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Facetime auf dem iPhone und iPod Touch nutzen

08.11.2010 | 16:48 Uhr |

Facetime ermöglicht Videokonferenzen mit dem iPhone 4 und dem neuen iPod Touch. Ganz neu bietet Apple auch Facetime für Mac-OS X an, und für Besitzer älterer iPhone-Modelle verspricht die App Tango eine Chance für den Videochat.

iPod Touch 2010 Facetime
Vergrößern iPod Touch 2010 Facetime
© Apple

Kaum einem anderen Bereich wurde schon so oft der technische und gesellschaftliche Durchbruch versprochen wie der Videokonferenz. Zur ISDN-Einführung in den Achtzigern wurden schicke Bildtelefone gezeigt, UMTS-Anbieter hofften auf satte Einnahmen, und auch Apple hatte mit iChat AV für den Mac schon vor Jahren auf Videokonferenzen gesetzt. Eine nennenswerte Zahl an Bildtelefonaten dürfte allerdings wohl als einziger Anbieter Skype vermitteln.

Warum sollte Apple nun mit Facetime gelingen, woran alle anderen gescheitert sind? Vielleicht deshalb, weil Facetime die Fehler vieler anderer Systeme vermeidet: Facetime verursacht keine Gebühren, ist im Gegensatz zu den meisten Softwarelösungen extrem einfach zu bedienen, zwingt den Anwender nicht dazu, sich an einen festen Platz zu setzen, und ist ein offener Standard, den auch andere Hersteller in ihre Produkte integrieren können.

Doch noch wird Facetime nur von Apple unterstützt. Besitzer eines iPhone 4 oder eines neuen iPod Touch der vierten Generation können darüber in Bild und Ton kommunizieren und ganz neu auch Mac-Anwender. Apple hat bereits eine Beta-Version von Facetime für Mac-OS X veröffentlicht, die sich praktisch wie Facetime am iPod Touch 4G verhält. Die Verbindung von einem iMac mit iSight-Kamera zum iPhone klappte problemlos.

Technische Basis

Facetime setzt auf eine Kombination wohlbekannter Industrie-Standards: Der Videostrom wird per H.264 kodiert, der Ton mit AAC. Für die Kommunikation der Teilnehmer untereinander sorgen die Protokolle SIP und STUN, die auch bei Voice-over-IP-Verfahren meistens eingesetzt werden, sowie RTP und SRTP für den sicheren und schnellen Transport durch die Datenleitungen. All diese Verfahren sind zwar nicht im Sinne von Open-Source-Projekten frei nutzbar, jedoch erprobt und jedem zugänglich. Was darüber hinausgeht, will Apple offen legen.

Bevor andere Geräte mitmachen dürfen, müsste Apple allerdings noch das Problem der Benachrichtigung über neue Anrufe lösen, denn dafür werden derzeit die lediglich auf iPhones und iPod -Touch-Geräten verfügbaren Push Notifications genutzt

Registrierungszwang für Facetime

Bevor man per Facetime kommunizieren darf, muss man einen sehr simplen Registrierungsvorgang durchlaufen. Jeder Facetime-Teilnehmer bekommt eine "ID", die beim iPhone auf der Mobilfunknummer und beim iPod Touch auf einer Mailadresse basiert. Dieser Umstand sorgt leicht für Verwirrung, denn zum Aufbau einer Facetime-Verbindung ist kein Mobilfunkgespräch und auch keine E-Mail notwendig, sondern die Verbindung wird direkt aufgebaut, sobald beide Teilnehmer eine Internet-Verbindung per WLAN haben. Wenn zwei iPhone-4-Besitzer miteinander telefonieren, können sie allerdings auf eine Facetime-Verbindung umschalten.

Derzeit läuft Facetime nur, wenn beide Teilnehmer sich im WLAN aufhalten. UMTS-Verbindungen sind nicht möglich, weil laut Steve Jobs dazu noch Gespräche mit den Providern nötig wären. Diese sehen derzeit Videokonferenzen als ganz eigene Dienstleistung an, für die sie gern teils drastische Gebühren fordern würden. Apple traut sich noch nicht heran, die kostenlose App Tango springt aber in die Bresche. Sie ermöglicht über ein eigenes Protokoll nicht nur Videotelefonate über UMTS, sondern lässt auch iPhone-3GS- und Android-Besitzer mitspielen.

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