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Umwerfender Auftakt

02.01.2002 | 00:00 Uhr |

Nach einem stürmischen Jahr 2001 will Apple 2002 zu einem großen Jahr werden lassen. Der Mac-Hersteller selbst schürt die Erwartungen kräftig.

München/Macwelt - In den letzten Monaten hat Apple im Vorfeld von Messen immer wieder versucht, die Erwartungen zu dämpfen. Die Macworld Expo San Francisco, die am kommenden Dienstag ihre Pforten öffnen wird, soll laut Mac-Hersteller jedoch ein besonderes Ereignis werden. Auf seiner US-Website hat Apple seit Silvester einen Countdown stehen , der die Tage bis Steve Jobs Keynote am Montag herunterzählt. Sogar für die eigenen Verhältnisse sei die kommende Messe ein "großes Ding", verspricht die Botschaft: "Count on being blown away."
Am Montag 9 Uhr Ortszeit (18 MEZ) wird Steve Jobs vor das Publikum treten und in einer mindestens zweistündigen Keynote neue Produkte vorstellen, als Highlights erwarten Insider einen vollkommen überarbeiteten iMac, Gigahertz-G4-Rechner und eine Consumer-Bildbearbeitungssoftware.
Vollmundig prophezeit der Apple-Countdown gar, dass die neuen Produkte gar weit über die Vorstellungen der Gerüchtesites hinausgingen. Nüchtern betrachtet, dürfte Steve Jobs am Montag ab 9 Uhr Ortszeit (18 Uhr MEZ) in der Tat einiges zu erzählen haben, die Fakten sprechen dafür. Dabei soll die Macworld Expo San Francisco erst den Auftakt für einen umfangreichen Produktreigen im Jahr 2002 geben.

Neue Rechner für den Desktop


Ein Jahr alt ist die mittlerweile zweite Generation des Power Macs, die in dieser Zeit lediglich eine Verbesserung der Ausstattung erlebt hat. Schon zur Einführung im Januar 2001 entsprachen die technischen Merkmale des G4-Macs gerade noch dem Stand der Technik.
Power Macs mit mehreren CPUs. Ob nach dem 7. Januar hinter dem Power Mac weiter "G4" stehen wird, darüber lässt sich lediglich spekulieren. Bis Redaktionsschluss dieser Meldung deutet alles darauf hin, dass Apple den G4-Prozessor Power PC 7460, Codename Apollo, in den nächsten Modellen verwendet. Auch eine schnellere Architektur der Hauptplatine steht auf dem Programm. Erste Macs mit G5-Prozessor bringt Apple wohl frühestens im Sommer, dann aber mit Taktraten bis 1,6 GHz. Den G4-Prozessor könnte Apple dann an Consumer-Rechner "weiterreichen". Da Mac-OS X ideal für Multiprocessing geeignet ist, sind auch vermehrt neue Mehrprozessorrechner zu erwarten.

iMacs mit LCD


Überholt ist das Konzept des iMac, der seit seiner Markteinführung vor knapp drei Jahren unverändert mit einem unergonomischen und inzwischen veralteten 15-Zoll-Röhrenmonitor auskommen muss. Im Vorfeld der Macworld Expo verdichteten sich Ende letzten Jahres die Zeichen, dass Apple den Röhrenmonitor des iMac durch ein LCD ersetzt und zudem IBMs Power-PC-Prozessor 750 FX einbaut, der mit einer Taktrate von bis zu einem Gigahertz arbeitet. Zudem steht ein schnellerer Grafikchip für aufwendige 3D-Anwendungen auf dem Programm. Kaum hatte Apple vor einem Jahr seine Power Macs mit der "Power to burn" ausgestattet und als erster Hersteller auch serienmäßig einen DVD-Brenner in das Spitzenmodell eingebaut, versprach Steve Jobs bereits das Superdrive ab 2002 in iMacs einzubauen. Der "iMac2" dürfte jedoch lediglich ein CD-RW/DVD-R-Combo-Drive an Bord haben, da Apples DVD-Authoringsoftware auf die Velocity-Engine des G4-Prozessors zurückgreift.
Im Spätsommer oder Herbst wird Apple sollte beim iMac noch einmal Modellpflege betreiben und die Komponenten aktualisieren, den Rechner mit größerer Festplatte, schnellerem Prozessor besserer Grafikkarte und dem Superdrive zumindest in der Spitzenkonfiguration aufwerten.

