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UMTS und kein Ende

07.08.2000 | 00:00 Uhr |

Nach 66 Auktionsrunden lag der Gesamtwert der Gebote um die begehrten Mobilfunklizenzen über 12 Milliarden Mark. Noch sind alle sieben Bieter im Rennen.

Der milliardenschwere Poker um die UMTS-
Mobilfunklizenzen geht an diesem Montag in die zweite Woche. Am
vergangenen Freitag überstiegen die Höchstgebote erstmals die Zwölf-
Milliarden-Marke. Sie erreichten nach der 66. Auktionsrunde trotz
zögerlichem Taktieren der Teilnehmer 12,3 Milliarden DM. In dieser
Woche könnten die 20 Milliarden DM, die Finanzminister Hans Eichel
(SPD) als UMTS-Einnahmen im Bundeshaushalt veranschlagt hat,
übertroffen werden. Da die Höchstgebote immer um zehn Prozent
gesteigert werden müssen, geht die Summe nun schneller in die Höhe.

Die Mobilfunkanbieter, die eine Lizenz ergattern, müssen wegen
Produktionsengpässen für die UMTS-Infrastruktur mit enormen
Extrakosten rechnen. Personalprobleme bei Softwareentwicklern und
Herstellern von Hardware-Elementen würden wahrscheinlich dazu führen,
dass die UMTS-Netze nicht rechtzeitig ausgebaut werden könnten,
erläuterte der Leiter des Telekom- und Elektronikbereichs der
Unternehmensberatung Arthur D. Little in Deutschland, Arno Wilfert,
am Samstag. Deshalb müssten erhebliche Verzögerungen bei der
Markteinführung von UMTS einkalkuliert werden.

Durch die Vergabe der UMTS-Lizenzen müssten in Europa fast
gleichzeitig bis zu 60 Netze errichtet werden. In den vergangenen
Jahren seien dagegen durchschnittlich nur rund fünf GSM-Netze
gleichzeitig aufgebaut worden, die zudem weniger aufwendig seien. Die
Verzögerung treffe vor allem die Unternehmen, die derzeit noch nicht
auf dem deutschen Mobilfunkmarkt vertreten seien, weil die vier
etablierten Anbieter D1, D2, E-Plus und VIAG Interkom in dieser Zeit
weiter Einnahmen aus dem jetzigen GSM-Netzbetrieb bekämen. Diese vier
Unternehmen gelten als sichere Kandidaten für eine Lizenz.

Noch sind aber nach wie vor alle sieben Bieter in Mainz im Rennen.
Eine Ende der Versteigerung ist noch nicht in Sicht. Das Bild bei den
Höchstgeboten hat sich bislang in jeder Runde geändert. Am
Freitagabend behauptete sich Mobilcom an der Spitze des Bieterfelds -
mit 3,56 Milliarden DM für drei Frequenzpakete. Schon zuvor war die
Telefongesellschaft vorgeprescht und hatte als erster Bewerber für
ein Zweierpaket mehr als zwei Milliarden DM geboten. Nach Mobilcom
platzierten sich die Telekom-Tochter T-Mobil mit 2,96 Milliarden DM
für drei Frequenzpakete und die Gruppe G 3 (Telefonica und Sonera)
mit 1,93 Milliarden DM für zwei Pakete.

Eichel sagte der «Bild am Sonntag», die im Bundeshaushalt
veranschlagten 20 Milliarden DM aus der UMTS-Versteigerung seien eine
«seriöse Schätzung», die wilden Spekulationen von 120 Milliarden DM
und mehr dagegen völlig übertrieben. Die UMTS-Milliarden würden zum
Schuldenabbau eingesetzt. 20 Milliarden DM weniger Schulden
bedeuteten eine bis 1,2 Milliarden DM weniger Zinszahlungen jährlich.
Die Hälfte davon gehe in den Bildungshaushalt, insbesondere in die
Bafög-Reform.

Beobachter gehen nach wie vor davon aus, dass die UMTS-
Versteigerung einen hohen zweistelligen Milliarden-Betrag für den
Bund einspielen wird. Die Auktion ist beendet, wenn für keinen der
zwölf Frequenzblöcke mehr geboten wird. Die Bieter müssen mindestens
zwei und dürfen höchstens drei Blöcke als Lizenz ersteigern.
dpa

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