2198058

Viv: Der nächste Schritt der Siri-Entwickler

23.05.2016 | 08:45 Uhr |

Mit der Sprachassistentin Siri wurde das iPhone noch interaktiver, ohne auch nur einen Finger bewegen zu müssen. Jetzt wollen die Siri-Entwickler jedes Gerät mit einem intelligenten Sprachassistenten ausrüsten.

Dag Kittlaus gehörte mit zu dem Entwicklerteam, das Siri auf das iPhone brachte. Jetzt stellt Kittlaus einen neuen Sprachassistenten namens Viv vor, der seiner Meinung nach die Art und Weise, wie wir nicht nur mit unseren Telefonen, sondern auch mit unseren Haushaltsgeräten, Autos und sonstigen technischen Geräten umgehen werden, revolutionieren wird. Obwohl Viv den Nutzern noch nicht zur Verfügung steht, sorgte die neue Software bereits für sehr viel Aufsehen. Anfang Mai gewährte Kittlaus bei einer öffentlichen Präsentation einen kurzen Einblick in den neuen Sprachassistenten.

Siri: 40 Jahre Forschung und Entwicklung

Zum jetzigen Zeitpunkt ist Viv eine iOS-App, was sie aber nicht für immer bleiben wird. Wenn man die App geöffnet hat, kann man dem Assistenten Fragen stellen oder Befehle erteilen. Neben den üblichen Fragen, wie beispielsweise „Wie soll das Wetter werden?“, soll Viv auch weitaus komplexere Aufgaben übernehmen können. Gibt man etwa den Befehl „Überweise an Adam 20 Euro!“ soll der Sprachassistent die entsprechende Transaktion durchführen können.

Die Gespräche sind derzeit noch sehr einseitig, da dem Sprachassistenten noch keine Stimme verliehen wurde. Sobald Viv jedoch auf den Markt kommt, wird sie dem Anwender auch antworten können. Auch wenn Viv im aktuellen Entwicklungsstadium noch die entsprechende Individualität fehlt, macht die neue Technik den Eindruck, dass sie zukünftig sehr nützlich werden könnte.

Denn die Entwickler möchten Viv noch viel umfassender machen als die bisherigen Sprachassistenten. Dazu wollen sie über die Apps hinaus gehen, was jedoch die Unterstützung der jeweiligen Entwickler erfordert. Laut Kittlaus habe das Startup bisher keine Pläne, um eigene Hardware zu entwickeln. Allerdings befinde sich das Unternehmen gerade in Verhandlungen mit Hardware-Herstellern, um Viv in die Geräte zu integrieren.

„Kein Unternehmen auf der Welt hat die Ressourcen, um alle verschiedenen Services zu vereinen“, erklärte Kittlaus während der Vorstellung. „Darauf hat sich nun aber Viv konzentriert und viel Zeit und Geld investiert. Jeder Assistent kann zwischen 20 und 30 verschiedene Dinge erledigen. Jetzt erhöht sich die Anzahl in den zehntausender Bereich.“

Viv programmiert sich selbst

Viv soll die Antworten selbst programmieren können.
Vergrößern Viv soll die Antworten selbst programmieren können.

Während der Vorstellung äußerte sich Kittlaus auch über den inneren Aufbau von Viv, was er als Dynamic Program Generation bezeichnet. Die meisten Sprachassistenten oder Bots müssen mit vorgewählten Antworten auf spezifische Fragen programmiert werden. Viv soll dagegen im Stande sein, die Intention der Frage zu verstehen und sich selbst zu programmieren. Stellt man die Frage „Wird es übermorgen nach 17:00 Uhr in Berlin wärmer als 20 Grad?“, schreibt Viv daraufhin ein aus 44 Punkten bestehendes Programm, um diese Frage mit Hilfe von Datenbanken mit den gewünschten Wetterinformationen zu beantworten.

Im Gegensatz zu Unternehmen wie Facebook, das auf textbasierte Chat-Bots setzt, denkt Kittlaus, dass Konversationen mit echten Stimmen die Zukunft sind – ohne zuvor diverse andere Apps installiert haben zu müssen. Diese Art der Assistenten müssen jedoch deutlich mehr Leistung bringen als Siri, welches lediglich auf Apple Geräten genutzt werden kann und viele Standardfragen nicht beantworten kann.

Siri ist immer noch in ihren Einsatzmöglichkeiten beschränkt, was jedoch auf Apples strikte Sicherheitspolitik zurückzuführen ist. Obwohl Apple in der Vergangenheit für diese Haltung viel Zuspruch erfahren hat, wird gleichzeitig kritisiert, dass die Funktionalität des iOS-Assistenten nicht schnell genug aktualisiert werden würde. Zudem steht Siri bis jetzt noch nicht auf allen Apple-Geräte zur Verfügung, was sich aktuellen Gerüchten zu Folge jedoch schon bald ändern könnte. Auf der WWDC Anfang Juni wird Apple aller Voraussicht nach Siri für den Mac vorstellen.

Mit Siri hat das Entwicklerteam rund um Kittlaus bewiesen, dass es in der Lage ist, künstliche Intelligenz mit großer Leistung zu entwickeln. Jetzt wollen sie den nächsten Schritt wagen und noch größer werden.

„Viv wird die intelligente Benutzeroberfläche für alles werden“, sagte Kittlaus. „Für Entwickler wird dies der nächste große Markt werden. Das, was nach den App Stores kommen wird, ist jetzt diese neue Art des Marktes für alle verschiedenen Geräte.“

Ende des Jahres soll Viv erstmals als Testversion erscheinen, bis der Assistent jedoch das leisten kann, was sich die Entwickler erhoffen, bleibt aber noch ein langer Weg.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2198058