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Verschlüsselung kann in Haftstrafe enden

22.05.2006 | 11:09 Uhr |

Ein britisches Gesetz könnte Benutzer von Verschlüsselungstechnologien schon bald zur Herausgabe der eigenen Passwörter zwingen. Andernfalls drohen mehrjährige Haftstrafen.

Der im Jahre 2000 in Großbritannien verabschiedete Regulation of Investigatory Powers Act (RIPA) sollte die Gesetzeslage in Zusammenhang mit Verschlüsselungstechnologien besser regeln. Im dritten Absatz wird der Staat dazu ermächtigt, im Falle einer Straftat, die Passwörter für eine Verschlüsselung von Festplatten vom Angeklagten herauszufordern. Dieser umstrittene Teil des Gesetzes ist jedoch aktuell noch nie eingesetzt worden. Nun versucht das Home Office , eine Regierungsabteilung, die sich um innere Angelegenheiten in Wales und England kümmert, das Recht zur Herausgabe von Passwörtern für ihre Zwecke einsetzen. Als Gründe wird die steigende Verwendung von Verschlüsselungstechnologien bei Pädophilen, Terroristen und anderen Straftätern angeführt.

Problematisch wird dieses Vorhaben, da angeklagte Straftäter zwar nicht gezwungen werden, ihre Daten zu entschlüsseln, doch weigern sie sich der Polizei die Passwörter für eine eventuelle Verschlüsselung auszuhändigen, drohen Haftstrafen von bis zu zwei Jahren. Bei terroristischen Zusammenhängen kann dies eine Strafe bis zu 5 Jahren Haft bedeuten. Zudem besteht nicht nur die Berechtigung zur Herausgabe privater Passwörter. Sollte eine Bank an einer Überweisung terroristischer Organisationen beteiligt sein, kann der Staat die verwendeten Passwörter zur Entschlüsselung der Bankdaten verlangen und so die gesamten Kundendateien durchforsten.

Experten befürchten durch eine derartige Gesetzeslage sogar eine Abwanderung potentieller Firmenniederlassungen in Großbritannien. So würde es sich ein Unternehmen zweimal überlegen, bevor es Zweigstellen in einem Land eröffnet, in dem der Staat mit zwielichtigen Begründungen die gesamten Firmendaten herausverlangen kann. Ein weiteres Problem besteht darin, wenn eine Person über verschlüsselte Daten verfügt, deren Passwort aber nicht kennt. Dies zu beweisen dürfte schwierig sein, so könnte man schnell ins Gefängnis wandern, nur weil man zur falschen Zeit eine Datei empfangen hat.

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