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IBM greift angeblich nach Sun - Angriff auf Hewlett-Packard

19.03.2009 | 10:27 Uhr |

IBM sei bereit, mindestens 6,5 Milliarden Dollar zu zahlen, was rund das Doppelte des Börsenwerts vom Vortag wäre. Die «Sun»- Aktie sprang im frühen Handel in New York am Mittwoch um mehr als 60 Prozent auf gut acht Dollar.

Sun hatte der Zeitung zufolge seit Monaten selbst nach einem Käufer gesucht. IBM biss demnach an. Allerdings könne das Geschäft auch noch in letzter Minute platzen. Server kommen in Computernetzen großer Unternehmen zum Einsatz. Mit Hilfe dieser Großrechner wird auch der Datenverkehr im Internet umgeschlagen.

Beide Konzerne stellen die Großrechner und die passende Software her, beide sind beim offenen Betriebssystem Linux engagiert und beide sind wenig abhängig vom Prozessoren-Primus Intel. IBM hat allerdings durch sein starkes Dienstleistungsgeschäft die Wirtschaftsflaute wesentlich besser wegstecken können als Sun. IBM bietet unter anderem Technologieberatung und die Auslagerung von IT an. Diese Services versprechen hohe Profite, weshalb IBM in diesem Jahr trotz Rezession mit einem neuerlichen Rekordergebnis rechnet. Auch Sun entwickelt sich in Richtung Dienstleister, ist momentan aber noch von seiner Hardware abhängig. Das hat in der Vergangenheit immer wieder zu roten Zahlen geführt, ist der Markt doch heiß umkämpft und darüber hinaus anfällig für konjunkturelle Schwankungen. Alleine im vergangenen Jahr fiel ein Verlust von 209 Millionen Dollar an. Sun streicht deshalb jeden fünften seiner weltweit 33 000 Arbeitsplätze. Bei IBM arbeiten mehr als 400 000 Menschen. IBM ist nach Zahlen des Marktforschers IDC mit gut 30 Prozent der Marktführer bei Großrechnern (Servern), ganz dicht gefolgt von HP. Dahinter folgen nahezu gleichauf mit jeweils etwas mehr als 10 Prozent Dell und Sun. Eine Übernahme des kleineren Rivalen würde IBM mit einem Schlag deutlich von HP absetzen.

Die Gewinne in dem Geschäft sind jedoch in den vergangenen Jahren stetig geschrumpft, weil sich die Technik der großen Computer immer mehr der von Heimrechnern annähert. Das macht es auch Quereinsteigern wie Dell möglich, ein Stück vom Markt abzugreifen. Am Montag hat auch noch der Netzwerkausrüster Cisco Systems bekanntgegeben, künftig Server bauen zu wollen. Cisco hat sich dafür unter anderem mit Intel und dem Windows-Hersteller Microsoft verbündet.

Die neue Cisco-Allianz werten Branchenexperten als direkten Angriff auf IBM. Die Verstärkung bei Servern brächte für den Computerkoloss allerdings ein schwerwiegendes Problem mit sich: Die Gewinnmarge würde sinken. Wegen des enormen Preisdrucks bei Hardware hatte sich IBM in der Vergangenheit von seinem Geschäft mit Heim-PC sowie mit Festplatten getrennt und dafür Dienstleister hinzugekauft. IBM müsste nach der Sun-Übernahme die Kosten massiv senken, stellte deshalb das «Wall Street Journal» fest. Dies könnte in einem Arbeitsplatz-Abbau münden. In Deutschland arbeiten für IBM rund 21 000 Menschen, für Sun 1450. Dabei handelt es sich jedoch in erster Linie um Berater, Vertriebsmitarbeiter und Entwickler. Großrechner fertigt keiner der Konzerne hierzulande. (dpa)

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