Von Peter Müller - 23.01.2013, 08:59

Bilanz für Q1/2013

Vorschau: Apples entscheidendes Quartal

Mit Spannung erwarten die Börsen Apples Bilanz für das erste Quartal 2012/2013. Weit wichtiger werden aber die Aussichten - und die Überzeugungskraft, mit der Apple diese heute Abend vortragen wird. Wir wagen einen Ausblick auf das, was heute Abend wichtig wird.
Wenn das eine Krise ist, wären Unternehmen wie Nokia oder Dell gerne in einer Krise: Apple wird heute Abend nach Börsenschluss in New York (22 Uhr MEZ) die Bilanz für das erste Quartal seines Geschäftsjahres 2012/2013 vorlegen und aller Voraussicht nach neue Rekorde für Umsatz und Verkaufszahlen für iPhone, iPad und Mac vorlegen. Der Kurs der Aktie hatte jedoch seit letzten Herbst stark nachgegeben, vom Rekordhoch von 702 US-Dollar Mitte September bis auf 500 US-Dollar in diesen Tagen. Anleger fürchteten offenbar nicht nur Steuererhöhungen für Aktiengewinne oder hohe Kosten durch langfristige Kaufoptionen, sondern schlicht und ergreifend das Ende der Erfolgsgeschichte Apples. Indiz dafür könnte ein Gewinn sein, der niedriger liegt als der im Vorjahr, fürchtet der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg.
Demnach werde der Gewinn um zwei Prozent auf 12,8 Milliarden US-Dollar oder 13,48 US-Dollar pro Aktie sinken. Seit 2003 hat es nur ein Quartal gegeben, in dem Apples Gewinn nicht um zehn Prozent oder mehr zugelegt hat. Auch der Umsatz wird unter den hohen Erwartungen bleiben, ein Plus von 18 Prozent könne den geringsten Zuwachs seit 2009 bedeuten. Forbes fordert bereits den Verwaltungsrat Apples auf, CEO Tim Cook durch den Chefdesigner Jonny Ive zu ersetzen. Cook sei es als Nachfolger von Steve Jobs bisher nicht gelungen, mit einem weiteren revolutionären Produkt neue Umsatzquellen zu erschließen.
Das Jammern ist gewiss auf hohem Niveau, doch Wall Street schaut heute Abend nicht nur auf die absoluten Zahlen, sondern auf einige wichtige Details und nicht zuletzt auf Apples eigenen Ausblick auf die kommenden Quartale - und etwaige neue Umsatzströme und Gewinnchancen. An der Börse zählt die Zukunft weit mehr als die Vergangenheit.
Die Zahlen für das Dezemberquartal werden neue Rekorde setzen, Apple hat im Weihnachtsgeschäft wohl annähernd 50 Millionen iPhones, etwa 25 Millionen iPads, um die fünf Millionen Macs und mehr als zehn Millionen iPods verkauft. Da Apple solide Gewinnmargen weit wichtiger sind als der Marktanteil – geschätzt erwirtschaftet Apple bei einem Marktanteil von rund 30 Prozent im Smartphone-Bereich etwa drei Viertel der Gewinne der Gesamtbranche – hat vor allem der Rekordverkauf von iPhones Auswirkungen auf die Bilanz. Die Erwartungen von Wall-Street-Analysten liegen im Durchschnitt bei 54,69 Milliarden US-Dollar Umsatz und einem Gewinn von 13,41 US-Dollar pro Aktie, hat Thomson First Call ausgerechnet. Apples Finanzchef Peter Oppenheimer hatte bei der letzten Bilanzpressekonferenz im Oktober von 52 Milliarden US-Dollar Umsatz und einem Gewinn von 11,75 US-Dollar pro Aktie gesprochen – die Einschätzungen Apples sind in der Regel eher zurückhaltend.

