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Apple verbessert sich im Greenpeace-Ranking

10.11.2011 | 07:03 Uhr |

Apple hat im jüngsten Greenpeace-Ranking "Guide to Greener Electronics" mit 4,6 von 10 möglichen Punkten den vierten Platz belegt, fünf Plätze besser als zuletzt. Apple müsse ab er noch kommunikativer werden, fordert Greenpeace.

Greenpeace Greener Guide to Electronics November 2011
Vergrößern Greenpeace Greener Guide to Electronics November 2011

Apple hat von der Umweltschutzorganisation Greenpeace vor allem Lob dafür kassiert, in seinen Produkten kein PVC und keine bromhaltigen Flammenhemmer einzubauen. Deutlich verbessert haben sich in der vierzehnten Ausgabe des Guides aber HP und Dell, deren erfolgreiche Umweltschutzbemühungen in der Lieferkette Greenpeace honorierte. Nokia, seit September 2008 an der Spitze der Liste, ist hingegen auf Platz drei zurück gefallen. Der neue Spitzenreiter HP kommt auf 5,9 von 10 Punkten, es folgen Dell mit 5,1 Punkten und Nokia mit 4,9. In der letzten Ausgabe hatte Apple mit seinerzeit 4,9 Punkten noch Platz neun belegt.

Die Wertung hat Greenpeace jedoch gegenüber früheren Ausgaben des Guides ein wenig umgestellt und Handlungen der Unternehmen stärker einfließen lassen als bloße Ankündigungen. Der Notendurchschnitt ist so stark gefallen, Nokia hatte zuletzt auf dem Spitzenplatz 7,5 Punkte erreicht.

Greenpeace einige Maßnahmen zur Nachhaltigkeit in der Produktion bei HP besonders gut, Nokias Produkte hingegen halten die Umweltschützer für Energie effizienter als die des weltgrößten PC-Herstellers. HP konnte vor allem durch seinen Einsatz für "saubere" Energie und Recyclingpapier punkten und seine transparenten Planungen für Elektrizität. Nokia, das als Papierfabrik begonnen hatte, ist laut Greenpeace weniger am Erhalt der finnischen Wälder interessiert…

Neue Kriterien für grüne Elektronik

"Die ursprünglichen Kriterien des Guides wurden im Jahr 2006 entwickelt, seither hat sich bei der Vermeidung von Giftstoffen einiges getan," erklärt Greenpeace-Kampagnenleiter Tom Dowdall dem IDG News Service. Firmen wie HP, Acer und Apple hätten beispielsweise rasch auf die Kritik reagiert und Giftstoffe aus der Produktion verbannt. Mittlerweile betrachte Greenpeace nicht nur den Energieverbrauch der Produkte, sondern auch den im Produktionsprozess. Dabei legt Greenpeace Wert auf die Selbstauskunft der Unternehmen über die Emissionen von Treibhausgasen und den Energiemix bei der Herstellung, in die Betrachtung gehen auch Angaben über diesbezügliche Verhältnisse bei den Zulieferern ein. "Wann man das nicht misst, kann man es auch nicht reduzieren. Messung und Offenlegung der Ergebnisse sind Basis einer jeden Zielsetzung," erklärt Dowdall. Auch im Teilnehmerfeld des Guides gab es Änderungen, die Konsolenherstleler Microsoft und Nintendo sind nicht mehr dabei. Hinter den Top 4 folgen auf den Plätzen Philips (4,5 Punkte), Sony Ericsson (4,2), Samsung Electronics (4,1), Lenovo (3,8), Panasonic (3,6), Sony (3,6), Sharp (3,0), Acer (2,9), LG Electronics und Toshiba (beide 2,8), und Research in Motion mit 1,6 Punkten auf dem letzten Platz. Besondere Erwähnung fand bei Greenpeace noch Apples Rücknahmeprogramm für Elektronik in Ländern, in denen Recycling nicht gesetzlich vorgeschrieben ist.

Schlechte Noten gibt Greenpeace Apple für Teile seiner Informationspolitik. So gibt Apple etwa keine Details zu dem von der Firma verwendeten Energiemix ab. Scharf kritisiert hatte Greenpeace in der Vergangenheit Apple für die Wahl von North Carolina als Standort für sein Rechenzentrum. Der US-Bundesstaat an der Südostküste erhalte seine Energie vorwiegend aus Kern- und Kohlekraftwerken. Laut lokaler Presse will Apple aber eine Solaranlage zur Versorgung seines Rechenzentrums in North Carolina errichten, eine offizielle Bestätigung des Mac-Herstellers steht jedoch aus. Mangelnde Information wirft Greenpeace Apple zudem in Sachen Recycling-Kunststoff vor. Apple nenne zu wenige Details zur Verwendung von wiederverwertetem Plastik, auch in Saschen Recyclingpapier habe Apple eine unzureichende Policy. Einen Strafpunkt in künftigen Reports riskiere Apple trotz seiner vorbildlichen Haltung zur Energieeffizienz durch seine Mitgliedschaft in einer Handelsorganisation, die sich gegen strenge Effizienzrichtlinien wehre. Greenpeace fordert Apple dazu auf, sich vehement davon zu distanzieren.

Umweltstreit mit Geschichte

In der ersten Ausgabe des "Guide to Greener Electronics" hatte Greenpeace Apple mit einem Wert von 2,7 noch auf den viertletzten Platz gesetzt, in der zweiten Ausgabe vom Dezember 2006 landete Apple mit der gleichen Bewertung auf dem letzten Platz. Die Umweltschützer hatten Apple seinerzeit vor allem wegen PVC und bromhaltigen Flammenhemmern kritisiert und wegen seiner mangelnden Informationspolitik. Apple hatte seine Produktion nach und nach umgestellt und unter apple.com/environment ausführliche Informationen zu seinen Umweltschutzbemühungen zusammengestellt. Seit Oktober 2008, als Apple mit den Unibody-Macbooks nicht nur eine effizientere Produktion einführte, sondern auch die Größe der Kartons für seine Produkte deutlich reduzierte, druckt Apple auf jede Verpackung Informationen über den CO2-Fußabdruck des Produktes. Greenpeace honorierte das mit einem Mittelfeldplatz im Ranking.

Gleichwohl nutzte Greenpeace die Strahlkraft der Marke Apples in besonderem Maße, um auf seine Belange aufmerksam zu machen. Die Einführung des Guides wurde durch eine Internetkampagne "Green my Apple" begleitet, in der Greenpeace eine grüne Kopie der Apple-Website ins Netz stellte und darauf seine Forderungen unterstrich. Für große Aufmerksamkeit sorgte auch eine Demonstration vor dem Apple Store auf der Fifth Avenue, bei der die Aktivisten den Glaskubus mit grünen Strahlern illuminierten.

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