1034527

Palm - vom Marktführer zum Übernahmekandidaten

30.04.2010 | 09:55 Uhr |

Der einstige PDA-Riese Palm ist inzwischen zu einem Smartphone-Zwerg geschrumpft. Trotz des viel gelobten Neustarts mit den neuen WebOS-Betriebssystem musste Palm sich jetzt aufkaufen lassen.

Palm Pre Web OS
Vergrößern Palm Pre Web OS

Palm durchlebt derzeit nicht seine erste Krise. Und die angekündigte Übernahme durch Hewlett-Packard ist nicht der erste Besitzerwechsel für den Technik-Hersteller aus dem sonnigen Sunnyvale in Kalifornien. Seit der Gründung 1992 hat der Erfinder der digitalen Assistenten einiges durchgemacht.

In ihren Anfangstagen war die Firma ein reiner Software-Lieferant. Palm programmierte digitale Kalender und Adressbücher für ein Gerät namens "Zoomer". Tandy baute den Taschencomputer, Casio vertrieb ihn. Doch die Geräte waren zu klobig, die Technologie zu unausgereift, die Batterieleistung zu gering: Die Kunden griffen nicht zu. Auch Apple versuchte sich damals an einem solchen Gerät. Der " Newton "gilt als einer der größten Misserfolge der Firmengeschichte.

Die Palm-Gründer um Jeff Hawkins gaben nicht auf. In Eigenregie entwickelte das Unternehmen einen abgespeckten Taschencomputer. Da das Geld fehlte, um ihn auf den Markt zu bringen, kam es 1995 zur ersten Übernahme: Das Start-Up wurde Teil des Modemherstellers U.S. Robotics. Der wiederum schloss sich zwei Jahre später mit dem Netzwerkausrüster 3Com zusammen. Die Gründer waren jedoch mit der Firmenpolitik nicht einverstanden und brachten eine neue Firma an den Start: Handspring.

Erfinder des PDA

Den größten Erfolg ihrer Idee verpassten sie: 1996 kam der "Palm Pilot" auf den Markt. Damit gelang es Palm, eine neue Produktgattung zu schaffen: den persönlichen digitalen Assistenten (PDAs). Diese Kleincomputer vereinten Kalender, Adressbuch, Taschenrechner und Notizblock in einem Gerät und passten mühelos in die Anzugtasche. Weitere Pluspunkte: Die "Pilots" für Geschäftsleute ließen sich mit dem Computer synchronisieren und ganz einfach über den Touchscreen per Stift bedienen.

In den folgenden Jahren dominierte Palm den Markt für PDAs und verdiente prächtig. Im März 2000, mitten im Dotcom-Boom, brachte 3Com die erfolgreiche Tochter an die Börse - Palm wurde wieder unabhängig. Doch der Börsencrash traf auch den Aktienkurs des Unternehmens: minus 90 Prozent binnen eines Jahres. 2002 begann die Entwicklung eines eigenen Betriebssystems in einer Tochterfirma, die man ver- und später wieder aufkaufte. Eine weitere Transformation: Um die stärker werdende Konkurrenz auf Distanz zu halten, übernahm der Technikhersteller Handspring - so kehrten die Palm-Gründer ins Unternehmen zurück.

Doch obwohl Palm sich an PDAs mit eingebautem Telefon versuchte, verpasste der einstige Trendsetter die Entwicklung der multimedialen Alleskönner. Spätestens als Apple Anfang 2007 das iPhone vorstellte, wurde klar: Die Zukunft gehört nicht den digitalen Assistenten. Palm holte sich im Sommer den Finanzinvestoren Elevation Partners an Bord verschaffte sich Zeit, ein konkurrenzfähiges Produkt zu entwickeln. Dafür engagierte man Jon Rubinstein , den Vater des iPod. Die Ära der PDAs endete.

Anfang 2009 stellte Palm sein aktuellstes Gerät vor, den Palm Pre . Die Fachpresse lobte das Smartphone in den Himmel, die Käufer ließen es in den Regalen liegen. Trotz des Booms schrieb Palm weiter rote Zahlen - und musste sich in die Arme von Hewlett-Packard retten. (dpa)

0 Kommentare zu diesem Artikel
1034527