Von Ralf Götze - 09.09.2004, 15:40

Verkauf mit Verlust

Normalerweise verdient man etwas, wenn man etwas verkauft. Real Networks hat allerdings bei ihrem neuen Musicsstore seit drei Wochen jedes Mal draufbezahlt. Insgesamt drei Millionen Mal - jetzt ist Schluss.
Mit Kampfpreisen von 49 Cent pro Song und 4,99 Dollar pro Album unterbot Real alle anderen Wettbewerber und konnte damit wahrscheinlich noch nicht einmal die Forderungen der Musikindustrie abdecken. Ungefähr 66 Cent muss allein Apple an die "Big Five" abführen und vom Rest die Kosten für Marketing, Bereitstellung und Vertrieb aufbringen.
Mit diesem Minusgeschäft hat es Reals Musikdienst Rhapsody allerdings auch in kürzester Zeit geschafft, sich vorerst den zweiten Platz beim Online-Musikverkauf zu sichern. Ob diese Position allerdings gehalten wird, ist nach dem Markteintritt von Microsoft und dem Übergang auf den branchenüblichen Preise von 99 Cent pro Song und 9,99 pro Album eher fraglich.
Der zweite Platz wird auch gleichzeitig durch einen überragenden ersten relativiert. Drei Millionen Songs verkaufte Real zum Kampfpreis innerhalb der letzten drei Wochen. Im gleichen Zeitraum gingen Apple hingegen ungefähr 13 Millionen Stücke zum doppelten Kurs.
Der iTunes Musicstore geht aus diesem PR-Scharmützel eher gestärkt hervor. Zum einen ist die Reals aggressive Aktion "Freedom of Choice" nahezu im Sande verlaufen und statt Umsatzrückgang vermeldete Cupertino jüngst erst einen drastischen Anstieg der Verkäufe. Das Marktsegment scheint im Ganzen noch weiter wachsen, so dass sich die aus Reals Sicht teueren Sonderpreise doch zu einer Zukunftsinvestition entwickeln können.
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob Rhapsody mit dieser Preispolitik auch wirklich eine treue Kundschaft gewonnen hat. Der Vice-Chef Dan Sheeran sieht die Dinge natürlich gewohnt zuversichtlich und kommentiert die Frage nach einem drohenden Gerichtsverfahren wegen der Umgehung des Fairplay-Systems nur mit den Worten: "Wir haben von Apple noch nichts gehört." Zur gleichen Zeit nimmt Steve Jobs nach seinem Krankheitsurlaub die Arbeit wieder auf.
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