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Vorerst kein Gratis-WLAN in Nahverkehrszügen

30.03.2015 | 12:00 Uhr |

Die meisten Bahnkunden werden auch in den nächsten Jahren kein Gratis-WLAN nutzen können. Weil Nahverkehrszüge und S-Bahnen erst einmal WLAN-frei bleiben.

WLAN im Zug ist das Thema der letzten Wochen. Vor allem die Fernbusse mit ihrem meist serienmäßigen WLAN-Angebot lassen die Bahn im direkten Vergleich alt aussehen. Die Bahn AG hat deshalb vollmundig einen Ausbau ihres WLAN-Angebots im Rahmen ihrer „größten Kundenoffensive in der Geschichte des DB Fernverkehrs“ angekündigt. Doch die meisten Bahn-Kunden – die nämlich mit den Nahverkehrszügen fahren – werden von der „größten Kundenoffensive“ erst einmal nichts merken. Zumindest soweit es die kostenlose WLAN-Nutzung angeht.

Denn wie „Die Welt“ online berichtet bleiben die Regio- und EC/IC-Züge auf absehbare Zeit WLAN-frei; von wenigen regional begrenzten Ausnahmen abgesehen.

Laut „Welt“ befördern Regio- und S-Bahnen pro Tag 6,7 Millionen Menschen. Fast immer ohne WLAN-Zugang. Und daran ändert sich mittelfristig auch nichts. Denn die „WLAN-Einführung im Nahverkehr ist kein Akt von ein, zwei Jahren", wie Thomas Geyer, Präsident des Dachverbandes der Besteller von Schienennahverkehr (BAG SPNV), sagt. Erst in fünf Jahren könnte WLAN im Nahverkehr in „nennenswerterem Umfang“ zur Verfügung stehen, wie Geyer weiter ausführt.

Als Grund für die Verzögerung nennt Geyer die große Zahl der Beteiligten. Während die Deutsche Bahn AG allein den Fernverkehr stemmen würde, gibt es beim Regionalverkehr viele Bahn-Unternehmen, Verkehrsverbünde, Bundesländer und den Bund, die mitreden würden. Und jeder zeige auf den anderen, wenn es um die Verantwortung für den WLAN-Betrieb gehe.

Der Bund sieht sich als nicht zuständig. Die Bundesländer wiederum sind zwar zuständig. Doch wenn sie den beauftragten Bahn-Unternehmen die Bereitstellung von WLAN in den Nahverkehrszügen vorschreiben würden, müssten sie diese dafür auch bezahlen. Dafür dürfte aber kaum Geld vorhanden sein. Zumal die Bahn selbst ja noch ein ganz anderes Problem hat: Die Steigerung ihrer Pünktlichkeit. Diese habe Vorrang vor der Bereitstellung von kostenlosen Hotspots.

Zudem müssten die Mobilfunkbetreiber entlang der Gleise erst einmal eine durchgehende Mobilfunkabdeckung bereitstellen. Das ist aber besonders entlang von Nebenstrecken keineswegs der Fall, wie jeder Bahnkunde mit seinem Smartphone selbst überprüfen kann. Für die Mobilfunk-Unternehmen würde sich der flächendeckende Ausbau entlang der Nebenstrecken aber oft nicht lohnen, weil die Netze zwar durchgehend in Betrieb gehalten werden müssten, sie aber nur ab und zu – wenn halt ein Nahverkehrszug vorbei fährt – tatsächlich benutzt würden. Deshalb geht Geyer davon aus, dass WLAN in Nahverkehrszügen zunächst einmal in Ballungsräumen kommen würde.

Ein weiteres Problem sind die aktuell eingesetzten Züge. Denn die vorhandenen Waggons nachzurüsten lohnt sich für die Bahn nicht. Erst mit der Einführung neuer Waggons hält dann auch die WLAN-Technik Einzug. So werden die neuen ICx-Züge , die die Bahn AG ab dem Jahr 2017 nach und nach in Betrieb nehmen will, für den WLAN-Betrieb „vorgerüstet“. Was allerdings noch nicht automatisch bedeutet, dass dann auch sofort in diesen Zügen Gratis-WLAN zur Verfügung steht

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