arbeite die Band an einem neuen digitalen Format, das Musikfreunden wieder mehr Anreiz geben soll, komplette Alben zu kaufen anstatt nur Singles oder gar nichts - und stattdessen Streamingdienste zu nutzen. Das Projekt habe das Potential, die "gesamte Musikindustrie zu retten", orakelt der Sänger. Musiker sollten für ihre Arbeit bezahlt werden, die Erlöse aus Albenverkäufen reichen den meisten längst nicht mehr zum Leben. U2 mag da noch eine Ausnahme sein, für das Gratis-Album hat Apple den Iren eine beträchtliche Summe überwiesen. Doch auch Bono und Konsorten verdienen weit mehr mit aufwändig produzierten Konzerten, bei denen Tickets nicht mehr unter 100 Euro zu haben sind, oder dem Verkauf von Merchandising-Artikeln. Diese Möglichkeit habe aber nicht jeder, erklärt Bono: "Songwriter gehen nicht auf Tour. Cole Porter wäre nie in einem Stadion in Ihrer Nähe aufgetreten. Er hätte niemals T-Shirts verkauft." Das neue Format soll für Musikfreunde schließlich "unwiderstehlich" sein.

Apple nennt zwar keine detaillierten Zahlen zu seiner Sparte "iTunes, Software and Services", doch dürften Musikverkäufe immer weniger dazu beitragen. Der Start von iTunes Radio vor einem Jahr in den USA und noch mehr der Kauf von Beats Music im Sommer zeigt, dass auch Apple sich hin zu Streamingdiensten orientieren muss, um im Geschäft zu bleiben. Von jedem verkauften Album schließlich nimmt Apple 30 Prozent Provision, ein sowohl für Künstler als auch den iTunes Store lukratives Geschäft.

Schon einmal hatte Apple mit einem digitalen Format versucht, den Kauf von Komplettwerken zu fördern: Der iTunes LP. Das Format ist zwar nett anzusehen, aber wirklich kein Grund, nur deshalb ein Album zu kaufen. Insofern darf man gespannt sein, was bei dem geheimen Projekt herauskommt - und ob es überhaupt existiert, eine von Bono unabhängige Quelle existiert bislang nicht. Lediglich der Band-Manager Guy Oseary hatte dem Fachmagazin Billboard verraten, U2 würde mit Apple noch "an anderen Dingen" arbeiten.

"Songs of Innocence" sind indes ein mindestens solides U2-Werk, wer die Band gerne hört, wird sich das Geschenk aus seiner iTunes-Cloud auf Endgeräte laden. Nicht jeder der Beschenkten war jedoch erfreut, Apple hat angesichts des vollkommen überzogenen Shitstorms im Netz jedoch ein Tool veröffentlicht, mit dem man das Album auch aus seiner Musikcloud bei Apple löschen kann. Immerhin hat das geschenkte Album laut U2 bisher 38 Millionen Hörer gefunden.

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