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Urheberabgabe auf DVD-Brenner

13.08.2003 | 12:42 Uhr |

Obwohl sich vorgestern Bitkom und Verwertungsgesellschaften auf eine Abgabe in Höhe von 9,21 Euro auf DVD-Brenner verständigt haben, wird sich an den Preisen der Laufwerke hierzulande kaum etwas ändern.

Überrascht sind die Hersteller von DVD-Brennern nicht, dass Urheber ab sofort pro verkauftem DVD-Brennlaufwerk einen Obolus erhalten. Denn spätestens seitdem vor ziemlich genau einem Jahr eine Urheberabgabe auf CD-Brenner beschlossen wurde, war klar, dass bald auch eine entsprechende Abgabe für DVD-Brenner fällig sein wird. Damit wandern künftig 9,21 Euro an die drei Verwertungsgesellschaften ZPÜ (Zentralstelle für private Überspielungsrechte), Wort und Bild-Kunst, die damit die Interessen ihrer Mitglieder gegenüber der Industrie vertreten. Für Unternehmen, die dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) beigetreten sind, reduziert sich die Abgabe um 20 Prozent. Dennoch sei die Abgabe "mehr als das, wofür wir gekämpft haben", erklärt Stefanie van der Most von Mitsumi. Denn im Gegensatz zu CD-Brennern, auf die eine reguläre Abgabe von 7,50 Euro (für Bitkom-Mitglieder 6 Euro) anfallen, lassen sich gekaufte DVD-Filme durch den eingebauten Kopierschutz ja nicht ohne weiteres auf DVD-Rohlinge kopieren, wie der Bitkom argumentiert. Andererseits lassen sich mit der passenden Software auf die 4,4 GB-großen DVD-Rohline Fernsehsendungen aufzeichnen oder CDs kopieren, für deren Nutzungsmöglichkeit die Abgabe auf jeden Fall fällig ist.

Preise bleiben meist stabil

Die Regelung gilt rückwirkend zum 1. Januar 2003 und nicht wie bei CD-Rekordern zum Juli 2001. Doch anders als im letzten Jahr hatten diesmal die Laufwerk-Hersteller bereits Rücklagen bilden können. Dadurch bleiben bei den meisten auch die Preise für ihre DVD-Brenner gleich. "Für unsere Endkunden wird es keine Preiserhöhung geben, da wir von Anfang an mit der Urheberabgabe gerechnet haben", betont Ralf Wolf, Pressesprecher NEC gegenüber Macwelt. Mitsumi-Sprecherin van der Most, bestätigt uns, dass die Preise für ihre DVD-Laufwerke gleich bleiben werden und auch Georg Wilde von Philips sieht "keine Preisveränderungen" durch die beschlossene Abgabe. Anders bei anderen Herstellern: Panasonic habe zwar mit dem "Beitrag für die Künstler" gerechnet, so Produktmanager für CD- und DVD-Laufwerke Michael Wagner, müsse aber nun erst einmal kalkulieren. Er rechne aber nicht mit einer Preiserhöhung. Iomega hat wohl ebenfalls mit der Abgabe gerechnet, wolle aber vorerst keine Stellung dazu nehmen, da man sich dort über die Preisgestaltung noch nicht ganz im Klaren sei. Einzige Ausnahme bildet der belgische Hersteller Plextor. Pressesprecher Patrick Peeters kündigt zwar keine Preiserhöhung durch Plextor selbst an, rechnet aber fest damit, dass die deutschen Distributoren den Preis für Plextor-Laufwerke um die 9,21 Euro anheben werden, "sobald das erforderlich ist". Selbst Grau- oder Reimporte aus dem Ausland sind von der Abgabe betroffen, so dass derjenige, der ein günstigeres Laufwerk kaufen möchte, schon selbst ins Ausland fahren müsste - wie etwa nach Holland, wo es bisweilen keinerlei Urheberabgaben gibt.

Bitkom setzt auf Planungssicherheit

Laut Susanne Schopf, Bereichsleiterin Urheberrecht und gewerblicher Rechtsschutz bei Bitkom, lasse sich über die Angemessenheit der Höhe der Abgabe "sicher streiten". Doch habe sich die ZPÜ auf einen Betrag unterhalb nicht eingelassen und hätte andernfalls ein weiteres Verfahren am Patent- und Markenamt angestrengt. Dort wird bereits über die Vergütungspflicht für Drucker und PC gestritten. Da nun der Betrag feststehe, sei die Planungsunsicherheit der Hersteller und Händler beseitigt. Außerdem "gibt es auch keine Verpflichtung für die Verwertungsgesellschaften im einzelnen darzulegen, warum eine Vergütung angemessen ist."

Fazit

Urheber von Texten, Bildern und anderen immateriellen Werken steht mit der Abgabe ein angemessener Obolus zu. Die aktuellen Preise auf dem DVD-Brenner-Markt bleiben zunächst stabil, wenngleich dadurch der Preiskampf zumindest hinter den Kulissen härter wird. Ob wegen der 9,21 Euro nun der große DVD-Brenner-Tourismus in den europäische Nachbarschaft losgetreten wird, bleibt erst einmal abzuwarten.

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