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Versatel erwägt Übernahme des Deutschlandgeschäfts von AOL

19.06.2006 | 10:12 Uhr

Der niederländische Telekomkonzern Versatel erwägt eine Übernahme des zum Verkauf stehenden Deutschland-Geschäfts von AOL. Wir sind natürlich interessiert, sagte Versatel-Chef Peer Knauer der "Financial Times Deutschland" (Montagausgabe). Der US-Medienkonzern Time Warner will sich in Europa mit seiner Internet-Tochter AOL aus dem Anschlussgeschäft zurückziehen und bietet Teile der Landesgesellschaften in Deutschland, Großbritannien und Frankreich zum Verkauf an.

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Nach Informationen aus gut informierten Kreisen sei die Frist, in der potenzielle Bieter ihr Interesse bekunden konnten, inzwischen abgelaufen. Aus der Liste der rund zehn eingegangenen Gebote für AOL Deutschland würden Time Warner und die mit dem Verkauf beauftragte Investmentbank Citigroup bis Anfang Juli eine Auswahl treffen, heiße es dem Bericht zufolge. In der zweiten Bieterrunde erhielten die verbleibenden Kaufkandidaten dann umfassenden Zugriff in vertrauliche Geschäftsdaten.

Dem Vernehmen nach möchte der US-Medienkonzern der Zeitung zufolge für sein deutsches Geschäft 600 Millonen Euro erlösen. Das entspräche dem zwölffachen des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), habe eine mit dem Vorgang vertraute Person gesagt. Der Preis ist sportlich, habe ein Brancheninsider mit Hinblick auf die relativ hohe Bewertung gesorgt. Die meisten der eingegangenen Gebote sollten nach Informationen aus Finanzkreisen zwischen 500 und 600 Millionen Euro liegen.

AOL hatte unlängst beschlossen, sein Geschäft in die zwei Bereiche Access (Internetzugang) und Audience (Inhalte, Anzeigen, Bezahldienste) aufzuteilen. Durch den geplanten Verkauf der Access-Sparte würden dem Portal AOL.de theoretisch Klicks verloren gehen. Insider hielten es deshalb für denkbar, dass im Kaufvertrag Klauseln eingefügt werden, von denen die bei Time Warner verbleibende AOL-Audience-Sparte profitiert. Diese könnte für den neuen Eigentümer des Anschlussgeschäfts Web-Inhalte liefern oder die Online-Anzeigenvermarktung übernehmen.

Knauer rechnet damit, dass sich diese Zahl bis Ende des laufenden Jahres auf 14 Millionen erhöhen könnte. Sein Unternehmen rechnet für 2006 bisher mit 215.000 Neukunden. Aber falls meine Prognose zutrifft, dürfte es eher in Richtung 250.000 gehen, sagte Knauer. (pda/fkh)

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