Mac-OS X unter der Haube verbessert


Seit sieben Monaten liefert Apple neue Rechner mit Mac-OS X aus, der Rechner bootet jedoch nach wie vor in das klassische System. Zwar ist zur Macworld Expo kein größeres Update zu erwarten, neue Macs sollten jedoch alsbald das Werk mit einem vorinstaliertem Apple-Unix verlassen. Apple arbeitet im Hintergrund fieberhaft an Mac-OS X, damit mehr Hard- und Softwarehersteller ihre Produkte an das System anpassen.
Apples Schwerpunkt liegt zunächst nicht auf einer Verschönerung der Benutzerschnittstelle oder einer Bedienung, die sich vertrauten Schemata anpasst. Die Ingenieure finalisieren die Technik, die unter der Aqua-Wasseroberfläche steckt. Ein Mini-Update nach dem anderen bringt im Sechs-Wochen-Rhythmus neue Treiber und Bugfixes. Parallel dazu stellt Apple den Entwicklern überarbeitete Programmierwerkzeuge und Dokumentationen zur Verfügung, was sich schon bald in leistungsfähigen Tools zur Audiobearbeitung und hoffentlich in Treibern für ISDN-Adapter niederschlagen wird. Das nächste gewichtige Update steht dann im Spätsommer an. Und das muss Apple wieder einen Vorsprung vor den übrigen Plattformen, insbesondere Windows XP geben. Viele Kerntechnologien in Mac-OS X bedürfen einer Überarbeitung. So müssen in den Tiefen des Systems neue Kernel-Versionen Multiprocessing und Speichermanagement optimieren. In Sachen 3D-Grafik braucht Apple ebenfalls eine neue Technologie, um wieder vorn mit dabei zu sein. So hätte etwa Open GL 2.0 das Zeug, den Vormarsch von Microsofts Direct 3D im Spielebereich zu stoppen. Auch der Multimedia-Layer Quicktime braucht ein Update, damit er neue Audio- und Videoformate wie MP3 Pro und MPEG-4 nutzen kann.

Photoshop "X" bis Sommer, Xpress noch ohne Termin


Auch andere Hersteller wollen die Macworld Expo san Francisco für einen guten Start ins Jahr 2002 nutzen. Nachdem Adobe auf der sommerlichen Expo in New York gefehl hatte, will der Photoshop-Hersteller wieder zrück ins Rampenlicht. CEO Bruce Chizen hat in einem Interview kurz vor der Macworld Expo Photoshop 6.x für Mac-OS X zum 2. Quartal des Jahres angekündigt, Golive 6 für Mac-OS X dürfte nur unwesentlich später die Ziellinie überqueren. Bei beiden geht man davon aus, dass Adobe den PDF-Export und die XML-Funktionen kräftig überarbeitet - ähnlich wie es die jetzt verbreitete Beta-Version von Indesign schon zeigt. Da außerdem das PDF-Werkzeug Acrobat dringend im Software-Repertoire von Mac-OS-X-Publishern fehlt, rechnen Insider ebenfalls mit einem recht frühen Erscheinungstermin einer angepassten Version. Es ist durchaus denkbar, dass Adobe Vorabversionen der Programme zeigt.
Erste Einblicke in Xpress für Mac-OS X hatte Quark bereits im Juli gegeben, sich seitdem über die Fortschritte nebulös ausgedrückt: Xpress 5 werde unter Mac-OS X funktionieren, allerdings nur in einer Classic-Variante. Erst eine später erhältliche neue Version, die auf Xpress 5 basiert, wird laut Quark für Mac-OS X optimiert. Das genaue Lieferdatum für die Auslieferung von Xpress 5 beziehungsweise der optimierten Version steht allerdings noch in den Sternen. In Spekulationen zum Jahreswechsel hieß es, Quark wolle Xpress 5 auf der Macworld Expo in San Francisco präsentieren und bereits wenige Wochen danach ausliefern.

Live dabei


Apple wird Steve Jobs Ansprache nicht nur live im Web übertragen, sondern via Satellit auch in seinen bislang 27 Apple-Stores in den USA. Macwelt ist vor Ort im Moscone Center und wird im bewährten "Text-Streaming-Verfahren" berichten. Und wer weiß, vielleicht zaubert der Apple-Boss zum Ende der auf zwei Stunden veranschlagten Präsentation noch "0ne more thing" aus der Tasche. pm/lf/wm/mas

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