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Viel Frust beim Online-Shopping

20.03.2000 | 00:00 Uhr |

Wenn beim Einkauf im Internet nichts im Netz des
Kunden landet, liegt das selten am ausgefallenen Geschmack des
Online-Käufers. Fast jeder zweite Internet-Nutzer scheitert beim
Kaufversuch, weil er sein Wunschprodukt nicht findet oder
Schwierigkeiten mit dem Kaufabschluss hat.

Das hat die Boston Consulting Group (BCG) bei der Befragung von
rund 10 000 Internet- Surfern in den USA und in Kanada
herausgefunden. Nach mindestens einem Fehlversuch geht jeder achte
Befragte schon nicht mehr auf Kauftour im Netz. «Online-Kunden sind
sehr nachtragend», meint Stefan Rasch, E-Commerce-Experte bei BCG in
München.

Rund die Hälfte der Befragten versucht erst gar nicht, im Netz
einzukaufen. Für diese Gruppe ist die Zahlung mit Kreditkarte das
größte Hindernis. «Wer vorher schon bezahlt, hat jedes Druckmittel
aus der Hand gegeben», meint Helga Kuhn, Sprecherin der
Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV) in Bonn. «Bei
Beschwerden gibt es oft keinen Verantwortlichen, und eine Internet-
Seite kann man nicht verklagen.» Die Verbraucherschützerin rät von
einem Kauf mit Kreditkarte ab, wenn der Anbieter nicht seriös ist und
keine Möglichkeit zur Verschlüsselung besteht.

Am einfachsten ist es für Kunden in Deutschland, bei deutschen
Netz-Anbietern einzukaufen. «Der Einzelhandel und mehrere
Multimediafirmen haben sich Ende des vergangenen Jahres über eine
Kennzeichnung von Anbietern im Internet geeinigt», berichtet Kuhn.
Während es in Deutschland auch ein Multimediagesetz gibt, das etwa
Preisangaben im Internet regelt, bestehen noch keine internationalen
Richtlinien. Europäische Rahmenbedingungen werden zurzeit
vorbereitet, um dem E-Commerce in Europa auf die Sprünge zu helfen.
Während der europäische Online-Handel auf bescheidene 0,2 Prozent des
gesamten Einzelhandelsumsatzes kommt, sind es in den USA vier Mal so
viel.

Wenn es nach den Verbraucherverbänden geht, sollen die Unternehmen
von sich aus aktiv werden und die Mängel beheben. Die BCG rät den
Händlern, mehr Service zu bieten. Mit besseren Suchmaschinen,
Telefon-Hotlines und klaren Produktangaben soll der Kunde sein
Produkt leichter finden und kaufen als bisher. Schließlich stellen
die Online-Pioniere, die fast allesamt Technik-Freaks sind, nur noch
knapp ein Drittel aller Internet-Surfer, hat die Studie ergeben.
dpa

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