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US-Provider will Grundrechte für Filesharing schaffen

17.04.2008 | 11:30 Uhr |

Der große US-Kabelprovider Comcast will Richtlinien verfassen, in denen die Rechte und die Verantwortung von P2P-Nutzern und den Providern festgehalten werden. Dabei soll es auch darum gehen, legale Tauschbörsen-Inhalte zu fördern.

In den USA bremsen zahlreiche Provider den Datenverkehr von Bittorrent und anderen Filesharing-Protokollen künstlich aus, um illegale Aktivitäten zu behindern und Kosten zu sparen. Dies wird von der US-Behörde für die Regulierung der Kommunikationsnetze kritisch beobachtet. Comcast gab bekannt, diese Bremse Ende des Jahres zu lösen und andere Wege zu finden.

Neue Wege im Umgang mit P2P

Aus diesem Grund will das Unternehmen jetzt andere Wege beschreiten, um mit dem P2P-Traffic umzugehen. Sie wollen Unternehmen auf beiden Seiten, Provider und Filesharinganbieter, für sich gewinnen und gemeinsam Richtlinien erstellen. „Mit diesen Rahmenbedingungen wollen wir einen gemeinsamen Nenner für P2P-Firmen, Provider und Rechteinhaber finden, um die Nutzer zu unterstützen, die P2P-Anwendungen für legale Inhalte nutzen“, sagt der Technik-Chef von Comcast, Tom Werner.

Am Montag soll das Projekt starten. Dann treffen sich Vertreter von Comcast mit dem P2P-Unternehmen Pando Networks und der DCIA, einer Organisation, die die kommerzielle Nutzung von P2P-Netzwerken fördern will. „Wir werden formell eine DCIA-Arbeitsgruppe schaffen, die grundsätzlich für jeden offen ist, egal ob Provider, P2P-Anbieter oder Rechteinhaber“, sagte Pando-Chef Robert Levitan gegenüber „The Register“. Sie wollen sich gemeinsam hinsetzen und überlegen, was gute Prinzipien für die Nutzung von P2P wäre.

„Wir wollen uns fragen: ‘Blockt ein Provider P2P nur weil es eben P2P ist?’, oder gibt es Provider die sagen ‘Wir blocken P2P nicht, wenn wir wissen dass es harmloses P2P ist’?“, so Levitan weiter. Das Projekt will auch Filesharing-Gegner wie die US-Vertreter der Film- und Musikindustrie, MPAA und RIAA, an den Diskussionstisch bekommen. Die MPAA hat bereits zugestimmt, am Montag einen Abgesandten zu schicken.

Engagement um Strafe abzuwenden?

Man plant, auch neutrale Vertreter mit an den Tisch zu bringen, um eine Balance zu schaffen und den Konsumenten eine Stimme zu geben. Die Initiative von Comcast wird von Beobachtern als Maßnahme gewertet, mit der das Unternehmen Konsequenzen durch die Regulierungsbehörde FCC abwenden will. Diese hat Ermittlungen gegen das Unternehmen eingeleitet, nachdem bekannt wurde, dass P2P-Protokolle von dem Provider geblockt werden.

Die FCC gab bekannt, dass sie die Ermittlungen dennoch fortführen wird. Die Ankündigung des P2P-Rechte-Projektes geschah zwei Tage vor einer weiteren Anhörung Comcasts bei der FCC. „Ein spezifisches und klar definiertes P2P-Grundrecht zu schaffen, ist eine interessante Idee, mit potenziell wichtigen Auswirkungen“, sagte FCC-Sprecher Robert Kenny. „Wir warten, bis wir die Ziele, den Anwendungsbereich und den Zeitplan besser verstehen“, so Kenny weiter.

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