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Vertico Starface Home Edition

21.03.2007 | 13:23 Uhr |

Man nehme einen alten PC oder einen Mac mit VMware und die Starface Home Edition Die Firma Vertico entwickelt vor allem Telefonanlagen für Unternehmen, allerdings hat sie auch für Privatanwender eine Lösung auf Lager: Die Starface Home Edition ist eine kostenlose Software, mit der man sich eine softwarebasierte Telefonanlage für Zuhause bauen kann.

Voraussetzung ist eigentlich, dass man noch einen alten PC herumstehen hat - für Switcher dürfte das kein Problem sein, für langjährige Mac-Anwender vielleicht schon eher. Allerdings müssen auch sie nicht außen vor bleiben: Starface für Privatanwender gibt es auch als VMware-Paket. Und VMware bietet im Moment eine kostenlose Betaversion der neuen Virtualisierungslösung Fusion zum Download an. Auch mit dieser Kombination lässt sich übers Heimnetzwerk telefonieren.

Während Starface PBX zwischen 5 und 1000 Anwendern mit Browser-basierten, virtuellen Telefonen versorgt oder Kommunikations-Hardware in ein Telefonnetz einbindet, lassen sich in der Home Edition maximal vier Benutzerkonten anlegen. Außerdem stellt die eingeschränkte Version nur zwei Leitungen nach außen zur Verfügung - für die Durchschnittsfamilie sollte das allerdings reichen. Auf der CeBIT ist Starface in Halle 13 auf dem Standplatz B44 vertreten, dort kann man sich vor allem die professionellen Lösungen des Unternehmens anschauen und sich über die neue Version 2.1 informieren.  

Plattformübergreifender Zugriff

Vertico wirbt mit einer Lösung, die "auf Windows, Mac und Linux läuft". Was aber steckt hinter dieser Botschaft? Eine mit Starface aufgebaute Lösung deckt zwei Seiten ab, die Telefonanlage und die einzelnen Telefone. Beides stellt der Hersteller auf Wunsch zur Verfügung: Die Telefonanlage ist in der Home Edition und der PBX-Version Software-basiert, besteht aus einer Kombination von Betriebssystem und Software und muss auf einem eigenen PC installiert werden. Den kann man danach allerdings zu nichts anderem mehr verwenden. Beide Lösungen funktionieren auf PPC-basierten Macs nicht. Wenn der Hersteller von einer plattformübergreifenden Lösung spricht, meint er jedenfalls etwas anderes: die virtuellen Telefone nämlich, die der eingerichtete VoIP-Server betreibt. Wie die Konfigurationssoftware für den Server sind sie vollständig Browser-basiert und lassen sich damit in der Tat auch vom Mac aus bedienen. Die Apple-Rechner benötigen dabei keine zusätzliche Software, sondern nur ein Mikrofon und Lautsprecher - die Verwendung eines Headsets bietet sich allerdings an.  

Komforttelefonie im Browser

Starface betreibt auch eine Menge Hardware. Der Server arbeitet mit ISDN-Karten zusammen, an einen ATA-Adapter lassen sich analoge Endgeräte anschließen. Außerdem erkennt die Software eine große Auswahl von SIP-Telefonen. Das Besondere an der Lösung sind allerdings die Browser-basierten virtuellen Telefone, die allen Komfort einer Hardware bieten sollen. Sie signalisieren eingehende Anrufe, lassen den Anwender Weiterleitungen und Anrufbeantworter einrichten sowie Konferenzen schalten. Eingehende, ausgehende, verpasste und angenommene Verbindungen zeigen sie in Listen an, sie verfügen außerdem über ein komfortables Adressbuch mit Gruppen, können LDAP-Verzeichnisse lesen und mit einem Plug-in ist auch die Zusammenarbeit mit dem Adressbuch von Mac OS X kein Problem.  

