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US-Justizministerin warnt vor Einengung des Internets

17.02.2000 | 00:00 Uhr |

US-Justizministerin Janet Reno will dem
Internet trotz der jüngsten Hacker-Angriffe nicht die Freiheit
nehmen. «Wir sollten die Energie des Internets nicht stören, in dem
wir es von oben nach unten regulieren», sagte Reno am Mittwoch vor
einem Kongressausschuss in Washington.

Vielmehr sollten vorhandene gesetzliche Mittel gestärkt und
möglicherweise Strafen verschärft werden, meinte die Ministerin. Sie
forderte den Kongress auf, weitere 37 Millionen Dollar (74 Millionen
Mark) zur Bekämpfung von Computer-Kriminalität bereitzustellen.

Die Bundeskriminalpolizei FBI hat inzwischen einen Verdächtigen
für die Hacker-Attacken ausfindig gemacht, für die es nach Angaben
von FBI-Chef Louis Freeh schon vor mehreren Monaten eine Vorwarnung
gab. Der Hacker mit dem Pseudonym «Coolio» hat nach einem Bericht des
Fernsehsenders ABC jegliche Beteiligung an den Angriffen auf Yahoo,
CNN und andere populäre Internetfirmen in der vergangenen Woche
bestritten. «Coolio» ist ein Teenager aus San Diego im Bundesstaat
Kalifornien und den Behörden seit längerem bekannt. Er soll der
Hacker-Gruppe «Global Hell» angehören, die Computer des Weißen Hauses
und des Pentagons angezapft hatte.

Auch bei einem weiteren Verdächtigen soll es sich um einen
Teenager handeln. Er soll in Kanada leben und tritt im Netz unter dem
Namen «Mafiaboy» auf. Er benutzte das Programm «Tribe Flood Network»
(TFN) eines 20-jährigen Abiturienten aus Hannover.

Justizministerin Reno und FBI-Chef Freeh gestanden bei der
Anhörung im Kongress am Mittwoch erhebliche Probleme bei der Suche
nach den Verantwortlichen ein. Die Ermittler verfolgten gleichzeitig
Hunderte von Spuren. Ein großes Problem sei auch, dass die Hacker die
Adressen der beim Angriff benutzten Computer gefälscht hätten. Freeh
sprach aber von Fortschritten bei der Fahndung.

In Deutschland trifft sich laut BKA-Direktor Leo Schuster am
Freitag in Berlin eine Arbeitsgruppe, um die Gründung einer
Expertengruppe vorzubereiten. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD)
hatte eine spezielle «Eingreiftruppe» gegen Internet-Verbrecher
angekündigt, bei der das Bundeskriminalamt (BKA), Innenministerium
und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
zusammenarbeiten sollen.

Allein in Deutschland entsteht nach Angaben des TÜV durch
Computerkriminalität, illegale Datenbeschaffung und Sabotage im
Internet jedes Jahr ein gesamtwirtschaftlicher Schaden von rund 20
Milliarden Mark. Der Geschäftsführer der TÜV-Tochter Security
Informationstechnologie, Detlef Henze, verwies am Mittwoch in Köln
zudem auf «erhebliche Sicherheitsbedenken beim Internet».

Im vergangenen Jahr hat die deutsche Polizei 2 795 Fälle von
Internet-Kriminalität entdeckt. Der Schwerpunkt der Delikte lag nach
BKA-Angaben mit 2 245 Fällen jedoch eindeutig bei der
Kinderpornografie. Die Ermittler zählten zudem 120 Betrugsdelikte, 57
Verstöße gegen Staatsschutzbestimmungen und 37 gegen das
Urheberrecht.

dpa

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