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Kampf der Abzocke: Warteschleifen sollen nichts mehr kosten

23.09.2010 | 07:27 Uhr |

Wer bei einer Hotline anruft, reibt sich hinterher beim Blick auf die Telefonrechnung mitunter die Augen: Allein die Warteschleife kann einen zweistelligen Euro-Betrag ausmachen. Jetzt soll wenigstens die Warterei kostenlos werden. Offen ist, ob dafür der Service teurer wird.

Teures Telefon
Vergrößern Teures Telefon

Bei Anruf Abzocke: So geht es vielen, die ihren Telefonanbieter, eine Fluggesellschaft oder ein anderes Call-Center anrufen. Denn meist kommt erst mal die Warteschleife, die zwar oft mit Musik versüßt wird, aber teurer werden kann als gedacht. Nicht jeder ruft vermutlich die Service-Hotline der Esoterik-Seite "Tarot König" an. Falls doch, könnten es 22 Euro bei 12 Minuten Warten werden. Das hat Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn nach einem eigenen Test errechnet. Solche Praktiken und Summen waren auch der Koalition zu viel. Es dauerte einige Monate, bis nun die Pläne für eine Neuregelung konkret werden: Warteschleifen werden kostenlos. Bisher ist die Praxis sehr unterschiedlich. Für 0180-Nummern müssen je nach Ziffer hinter der 0180 für Service-Dienste aus dem Festnetz bis zu 14 Cent pro Minute oder bis zu 20 Cent pro Anruf gezahlt werden. Wer vom Handy anruft, zahlt bis zu 42 Cent pro Minute. Noch teurer sind 0900-Nummern: Bis zu 30 Euro pro Anruf oder bis zu 3 Euro pro Minute bei höchstens 60 Minuten.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) wollen die Abzocke nun eindämmen. Aigner ging schon im Frühjahr davon aus , dass eine gesetzliche Regelung nötig werden könnte, weil nicht alle Unternehmen freiwillig kostenfreie Warteschleifen anbieten. In den Koalitionsfraktionen war bereits ein Kompromiss erreicht, während die Häuser von Brüderle und Aigner noch mit der Wirtschaft verhandelten. Der Anbieterverband VATM hält es zum Beispiel für richtig, die Abzocke der Kunden zu stoppen. Er ist aber skeptisch, was kostenlose Warteschleifen angeht. Offener zeigt sich der Deutsche Dialogmarketing-Verband, zu dem auch die Telekom gehört. Simon Juraschek, Vorsitzender des Bereichs Call-Center, hält die Forderung nach kostenlosen Warteschleifen für nachvollziehbar. Er betont aber: "Service darf auch Geld kosten." Der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, fordert schon lange, dass Warteschleifen nichts kosten. "Wenn ich zum Bäcker gehe, muss ich ja auch nicht dafür bezahlen, dass ich in einer Schlange stehe, sondern erst dann, wenn ich die Brötchen kriege", sagte er im August. "Ich finde, das Gleiche muss auch für Warteschleifen gelten." Der Verbraucherschützer fordert darüber hinaus Preisansagen für alle Service-Hotlines.

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