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UN-Initiative will High-Tech-Müllberge abtragen

06.03.2007 | 10:07 Uhr |

Alte Computer, Fernseher oder Handys werden weltweit oft schlampig entsorgt. Nicht selten landen sie tonnenweise auf Müllkippen in China, Indien oder Nigeria - mit großen Gefahren für Umwelt und Gesundheit.

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Auch viele skrupellose Geschäftemacher sind unterwegs, wie UN-Experten berichten. Viel zu wenig werden demnach dagegen die Möglichkeiten zur Wiederverwendung oder zum Material- Recycling genutzt. Mit jedem endgelagerten Elektronik-Produkt gingen aber wertvolle und immer seltener werdende Rohstoffe verloren. Eine internationale Initiative der Vereinten Nationen will nun die High- Tech-Müllberge abtragen.

Weltweite Richtlinien für die Verarbeitung und das Recycling von Altgeräten sollen entwickelt und Strategien für eine möglichst umfangreiche Rückgewinnung der zunehmend wertvoller werdenden Bestandteile erarbeitet werden. Dazu sollen Regierungen beraten und in Entwicklungsländern das entsprechende Know how verbreitet werden. Speziell der neue Riesenmarkt China soll bei der sicheren Demontage und Endlagerung von Geräten unterstützt werden. Die Initiative unter Leitung der Universität der Vereinten Nationen (United Nations University/UNU) in Bonn trägt den Namen «StEP» («Solving the E-Waste Problem»). Das «StEP»-Logo soll als Gütesiegel dienen. «Auch der Verbraucher wird von der Initiative profitieren», erklärte der stellvertretende UN-Generalsekretär Hans van Ginkel. Er könne aufgearbeitete Geräte mit dem Logo kaufen. Außerdem würden neue Arbeitsplätze geschaffen.

Vereinte Nationen, Industrie, renommierte Forschungsinstitute und weitere Partner wollen bei dem Projekt an einem Strang ziehen. Große High-Tech-Unternehmen wie Microsoft, Hewlett-Packard, Dell, Ericsson, Philips und Cisco Systems sind mit im Boot - nicht zuletzt aus eigenem Interesse: Ein wirkungsvolles Recycling kann die Rohstoffkosten verringern. Elektroschott ist nach UNU-Angaben einer der global am schnellsten wachsenden Abfallbereiche - und einer der problematischsten. «Beim Entsorgen des Elektronikschrotts herrscht Intransparenz und weltweites Chaos», berichtete der Leiter des «StEP»-Sekretariats, Rüdiger Kühr, am Montag in Bonn. Auch innerhalb der EU lasse eine entsprechende Richtlinie den einzelnen Ländern viel eigenen Handlungsspielraum. Durch die nicht fachgerechte Entsorgung in ärmeren Ländern gingen wertvolle Rohstoffe verloren, erläuterte Kühr. Häufig würden gebrauchte Geräte auch zur illegalen Endlagerung in diese Länder transportiert. Oft würden sie verbrannt, wodurch hochgiftige Stoffe wie Dioxine, Furane, Blei, Quecksilber und Cadmium in die Umwelt gerieten. Auch die Abgabe etwa eines alten Handys oder PC bei einer karitativen Organisation sei kein sicherer Weg, sagte Kühr. Denn gewiefte Händler transportierten die Ware nicht selten zur illegalen Entsorgung in andere Länder. «Das ist ein Riesengeschäft - für die Entsorgung einer Tonne alter Handys werden auf dem Markt rund 7000 Euro gezahlt.» Neben bekannten Edelmetallen wie Gold, Palladium und Silber gewännen neuerdings weitere unverzichtbare Metalle an Bedeutung für die Elektronik-Industrie, sagte Kühr. Zum Teil seien bei diesen enorme Preissteigerungen zu verzeichnen. «Eine sichere Versorgung zu erschwinglichen Preisen ist langfristig nur zu gewährleisten, wenn effiziente Recyclingkreisläufe aufgebaut werden.» Ein Beispiel sei Indium, ein Nebenprodukt der Zinkgewinnung, das jährlich in mehr als einer Milliarde Elektrogeräten eingesetzt werde, vor allem in Flachbildschirmen und Handys. Die bekannten Vorkommen seien sehr begrenzt und bisher werde es kaum zurückgewonnen. (dpa)

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