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Apple des Steuerschummels bezichtigt

06.06.2011 | 07:09 Uhr |

Apple wird als treibende Kraft hinter einem Antrag zur Gesetzesänderung angeprangert, dank der Auslandsgewinne nahezu unversteuert in die USA überwiesen werden können. Eine Interessengruppe sieht dahinter aber nur einen weiteren Ansatz, sich vor gerechten Steuerzahlungen zu drücken.

05 Apple Logo blauer Himmel
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US Uncut , eine Anfang 2011 gegründete Interessengruppe in den USA, wirft Apple vor, im Kongress weitere Steuererleichterungen beantragt zu haben, um Verdienste im Ausland quasi steuerfrei in die USA überweisen zu können. Dabei soll Apple laut US Uncut ohnehin in den USA nur eine ermäßigte Steuer zahlen.

Apple ist Wortführer in der Aktion Win America , in laut Antrag zirka eine Billiarde US-Dollar an Auslands-Gewinnen von US-Firmen zum reduzierten Steuersatz von nur fünf statt 25 Prozent in die USA transferiert werden sollen. Ryan Clayton, Mitbegründer von US Uncut bezeichnet diesen Antrag als unverschämt und unverantwortlich: "Wir alle bezahlen Steuern, warum also nicht Apple? Während im öffentlichen Sektor Stellen gestrichen werden, wie zum Beispiel Feuerwehrleute, Polizisten und Lehrer, versuchen einige Firmen sich um ihren gerechten Anteil an der Steuerlast zu drücken."

Apple steht aber nicht alleine am Pranger. Viele US-Firmen mit Niederlassungen im Ausland profitieren von regionalen Steuersätzen und Steuernachlässen und zahlen weniger als die in den USA verbindlichen 35 Prozent, berichtet Mike Lunardoni, ein Steuerexperte der Beratungsfirma WTP Advisors in New York. In dem derzeitigen Apple-Geschäftsjahr , das bis September 2010 läuft, hat Apple ein Einkommen von 18,5 Milliarden US-Dollar verzeichnet und davon 2,7 Milliarden (knapp 15 Prozent) an Steuern abgeführt.

Im direkten Vergleich mit anderen US-Technologie-Firmen steht Apple nicht als schlimmster Sünder dar. In 2010 hat Apple für alle Gewinne effektiv 24 Prozent Steuern bezahlt und damit mehr als zum Beispiel Google, Hewlett-Packard, Yahoo oder Ebay. Die effektive Steuerrate ist laut Lunardoni ein Mittelwert über derzeitige und zukünftige weltweite Einnahmen einer Firma.

US Uncut planten für den 4. Juni knapp 20 Demonstrationen vor Apple Läden, wie zum Beispiel in Chicago, San Francisco, Seattle, Boston und Washington, um Apple als Wortführer de Win America-Aktion anzuprangern. Die Notwendigkeit dieser Kampagne bezeichnete Clayton als "bedauernswert", da er Apple als sozial verantwortungsbewussten Arbeitgeber einstuft, aber seiner Meinung nach muss letztendlich die Mittelklasse für die Steuernachlässe von reichen Firmen zahlen.

Weder gaben Pressesprecher von Apple und noch Win America eine Stellungsnahme zu dieser Anklage ab. Hinter der Win America-Aktion steht die Idee, dass der Import von Gewinnen nach Amerika zu weiteren Investitionen im Inland führt und unweigerlich die Ökonomie der USA unterstützt. Zu den Mitgliedern dieser Aktion zählen auch Microsoft , Cisco Systems, Google , Oracle und Adobe.

Das "Steuerrückführungs-Gesetz" der Win America-Aktion hat unter dem Namen " Freedom to Invest " (Freiheit um Investieren) positive Reaktionen bei Regierung und Opposition ausgelöst und es wird von beiden Parteien erwartet, dass durch neuen Investitionen die Wirtschaft angekurbelt wird, ohne dass es den Steuerzahler einen zusätzlichen Cent kosten wird.

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