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Virus-Urheber enttarnt

11.07.2000 | 00:00 Uhr |

Das Bundeskriminalamt (BKA) ist dem Urheber des
Computervirus «Fireburn» auf die Spur gekommen. Ein 18 Jahre alter
Berufsschüler aus Ratingen (Nordrhein-Westfalen) soll in einer E-Mail
vom 29. Mai eine Variante des bekannten «I Love You»-Virus in Umlauf
gebracht haben.

Der Tatverdächtige müsse mit einer Geldstrafe oder bis zu fünf
Jahren Haft wegen Datenveränderung und Computersabotage rechnen,
sagte eine Sprecherin des BKA am Montag.

«Fireburn» verbreitet sich wie der «I Love You»-Virus bei Windows-
PCs über das Microsoft-Programm «Outlook» und richtet mit Hilfe der
Microsoft-Technologie Visual Basic Script (VBS) Schaden an. «I Love
You» hatte weltweit nach Schätzungen Milliardenschäden verursacht.

Bei «Fireburn» werden die Computernutzer aufgefordert, angehängte
Bilddateien pornografischen Inhaltes zu öffnen («Hi, wie geht'S dir?
Guck dir mal das Foto im Anhang an, ist echt geil bye, bis dann..»)
Bei den vermeintlichen Pornobildern handelte es sich aber nicht um
Bilddateien, sondern um VBS-Programme, die den Computer manipulieren.
Neben der Änderung von Windows-Systemdateien wurde damit unter
anderem die Tastatur still gelegt. Auf dem Bildschirm der PCs
erschien der Hinweis «I'm proud to say you are infected by Fireburn»
(Ich bin stolz, Ihnen mitzuteilen, dass Sie mit Fireburn infiziert
sind).

Wie die BKA-Fahnder dem 18-Jährigen auf die Spur gekommen sind,
wollte die Sprecherin nicht sagen. Am vergangenen Freitag hatten BKA-
Beamte die Wohnung des Verdächtigen durchsucht und zwei Computer,
Disketten und schriftliche Unterlagen über das Programmieren von
Viren beschlagnahmt. In der Vernehmung habe er die Tat gestanden.

Das BKA ermittelt seit Anfang Mai im Auftrag von
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) gegen die Urheber und
Verbreiter des Computer-Virus «I Love You» und seiner Varianten.
Dabei waren das BKA und die österreichischen Behörden am 30. Mai
bereits einem 28-jährigen Österreicher auf die Spur gekommen.

Der Mann hatte gestanden, eine angebliche Liste mit «I Love You»-
Viren verschickt zu haben, die nicht geöffnet werden dürften.
Tatsächlich enthielt diese Datei der vermeintlichen «Anti-Virus-GmbH»
aber einen Quellcode, der in den infizierten Computern wichtige
Dateien und Dokumente löschte. Insgesamt seien bereits rund 50
Varianten des ursprünglichen «I Love You»-Virus festgestellt worden,
teilte das BKA mit.
dpa

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