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Vista: Microsoft fürchtete OS X

19.11.2008 | 16:30 Uhr |

Aus internen E-Mails aus dem Jahr 2005 geht hervor, dass Microsoft schon eineinhalb Jahre vor dem Start von Vista OS X als größten Konkurrenten sah. Zudem hat man laut der Mails schon damals gewusst, dass die Anforderungen von Vista höher sind als zugegeben.

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Unsere US-Kollegen der Computerworld haben eine E-Mail-Diskussion von Microsoft-Angestellten aus dem Jahr 2005 an die Öffentlichkeit gebracht. Sie zeigt, wie beunruhigt das Team war, als das Wall Street Journal OS X als mögliche bessere Alternative zu Windows Vista nannte. Der Auslöser: Walt Mossberg, Technik-Kolumnist beim "Journal", hatte einen Artikel darüber geschrieben, welchem Rechner man sich kaufen soll, um später auf Vista upgraden zu können. Padmanand Warrier, Entwickler bei Microsoft, fand eine Stelle im Artikel besonders beunruhigend:

"Besserer und sicherer als Windows"

"Wenn man einen Macintosh-Computer von Apple kauft, muss man sich keine Sorgen über Vista machen, diese nutzen kein Windows", schrieb Mossberg. "Jeder Nutzer, der typische Dinge am Computer macht, sollte einen Mac erwägen. Das Betriebssystem [damals] Tiger ist besser und sicherer als Windows XP und enthält bereits jetzt zahlreiche Funktionen, die Vista bringen soll". Warrier mailte diesen Abschnitt an seine Kollegen.

Richard Russel, Produktmanager bei Microsoft, soll binnen 20 Minuten geantwortet haben: "Mein Fazit des Artikels ist, dass wir es versäumt haben, den Wert von Vista zu kommunizieren". Anschließend lobt er Windows Vista in seiner E-Mail gegenüber seinen Kollegen. Das Betriebsystem laufe im Gegensatz zu OS X auf einer breiten Vielzahl an Rechnern, von kleinen bis großen Systemen.

Vista und die Hardware

Dann schreibt Russel von der "Premium"-Benutzererfahrung mit Vista und sinniert über die Bedeutung von "Vista ready". Dies war ein Marketing-Label, mit dem Rechner als Vista-kompatibel markiert wurden. Später änderte sich dieser Name in "Vista tauglich" ('Vista Capable' in den USA). Russel soll geschrieben haben, dass nicht jeder Rechner mit diesem Siegel dieses "Premium-Erlebnis" erlauben will. Das Siegel bedeute lediglich dass Vista "gut" liefe. Er warnt davor, die Systemvoraussetzungen für Vista offiziell zu hoch anzusetzen, um nicht das Image zu bestärken, dass Vista besonders leistungshungrig sei.

Diese Äußerungen der damaligen E-Mails wurden jetzt bekannt, weil sie Teil der Beweisaufnahme eine Gerichtsverfahrens gegen Microsoft sind. Dabei geht es um diese "Vista ready"-Aufkleber. Diese genannten E-Mails waren einige von Hunderten Mails, die die Richterin Marsha Pechmann freigegeben hat. In dem Verfahren wird Microsoft vorgeworfen, dass man schwache Rechner mit dem "Vista-ready"-Logo ausgestattet habe, obwohl man wusste, dass auf diesen nur die sehr abgespeckte "Home-Basic"-Version funktioniert. Russel schrieb schon 2005: "Ich glaube wir haben den Fehler gemacht, 'läuft gut' mit 'Premium-Erlebnis' gleichzusetzen".

Quelle: Computerworld

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