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Virtuelle Jobbörsen schlittern in die Krise

28.11.2001 | 00:00 Uhr |

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die großen Expansionspläne der Stellenbörsen im Internet gehören der Vergangenheit an. Heute kämpfen viele um das bloße Überleben, nachdem die angespannte Situation am Arbeitsmarkt die Umsätze drückt und die Nachfrage sinkt.

Die Krise am Arbeitsmarkt kommt für die virtuellen Jobportale zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, denn in die Gewinnzone konnten sich bisher die wenigsten retten. Teure Zukäufe und Marketing-Aktivitäten kosteten jede Menge Geld. Im Zuge einer Reorganisation gab beispielsweise der Jobbörsen-Anbieter Stepstone seine Niederlassungen in Österreich, der Schweiz, Irland, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Portugal und Indien auf. Der virtuelle Stellenvermittler will sich in Zukunft auf Deutschland, Benelux und die skandinavischen Länder konzentrieren. Zielsetzung sei die Erreichung der Gewinnzone für den Gesamtkonzern, so der Alleinvorstand von Stepstone Deutschland, Andreas Albath. Insgesamt beschäftigt die Stellenbörse 350 Mitarbeiter, davon arbeiten 150 in Deutschland.

Auch beim Mitbewerber, der Jobpilot AG, mussten in diesem Monat aufgrund rückläufiger Einnahmen 35 der 200 Mitarbeiter in Deutschland gehen. Zwar konnten die Bad Homburger im dritten Quartal 2001 ihren Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 7,7 Millionen auf 6,6 Millionen Euro verringern. Allerdings sank der Umsatz im dritten Quartal mit 10,1 Millionen Euro gegenüber dem vorausgegangenen Quartal um 17 Prozent.

Selbst beim weltweiten Branchenprimus Monster.com, Tochter der amerikanischen Personalvermittlung TMP, stagnieren momentan die Umsätze. Mit Dumping-Preisen und Nachlässen um 50 Prozent bei den Stellenangeboten möchte Monster.de den Mitbewerbern Kunden abjagen und den harten Wettbewerb weiter verschärfen.

Zwar will es niemand von den drei großen Anbietern offen aussprechen, doch die rückläufigen Stellenangebote und der angespannte Arbeitsmarkt gehen nicht spurlos an den Stellenmärkten vorüber. Experten erwarten in den nächsten Monaten eine weitere Konzentration. Gerade kleinere und unbekanntere Jobbörsen ohne einen ausgewählten Nischenmarkt dürften den Einbruch deutlich spüren. Klassische Personalagenturen und Zeitarbeitsfirmen interessieren sich bereits zurückhaltend für die zusätzlichen Möglichkeiten des Online-Recruitings. In naher Zukunft könnten sich daraus neue Geschäftsmodelle und Kooperationen entwickeln.

Trotz Krisenstimmung gibt es schon heute einen Gewinner unter den virtuellen Jobbörsen. Laut Nielsen Netrating heißt das beliebteste deutschsprachige Jobportal mit 1,2 Millionen Besuchern im Oktober www.arbeitsamt.de. (iw)

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