Die Basis: Ein alter PC oder eine virtuelle Maschine

Der Anwender von Starface hat die Wahl: Er entscheidet selbst, ob er einen alten PC für die Installation verwenden will oder einen Mac mit einer virtuellen Maschine benutzt. Bei beiden Lösungen muss der als Telefonserver dienende Rechner die ganze Zeit über online bleiben, wenn man Starface sinnvoll einsetzen will. Daraus entstehen auch die Nachteile der jeweiligen Lösung: Ein alter PC (mindestens ein Gigahertz Taktfrequenz und 256 Megabyte RAM) braucht deutlich mehr Strom als eine handelsübliche Telefonanlage für den Heimbereich. Eine virtuelle Maschine hingegen verursacht auch auf einem Mac, der vielleicht ohnehin den ganzen Tag läuft, durchgehend Prozessorlast, zwackt Arbeitsspeicher ab und kann das System langsamer machen. Telefonieren kann man sowohl zwischen den verschiedenen Clients im Netzwerk als auch mit SIP-Anwendern (Service Internet Protocol) außerhalb. Wer allerdings in die Ferne und zusätzlich ins Festnetz will, benötigt einen kostenpflichtigen Provider, über den er seine SIP-Anrufe tätigt und auf "normale" Telefone umleitet, Sipgate zum Beispiel. Oder er lässt die Starface-Software auf einem Rechner mit ISDN-Karte und angeschlossener ISDN-Leitung laufen. Wer mehr über SIP-Telefonie am Mac wissen möchte, findet auf Macwelt online einen kurzen Workshop . Eine Kurzanleitung zum Anschließen externer Geräte an den Starface-Server bekommt man beim Hersteller. Wer den vorkonfigurierten Telefonserver unter Mac OS X ausführen möchte, muss zu VMware Fusion greifen. Das ist eine Software, die - so wie Parallels Desktop - eine Virtualisierungsumgebung am Mac zur Verfügung stellt. Der Anwender kann darin Windows ausführen oder auch eine Linux-Distribution sowie die Fedora-Linux-basierte Starface-Umgebung. Die Home Edition gibt es auf der Herstellerseite sowohl als ISO-Datei zur Installation auf PCs (613 Megabyte) als auch als virtuelle Maschine (VM) für VMware (354 Megabyte, "Speichern unter"). Der RAR Expander entpackt die Datei, mit The Unarchiver führt das nicht zum Erfolg. Auf dem macnews.de-Testsystem arbeitet die VM problemlos mit Fusion zusammen, in den Fusion-Einstellungen der virtuellen Maschine allerdings muss man unter Ethernet Connect directly to the physical network (Bridged) wählen. Die aktuelle Fusion-Betaversion lässt sich unter Angabe von Adressdaten und Mailadresse als 118-Megabyte-Datei herunterladen, im Moment ebenfalls kostenlos.  

Nichts für die schnelle Nummer

Wer mit der Starce Home Edition eine Telefonanlage für Zuhause einrichten will, sollte viel Zeit zum Einrichten einplanen und sich das umfangreiche PDF-Handbuch durchlesen oder es zumindest zur Hand haben. Während die Bedienung der Clients später recht einfach und übersichtlich ist, muss man für die Installation über fortgeschrittene Kenntnisse verfügen. In der macnews.de-Testumgebung war es uns nicht möglich, den Telefonserver auf einer virtuellen Maschine und mit einer festen Router-Adresse im Netzwerk zu betreiben. In einer Heimumgebung mit DHCP-Server und einfacher Netzwerk-Konfiguration gelang die Inbetriebnahme dann. Zudem kam es im Zusammenspiel mit Safari zu Schwierigkeiten - von Darstellungsfehlern bis zum Absturz des Browser. Wir empfehlen deshalb, Firefox zu verwenden, mit dem Mozilla-Browser konnten wir diese Schwierigkeiten vermeiden. Letztlich ist die Home Edition die Testversion einer professionellen Anwendung - entsprechend viele Möglichkeiten bietet sie, entsprechend viel Know-how braucht allerdings auch ein Heimanwender, der sich mit etwas Bastelarbeit eine Telefonanlage mit Profi-Allüren bescheren will.

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