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UMTS-Carrier dürfen kooperieren

06.06.2001 | 00:00 Uhr |

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) hat die Zusammenarbeit der Mobilfunkanbieter beim kostspieligen Aufbau des deutschen UMTS-Netzes in einem gewissen Rahmen erlaubt. Demnach können die Carrier Gründstücke, Masten, Antennen, Kabel und Basisstationen gemeinsam einrichten und nutzen. Eine gemeinschaftliche Verwendung des Kernnetzes MSC (Mobile Switching Center) ist jedoch mit den UMTS-Vergabebedingungen nicht vereinbar.

Wie der RegTP-Präsident Matthias Kurth in seiner Stellungnahme erklärte, habe es in punkto Lizenzrahmen keinen neuen Entscheidungsbedarf gegeben, vielmehr habe man allen Beteiligten "Interpretationshilfen" auf Basis der bestehenden Lizenzbedingungen gegeben. Peter Vary, Professor für Nachrichtengeräte und Datenverarbeitung an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, hat die RegTP in Sachen Wettbewerb und Netzzugangstechnologien beraten. Bereits in der Vergangenheit sei es in gewisser Weise erwünscht gewesen, Standorte und Antennen zwischen Mobilfunkunternehmen gemeinsam zu planen und zu nutzen, da die Anzahl der Standorte dadurch begrenzt werden konnte. Nun kommen Elemente des Zugangsbereichs hinzu, weil bei Sende-, Empfangs- und Steuerungselementen trotz physischer Verbindung eine getrennte logische Steuerung durch Software möglich ist.

Auch in Bezug auf den Zeitplan zum deutschen UMTS-Netzaufbau gab sich Kurth gelassen. Bis Ende 2005 sei noch genug Zeit, um den geforderten Versorgungsgrad von 50 Prozent der Bevölkerung zu erreichen. Nur acht Prozent der Fläche des Bundesgebietes seien mit einem eigenen Netz abzudecken, der Rest könne durch Roaming-Abkommen ergänzt werden.

Mit den Möglichkeiten zum Infrastruktur-Sharing werden vor allem die kleineren TK-Anbieter entlastet. Mobilcom, das zu den sechs Lizenzberechtigten in Deutschland gehört, begrüßte die Entscheidung der RegTP als "volks- und betriebswirtschaftlich sinnvoll und umweltpolitisch angebracht".

Experten schätzen die Kosten für den Aufbau eines kompletten UMTS-Netzes in Deutschland auf rund zehn Milliarden Mark pro Anbieter. Alle Carrier sind schon jetzt hoch verschuldet. Durch den gemeinsamen Netzaufbau lassen sich nach vorläufigen Branchenschätzungen Kosten von bis zu vier Milliarden Mark einsparen. Die deutschen UMTS-Lizenzen wurden im vergangenen Sommer von der Deutschen Telekom, D2 Vodafone, E-Plus, VIAG Interkom, MobilCom und der Group 3G, also der spanischen Telefónica und der finnischen Sonera, ersteigert.

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