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UMTS-Netzbetreiber stehen in den Startlöchern

17.03.2003 | 11:01 Uhr |

Vor dem Start des neuen schnellen Mobilfunkstandards UMTS scharren die Netzbetreiber regelrecht mit den Hufen. Die Bundesregierung hofft auf einen großen Erfolg - nur die Handy-Hersteller stehen noch vor technischen Problemen. UMTS-Handys sind noch deutlich komplizierter und vor allem noch lange nicht so klein, bunt und peppig wie die heutigen Mobiltelefone. Das zeigte sich am Freitag auf einer Podiumsdiskussion auf der CeBIT in Hannover.

Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke sagte, die Bundesregierung geht von einem pünktlichen Start aus. "Die Unternehmen haben Wort gehalten." Alle vier verbliebenen Netzbetreiber würden die notwendige Quote von einer 25-prozentigen Versorgung der Bevölkerung sicherstellen. Hintertüren gebe es nicht. "Ich wünsche mir einen enormen Erfolg, weil UMTS die Welt verändern wird", sagte er. Der Grundgedanke bei dem neuen Mobilfunk-Generation werde der Wettbewerb bleiben.

Auch wenn zur Zeit die Lizenzen von Quam und MobilCom brach liegen, geht Tacke davon aus, dass schon bald weitere UMTS-Frequenzen nötig sein werden. "Wir werden uns auf internationaler Ebene dafür einsetzen, dass diese rechtzeitig zur Verfügung stehen." UMTS werde sich schneller durchsetzen, als viele Pessimisten glauben machen wollten.

Norbert Quinkert vom Branchenverband BITKOM legte dennoch ein weiteres Mal den Finger in die Wunde. Die Ausgaben von rund 50 Milliarden Euro für die Lizenzen seien "unbestreitbar einen große Bürde für die Lizenznehmer". Quam und MobilCom hätten deshalb aufgeben müssen. UMTS werde sich aber schnell durchsetzen. "Dort wo eine bestehende Technik ausgereizt ist, erfolgt der Umstieg auf eine neue Technologie. So war es beim Übergang von Analogmodems auf ISDN, später auf DSL und so wird es auch bei UMTS sein." Allerdings stecke UMTS in einer Vertrauenskrise. "Aber die ist hausgemacht, da wir nur allzu gern den Zweiflern Gehör schenken und die Visionäre und Optimisten ignorieren."

Die Telekom-Tochter T-Mobile verzeichnet Geschäftsführer Martin Knauer zufolge schon jetzt großes Interesse an UMTS. In nur zwei Tagen habe es mehr als 1000 Anmeldungen für die Nutzung des UMTS- Angebotes gegeben, das im Mai für einen ausgewählten Kundenkreis starte. "Das stimmt optimistisch." Im September werde T-Mobile in rund 200 Städten das UMTS-Netz anfahren und damit 25 Prozent der Deutschen erreichen. Zur Zeit sei aber die Abstimmung mit den Handy- Herstellern "beschwerlich", vor allem, weil der Übergang vom den bisherigen Techniken GSM/GPRS zu UMTS schwierig sei.

In der Tat stehen die vor einem technischen Problem. Ein normales Handy besteht zurzeit aus rund 200 Einzelteilen, ein UMTS-Gerät noch aus 1000. Dennoch werde der UMTS-Start nicht an fehlenden Handys scheitern, betonte Quinkert. Auch ein anders Problem muss noch gelöst werden: Der perfekte technische Übergang - das so genannte Handover - der bisherigen Standards GMS/GPRS zu UMTS bereitet den Ingenieuren noch Kopfzerbrechen.

Aber kaufen Kunden UMTS? O2-Chef Rudolf Gröger meinte: "Wir dürfen nicht die vier Buchstaben verkaufen." Es dürfe auch nicht um das mobile Telefonieren gehen. "Wir müssen dem Kunden klar machen, dass wir etwas haben, was zu seiner Mobilität passt." Deshalb arbeite O2 derzeit "mit Priorität 1a" an Service und Inhalten und "nur mit 1b" am Netzausbau. "Service und Inhalt müssen stimmen, sonst kauft der Kunde nicht." Wann O2 sein UMTS starte, ließ Gröger erneut offen, es werde aber bis Ende dieses Jahres sein. Außerdem sei es nicht entscheidend, welches Unternehmen als erstes starte, "außer für das Premierenfoto. Denn UMTS ist kein 100-Meter-Lauf, sondern ein Marathon." dpa

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