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SEC durchleuchtet Abgang von HP-Chef Hurd

22.12.2010 | 07:24 Uhr |

Die US-Börsenaufsicht SEC hat Ermittlungen wegen des Abgangs von HP-Chef Mark Hurd aufgenommen. Der schwerste Vorwurf ist die Weitergabe von Insiderinformationen.

Der spektakuläre Rausschmiss von Hewlett-Packard-Chef Mark Hurd erregt weiter die Gemüter. Die US-Börsenaufsicht SEC ist auf den Fall aufmerksam geworden und sieht sich die Umstände des Abgangs vom August genauer an, wie der weltgrößte Computerhersteller in der Nacht zum Dienstag bestätigte. Der überraschenden Abgang hatte den Aktienkurs derart einbrechen lassen, dass er sich seitdem noch nicht wieder erholt hat. «HP unterstützt die SEC in vollem Umfang bei ihren Ermittlungen», ließ das Unternehmen verlautbaren, ohne allerdings in die Details zu gehen.

Das «Wall Street Journal» berichtete, dass die Ermittlungen vor allem um die Frage kreisen, ob Hurd Insiderinformationen ausgeplaudert hat. Die ehemalige externe Mitarbeiterin Jodie Fisher behauptet, Hurd habe ihr verraten, dass HP die Übernahme des IT- Dienstleisters EDS plane. Der Kauf im Jahr 2008 war rund 14 Milliarden Dollar schwer. «Mark hat in allen Belangen sauber gehandelt», sagte sein Sprecher.

Hurd hatte Hewlett-Packard Hals über Kopf verlassen müssen, nachdem eine Liaison mit der ehemaligen Schauspielerin Fisher ans Licht gekommen war. Sie bezichtigte ihn im Nachhinein der sexuellen Belästigung. Hurd widersprach und Ermittlungen von HP brachten keine Verfehlungen ans Tageslicht.

Es sei unklar, ob die SEC am Ende ein Verfahren eröffne, schrieb das «Wall Street Journal». Auch die «Financial Times» (beide Dienstag) zweifelte daran. Die Zeitung gab Passagen aus einem Brief Fishers an den HP-Verwaltungsrat wieder, in dem die Ex-Mitarbeiterin schrieb, sie habe einzig mit ihrer Mutter über den geplanten EDS-Kauf gesprochen. Gleichzeitig beteuerte sie, dass sie keinen Nutzen aus ihrem Wissensvorsprung gezogen habe - erst das wäre strafbar gewesen.

Die SEC schaut sich laut «Wall Street Journal» allerdings zwei weitere Aspekte von Hurds Ausscheiden an: Zum einen geht sie den von HP selbst erhobenen Vorwürfen des Spesenbetrugs auf den Grund. Hurd soll Fisher mehrfach auf Firmenkosten zum Essen eingeladen haben. Zum anderen prüft die Behörde, ob Hurd Material zu seinem Abgang vernichtet hat. «Es ist klar, dass sich die SEC die Umstände von Marks Weggang anschaut», sagte sein Sprecher. Schließlich sei der Aktienkurs abgestürzt. Hurd hatte HP mit Kosteneinsparungen zu Milliardengewinnen getrieben und den Konzern gleichzeitig durch Zukäufe kräftig ausgebaut. Der Schock bei den Investoren über sein Ausscheiden sitzt so tief, dass sich der Kurs bis heute nicht wieder voll erholt hat - derzeit erreicht er zwar wieder an die 42 Dollar, im früheren Jahresverlauf waren es schon um die 47 Dollar.

Hurds Rausschmiss hatte die ganze Branche bewegt und sorgte für kräftige Verstimmungen zwischen HP und dem Software-Konzern Oracle, der von Hurds Freund Larry Ellison gelenkt wird. Ellison holte Hurd schließlich ins eigene Unternehmen. An der Spitze von HP steht nun der ehemalige SAP-Chef Léo Apotheker. (dpa)

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