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Verband rechnet mit Plus für IT-Branche

11.03.2003 | 13:51 Uhr |

Nach dem Abbau von rund 35 000 Arbeitsplätzen in der deutschen Informationstechnik und Telekommunikation 2002 werden in diesem Jahr vermutlich 10 000 weitere Stellen gestrichen. Nach den Einbußen 2002 werde der Markt 2003 mit einer schwarzen Null abschließen, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM), Volker Jung, am Dienstag in Hannover. "Die schwarze Null kommt aber nur, wenn der Irak-Krieg nicht kommt."Für diesen Fall seien Prognosen nicht möglich.

Der Markt soll sich laut Jung nach dem 2-prozentigen Rückgang 2002 in diesem Jahr nur ganz leicht erholen. Der Umsatz werde um 0,5 Prozent auf 132,6 Milliarden Euro wachsen. 2004 traut der Verband der Branche ein Umsatzplus von 3 Prozent zu.

Jung kritisierte die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. "Politik muss mehr sein, als Feuerwehr, die löscht, wenn es brennt», sagte er. "Von der Regierungserklärung am Freitag erwarten wir deutlich mehr als die eine oder andere Reform am Rande. Wir erwarten und brauchen einen Richtungswechsel."

Die deutsche Marktnachfrage habe 2002 den schlechtesten Wert in Europa erreicht. Etwa 2000 Firmen hätten vergangenes Jahr den Markt verlassen, drei Viertel davon seien in die Insolvenz gegangen oder aufgelöst worden. Der Rest habe fusioniert oder sei übernommen worden. "Damit haben wir das Schlimmste hinter uns."Da die Unternehmen ihre internen Kosten minimiert hätten, könne künftig auch mit weniger Umsatz wieder Gewinn erzielt werden.

Die Branche setze ihre Entwicklung von der Fertigungsindustrie zur Dienstleistung fort, sagte Jung. "72 Prozent der Umsätze werden inzwischen mit Software und Services erzielt."So gebe es etwa bei den Telekommunikationsdiensten "enormes Entwicklungspotenzial. Wir rechnen damit dass Deutschland im Internet sukzessive zu den führenden Ländern aufschließt."Bis 2005 würden bis zu fünf Millionen Internet-Nutzer in Deutschland hinzukommen. "Wir gehen davon aus, dass in zehn Jahren kein Auto ohne Internetanschluss mehr vom Band laufen wird."Auch im Handymarkt gebe es noch Spielraum nach oben. In Italien oder Skandinavien nutzen bis zu 90 Prozent der Menschen Mobiltelefone. In Deutschland seien es 71 Prozent.

Bei Hardware und Geräten sei auch 2003 ein weiterer Rückgang zu erwarten. Die mobilen Geräte, mit denen 2002 ein Umsatz von 6 Milliarden Euro erzielt worden sei, würden aber zulegen können.

Insgesamt leide die Branche unter Problemen der Finanzierung. Es gebe kein Risiko-Kapital am Markt und die Banken hielten sich spürbar mit Krediten zurück. "Es ist sehr schwer Geld zu bekommen, auch wenn es gute Pläne sind."Auch die Politik könne helfen, in dem sich der Staat zurückziehe. "Die öffentliche Hand hat kein Geld und dennoch mischt sie sich ständig in Dinge ein, von denen sie nichts versteht."dpa

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