Sorgen um die Marge

Doch hatte Apple selbst bei der Analystenkonferenz Anlass zur Sorge mit der Erklärung gegeben, das iPad Mini würde deutlich weniger Marge versprechen, als das Zehn-Zoll-iPad. Spannend ist am Mittwoch Abend also die Frage, wie viele der etwa 25 Millionen iPads Minis gewesen sind – und ob Apple überhaupt eine Zahl nennt. Bisher weiß man nur, dass am ersten Wochenende des Verkaufs Anfang November drei Millionen Stück an die Kunden gingen – Apple gab aber schon seinerzeit nicht an, wie sie die Verkäufe der „neuen“ iPads auf iPad und iPad Mini verteilten. Ein hoher Anteil an iPad Minis wäre eine schlechte Nachricht für Wall Street: Apple verkauft das Mini zu Preisen ab 329 US-Dollar, laut IHS iSuppli kosten die Bauteile knapp 200 US-Dollar – iPad und vor allem das iPhone 5 haben eine weit höherer Marge.
Und genau hier lauert ein weiterer Grund der Sorge: Nach fünf Jahren des scheinbar unbeschränkten Booms gilt der Smartphone-Markt bei vielen Wirtschaftsexperten mittlerweile als gesättigt – Preisverfall wäre die unmittelbare Folge. Apple, das ein iPhone Mini stets dementiert hat, spielt das Spiel in gewissen Grenzen mit, iPhone 4S und iPhone 4 verkauft Apple deutlich günstiger als das aktuelle Modell. Über die Aufteilung der iPhone-Verkäufe auf einzelne Produkte wird Apple nichts bekannt geben, man kann aus den im iPhone-Segment erzielten Umsätzen jedoch Rückschlüsse ziehen.

Macs spät erneuert

Ob Apple einen neuen Rekord für Mac-Verkäufe setzt, bleibt offen. Während etwa der Piper-Jaffrays-Analyst Gene Munster davon ausgeht, Apple könnte mit 4,7 Millionen Rechnern sogar bis zu sieben Prozent weniger als im Vorjahr verkaufen, sind andere Marktbeobachter optimistischer und halten einen neuen absoluten Verkaufsrekord jenseits der fünf Millionen für realistisch. Für den Mac-Bereich spielt jedoch eine Rolle, dass der Berichtszeitraum 2012 um eine Woche kürzer war als der 2011, die neuen iMacs sind zudem erst sehr spät in den Handel gekommen. Einzig das Macbook Pro Retina 13 Zoll dürfte die Bilanz retten – Apple verkauft ohnehin 75 Prozent Mobilrechner.

Wachstumsmarkt China

Der PC stirbt langsam vor sich hin, laut Gartner-Zahlen ist das Gesamtvolumen im vierten Quartal 2012 um rund fünf Prozent geschrumpft. Apple kann als einer der wenigen Hersteller noch zulegen, seit gut sieben Jahren wächst der Mac stärker als der gesamte PC-Markt. Doch sind dem Wachstum Grenzen gesetzt. Apple hat zwar mit dem iPad das erfolgreichste Tablet auf dem Markt, die Konkurrenz holt aber wie schon im Smartphone-Segment auf und könnte Apple gar bald überholen. Die Wachstumserwartungen richten sich nun nach China: Apple-CEO Tim Cook hat letzten Herbst erklärt, der Umsatz in China werde den in den USA bald überflügeln. Als entscheidend für Apples Erfolg in China könnte Tim Cooks Geschäftsreise Anfang Januar gewesen sein. Der Apple-CEO wurde dabei beim Industrieminister vorstellig, um Wege auszuloten, die Freigabeprozeduren für Mobilfunkgeräte zu beschleunigen. Derzeit muss Apple rund drei Monate warten, bis es ein neues iPhone und die Mobilfunkversionen des iPad auch in der Volksrepublik verkaufen kann, während in der Sonderwirtschaftszone Hongkong neue Produkte sofort oder nur kurz nach der Markteinführung erhältlich sind. Ein florierender Graumarkt ist die Folge. Weit wichtiger waren aber Cooks Gespräche mit dem Mobilfunkprovider China Mobile, der als größter Anbieter des Landes rund 700 Millionen Kunden hat. Ein Vertrag mit China Mobile würde dem iPhone in China weiter auf die Sprünge helfen. Da für die Börse vor allem die Aussichten und weniger die Zahlen des letzten Quartals zählen, wird Apple sich heute Abend in der Bilanzpressekonferenz dazu ausführlich äußern müssen.
Seine Umsätze schlüsselt Apple in seiner Bilanz nicht pro Land auf, sondern pro Region. China findet sich dabei im Bereich Asien-Pazifik, während der deutsche Markt Teil von EMEA (Europe, Middle East, Africa) ist. In der Bilanzpressekonferenz nennt Apple in der Regel nur den Anteil des heimischen Marktes gegenüber dem des Auslandes, das starke Interesse der Anleger an der Entwicklung an China könnte aber dazu führen, dass Finanzchef Peter Oppenheimer gründlicher ins Detail geht. Nur eines ist jetzt schon sicher: Der Ausblick Oppenheimers wird eher zurückhaltend sein, trotz der „tollen Produkte“, die Apple „in der Pipeline“ bereit hält. Mehr über das laufende Quartal wird Apple nicht verraten. Bereits der nachbörsliche Handel wird zeigen, ob sich Anleger damit zufrieden geben.
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