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Vom Mac zu Fink

16.06.2003 | 12:51 Uhr |

Max Horn , Kopf und Entwickler des Fink-Projektes, erklärt im Macwelt-Interview, wie Mac-Anwender auf einfachem Weg an Open Source Software gelangen.

Max Horn ist 23 Jahre alt und studiert Mathematik an der TU Darmstadt und verbringt derzeit ein Gastsemester an der TU Eindhoven. Schon seit mehreren Jahren programmiert er am Mac. Sein erster war ein IIcx, dann der ein IIfx, später ein Powermac 7500, und schließlich ein G4/400 "und manchmal leihe ich mir das iBook meiner Mutter :-)". Er ist in die Fußstapfen des Fink-Gründers Christoph Pfisterer gestiegen und koordiniert als einer von drei Hauptverantwortlichen das Fink-Projekt.

Macwelt: Wie entsteht ein Open-Source-Projekt wie Fink? Und wie sind Sie darauf gestoßen?

Da gibt es sehr viel verschiedene Gründe. Im Fall von Fink sollen Mac-OS X-Nutzer auf einfachem Weg Open Source Software (OSS) zugreifen können. Da lag es wohl nahe Fink selbst als OSS zu entwickeln. So haben wir dann auch viele freiwillige Mitarbeiter gefunden - man braucht schon ein großes Team, um über 2500 Pakete zu pflegen.
Ich bin durch einen Freund 2001 auf Fink gestoßen - er hatte mit davon erzählt und ich war neugierig. Zunächst war ich skeptisch, bis dahin hatte ich mir immer alles selbst portiert und kompiliert, je nach Bedarf. Aber dann habe ich Fink  ausprobiert und war auf Anhieb begeistert über die einfache und saubere Funktionsweise - na ja, einfach, wenn man sich auf der Kommandozeile ein wenig auskennt - das ist natürlich eine ganz andere Art von "einfach" als im klassischen Mac-Sinne.
Einige Sachen, die ich gebraucht hätte, waren damals noch nicht als Fink-Paket verfügbar. Damals war Fink ja noch sehr klein. Also macht ich eins, und das wurde auch prompt in die Sammlung aufgenommen. Tja und von da an entwickelten sich die Dinge einfach. Es gab und gibt bei Fink viele nette Leute, und die Zusammenarbeit macht viel Spaß.

Macwelt: Open Source war lange Zeit für Mac-Anwender ein Buch mit sieben Siegeln. Welche Erwartung dürfen Anwender an freie Software stellen, welche nicht?

Zunächst einmal wird OSS meistens von Freiwilligen in ihrer Freizeit entwickelt. Das heißt nicht, dass die Software schlechter sein muss als "professionell" entwickelte Software. Es gibt exzellente OSS, die besser ist als so manches kommerzielles Produkt. Aber diesen Hintergrund sollte man beim Kontakt mit den Entwicklern berücksichtigen. Einer der schönen Aspekte von OSS ist ja, dass man meist direkt mit den Entwicklern in Kontakt treten kann und über Probleme berichten kann. Und normalerweise versuchen die dann auch, zu helfen oder auf die richtige Stellen zu verweisen. Trotzdem sind auch unsere Ressourcen begrenzt. Wir können nicht jede Email beantworten kann, gerade bei einfachen Fragen würde ich mir oft wünschen, dass manche Leute erst einmal die Anleitung und die FAQ lesen.
OSS ist eben nicht ganz so poliert wie kommerzielle Produkte. Es gibt aber sehr löbliche Ausnahmen. Dafür ist sie kostenlos, man sollte das immer berücksichtigen.
Es kann aufwändig sein, OSS zu installieren und sich einzuarbeiten - das muss aber nicht sein. Man sollte nie vergessen, das OSS via Fink und der Kommandozeile nur ein Teil der OSS-Szene ist - es gibt auch allein stehende OS-Applikationen für den Mac wie zum Beispiel Fire.app (eine Chat-Software für Mac-OS X, Anmerkung der Redaktion).

Macwelt: Wer interessiert sich für Fink? Eher Mac-Anwender, die von den Möglichkeiten von Mac-OS X überzeugt sind, oder Linux-Anwender mit Affinität zum Mac?

Sowohl als auch. Einerseits sind viele ehemalige Linux-Nutzer zu finden, aber auch Anwender anderer Unices, wie FreeBSD oder Solaris sind von Fink sehr angetan. Es macht den Umstieg auf den Mac leichter. Ich kenne selbst ein paar Leute, die ohne Fink wohl nicht auf Mac-OS X umgestiegen wären. Auf der anderen Seite sind auch viele Mac-User neugierig. Wenn man nur das Mac-GUI gewöhnt ist, gehört natürlich eine ordentliche Portion Mut dazu, sich in die unvertrauten Gefilde der Kommandozeile zu begeben. Einige können sich damit gar nicht anfreunden und lassen es wieder sein. Leute mit mehr Ausdauer probieren einfach mal herum und finden dann vielleicht Gefallen.

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