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Viele Apple-Arbeiter liegen unter dem Mindestlohn

16.07.2009 | 14:30 Uhr |

Apple listet in einem Untersuchungsbericht zahlreiche Verstöße bei den Arbeitsbedingungen seiner Auftragsfabriken auf. Viele der chinesischen Arbeiter verdienen zu wenig und arbeiten zu viel.

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Weltweit arbeiten Tausende Menschen für Apple. Viele davon stellen in China Komponenten für Macs und iPods her oder arbeiten in der Montage und bauen die fertigen produkte zusammen. Bei einer Stichprobe zeigte sich, dass 41 Prozent der Arbeiter weniger verdienen, als es den von Apple geforderten Standards entspricht. Apple verlangt jedoch nur, dass die Firmen den gesetzlichen Mindestlohn zahlen. Bei den 83 untersuchten Fabriken zahlten 45 Überstunden nicht vollständig aus, in 23 Produktionsstätten verdienten die Arbeiter auch beim Grundgehalt weniger als den Mindestlohn.

Mehr als 60 Wochenstunden bei weniger als dem Mindestlohn

Apples Bericht ist eine Ansammlung von Verstößen gegen gesetzliche und freiwillige Regeln, die der US-Konzern mit den chinesischen Produzenten vereinbart hat. Apple dokumentiert diese Verstöße in seinem Bericht "Supplier Responsibility" ("Zulieferer-Verantwortung"). Damit will Apple die Arbeitsbedingungen der Angestellten auf ein gewisses Mindestmaß heben. Noch bleibt hier viel zu tun. So zeigte die Untersuchung, dass es bei 59 Prozent der Befragten zu gelegentlichen oder häufigen Verstößen bei der Arbeitsdauer oder den Urlaubstagen gibt.

Verstöße gegen die Arbeitszeitgesetze zählen zu den häufigsten Mängeln in den Fabriken.
Vergrößern Verstöße gegen die Arbeitszeitgesetze zählen zu den häufigsten Mängeln in den Fabriken.

Bei mehr als jeder zweiten Fabrik mussten die Arbeiter die meiste Zeit mehr Wochenstunden arbeiten als erlaubt. Das legale Maximum liegt bei 60 Wochenstunden. Apple will sich dafür einsetzen, dass die Arbeiter zumindest einen freien Tag pro Woche haben. Ein weiteres Problem ist hier die Kinderarbeit. Apple fand insgesamt 25 Fälle auf sieben Fabriken verteilt, in denen das Mindestalter nicht eingehalten wurde. Die Fabriken hatten 15-Jährige eingestellt, obwohl in den Regionen erst ab 16 gearbeitet werden darf. Die meisten dieser Fälle stammten bereits aus der Vergangenheit, sechs junge Arbeiter ließ Apple wieder zu ihren Familien zurück bringen.

Zwangs-Schwangerschaftstests

Knapp ein Drittel der Arbeiter hat der Untersuchung zufolge Probleme mit Diskriminierung. Dabei geht es um Fälle wie Benachteiligung wegen ethnischer Herkunft, Behinderungen, Krankheiten oder Schwangerschaften. In 19 Prozent der Untersuchungen soll es beispielsweise obligatorische Schwangerschaftstests für Frauen gegeben haben. Bei jeder zehnten Probe gab es Verstöße, weil Unternehmen in den Stellenausschreibungen konkrete Alters- oder Geschlechtsvorgaben machten.

Im Vergleich zum Vorjahr soll sich trotz dieser Zahlen bereits vieles verbessert haben. Apple hat im Jahr 2008 laut dem Bericht 27.000 Arbeiter geschult. Das Unternehmen hat, basierend auf den neuen Erkenntnissen, die Richtlinien für die Hersteller angepasst. So sind die Fabriken jetzt verpflichtet, Festangestellte und Arbeiter, die von Arbeitsvermittlern kommen, gleich zu behandeln. Außerdem hat Apple die Sicherheitsvorschriften verschärft. In 23 Prozent der Untersuchungen gab es zuletzt Verstöße gegen den Unfallschutz, in jedem fünften Fall keinen ausreichenden Schutz gegen chemikalische Gefahren.

Apple wählt für die Befragungen zufällig Arbeiter in den Fabriken aus und fragt auf Wunsch später nach, ob die Angestellten wegen ihrer Mitarbeit bei der Studie beim Arbeitgeber unter Druck geraten sind.

Info: Studie: Supplier Responsibility

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