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Vierter Teil: Thinkfree Office - Ein ambitionierter Newcomer

20.11.2002 | 12:37 Uhr |

Thinkfree ist eine komplett in Java programmierte Office-Suite, die unter Windows, Linux, Unix und dem Mac-OS läuft


Mac-Anwender haben seit jeher Vorbehalte gegen Microsoft. Die Ablehnung des Betriebssystems aus Redmond fährt nicht selten zur Entscheidung, das Office-Paket des gleichen Herstellers nicht auf den Mac zu installieren. Wie es trotz Quasi-Monopol von MS Office auch ohne Microsoft geht, beleuchten wir in einer Serie auf Macwelt.de

Von Jörn Müler-Neuhaus

Thinkfree Office (TFO), ein Newcomer unter den Microsoft-Konkurrenten, ist in Version 1.7 für das klassische Mac-OS und in Version 2.1 für Mac-OS X verfügbar ist. TFO haben seine Entwickler komplett in Java programmiert und läuft daher unter Mac-OS, Windows, Mac-OS X und weiteren Unix-Varianten, unter anderem auch Linux. Während Ragtime und Apple Works mit Office-Formaten umgehen können, sich aber in keiner Weise am Programmkonzept der Microsoft-Produkte orientieren, ist Thinkfree Office ein recht eindeutiger Office-Clone: Die Programm-Module TFO Write, Calc und Show simulieren die Vorbilder Word, Excel und Powerpoint bis hin zu Ähnlichkeiten in der Benutzeroberfläche recht erfolgreich und bieten ähnliche Funktionalität. Wer mit den Microsoft-Programmen zurechtkommt, wird sich auch an TFO schnell gewöhnen. Ein Zeichen moderner Zeiten ist die starke Internet-Integration: Registrierte Nutzer können auf einen Online-Speicherplatz zugreifen. Dieses "Cyber Drive" aktiviert man über die Werkzeugleiste des Programms und dient mit Hilfe des dem Windows Explorer sehr ähnlichem Navigationstool Thinkfree Folders zum Speichern und Abrufen von Daten. Ein Mounten im Finder a la iDisk ist nicht möglich.
TFO ist MS Office nicht nur vom äußeren Erscheinungsbild her ähnlich, es kommt auch hervorragend mit Dateien des Vorbildes zurecht: Word-Dateien werden sauber interpretiert und konvertiert. Auch hier kommt jedoch das Word-Layout stark durcheinander, sofern das Originaldokument Gestaltungselementen enthält. Nahezu perfekt ist das Importverhalten bei Excel-Dateien. Nicht nur Formate und Formeln setzt TFO klaglos um, auch Arbeitsblätter und Charts übernimmt es linientreu. Als einziger im Trio der MS Office-Herausforderer ist ThinkfreeOffice auch in der Lage, Powerpoint-Dateien zu lesen und zu schreiben.
Eine 30 Tage lang lauffähige Demo von Thinkfree Office bietet der Hersteller auf der Website "thinkfree.com" an. Will man danach weiter mit TFO arbeiten, werden 50 Dollar Kaufpreis fällig. Dafür erhält man das Programm und ein Jahresabo auf 20 MB Cyber Drive. Für größere Kapazitäten bis zu 1 GB verlangt thinkfree.org eine jährliche Abogebühr.

Fazit
Thinkfree Office ist die Alternative, wenn eine möglichst exakte Übereinstimmung der Funktionalität mit MS Office gefragt ist. Die Mac-Versionen machen einen stabilen und durchdachten Eindruck, und wer MS Office kennt, wird mit TFO schnell warm. Der Import und Export von Word-, Excel und PowerPoint-Dateien funktioniert fast reibungslos. Vor allem der fehlerfreie und formatidentische Import von Excel-Dateien ist beeindruckend. Probleme gibt es wie überall beim Import von Word-Dateien mit Text und Bildkästen. Der günstige Preis von 50 Dollar könnte manche Anwender sogar über das Fehlen einer deutschen Version hinweg trösten. Mac-OS-X-Anwendern gelingt es, die US-Version mit der systemweit verfügbaren deutschen Trennhilfe und Rechtschreibprüfung von Mac-OS X zu lokalisieren. pm

Im abschließenden fünften Teil lesen Sie: Einzelkämpfer im Büro-Mehrkampf, Formatfrage und Open Office

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