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Vorschau auf WWDC 2012: Mountain Lion und iCloud

29.05.2012 | 15:47 Uhr |

Mountain Lion und iOS 6 sind die dominierenden Themen, wenn man von außen auf Apples Entwicklerkonferenz WWDC blickt. Doch in der Woche vom 11. bis 15. Juni wird es intern wohl eher um iCloud und Gatekeeper gehen.

Keine Entwicklerkonferenz ist so schnell ausgebucht wie die von Apple. Dabei ist die Teilnahme teuer und anstrengend: WWDC steht für fünf Tage Konferenz (9:00 bis 18:00 Uhr) mit rund 5000 Teilnehmern, die dicht gepackt die Stuhlreihen bevölkern. Vorne sprechen meis­tens mehrere Apple-Ingenieure (nacheinander) zu einem Thema – Fragen sind aber nur in wenigen dieser „Sessions“ erlaubt.


Parallel dazu gibt es „ Labs “, in denen die Teilnehmer am eigenen Notebook an einem Problem arbeiten und rund um die Uhr Ansprechpartner von Apple aus unterschiedlichen Abteilungen (von Spieleentwicklung bis Verkauf im App Store) antreffen, die man mit einem Termin persönlich sprechen kann. Alle Informationen (mit Ausnahme der aus der Eröffnungsveranstaltung) fallen unter ein Geheimhaltungsabkommen, das Apple jeden Teilnehmer beim Beitritt in das Apple-Entwicklerprogramm unterschreiben lässt. Trotzdem finden regelmäßig viele interessante Informationen ihren Weg von der WWDC ins Internet.

Themen wie Storekit


Apples interne Namen für Funktionen (korrekt: „Methoden“) wie „initWithBitmapDataPlanes“ sind in die Geschichte der Informatik eingegangen, weil der volle Namen mit allen Optionen 165 Buchstaben lang ist. Apple geht deshalb schon lange dazu über, Methoden und Klassen unter einem kurzen Schlagwort zu verkaufen, das meistens auf „Kit“ endet.
Auf den Internet-Seiten zur WWDC sind viele dieser Kits erwähnt: von Appkit (Basisbestandteil der meisten Mac-Programme) bis Webkit (wesentlicher Bestandteil des Browsers Safari). Bei den grundlegenden Informationen („Essentials“) entdecken wir wenig Neues. Apple verweist dort aber unter anderem auf das aktuelle iPad, dessen neuer Bildschirm („Retina display“) Anpassungen erforderlich macht, damit Apps dort in vollem Glanz erscheinen. Wie jedes Jahr zählen Barrierefreiheit („Accessibility“) und Mehrsprachigkeit zu den Punkten, die Apple den Entwicklern besonders ans Herz legt.

Live-Bericht von der WWDC am 11.06.2012 um 19:00

Der genaue Zeitplan ist in diesem Jahr noch unbekannt, aber wir gehen davon aus, dass einer der anderen Männer an der Spitze von Apple die Chance nutzt, zu den rund 5000 Entwicklern zu sprechen.


Macwelt berichtet live von der Eröffnung der WWDC 2012 am 11. Juni voraussichtlich um 19:00 MESZ auf der Internet-Seite www.macwelt.de/ticker


Interessanter sind dann die Hinweise im Abschnitt „App Services“: Apple wird Werbung machen für den Verkauf von Informationen und Dienstleistungen innerhalb einer App („In-App-Purchase with Storekit“) und dabei zum Beispiel erkären, wie Abonnements innerhalb einer App funktionieren sollen. Außerdem gibt es Vorträge über Twitter, Adressen und E-Mail und deren Nutzung innerhalb einer App – sprich: Entwickler lernen auf der WWDC beispielsweise, wie man E-Mails verschickt, ohne dazu zur App „Mail“ wechseln zu müssen.

Knackpunkte iCloud und Sandbox


Die Vorträge zu iCloud und Sandbox dürften gut besucht sein, seit Herbst 2011 häufen sich die Klagen der Entwickler über beide Techniken. Bei iCloud stört, dass der Zugriff auf die iCloud-Dienste nur erlaubt ist, wenn die Software über den Mac App Store verkauft wird (oder den App Store für iPhone, iPod Touch und iPad). Sprich: Wer eine Software auf CD oder von der Internet-Seite des jeweiligen Herstellers kauft, bekommt mit dieser Software keinen Zugriff auf Apples iCloud-Dienst. Speziell Herstellern von Synchronisations-Software bereitet diese Einschränkung große Kopfschmerzen, da sie entweder ihre Software über den App Store verkaufen müssen oder sich nach einem anderen Synchronisationsserver umsehen müssen.

Xcode - Entwickler-Tool
Vergrößern Xcode - Entwickler-Tool
© Apple


Zu Sandbox dagegen gibt es mehrere Meinungen: Einige Entwickler beschweren sich lautstark im Internet über die Beschränkungen, die durch Sandbox entstehen: Ab 1.6.2012 muss jede Software, die über den Mac App Store verkauft wird, Sandbox nutzen. Ausnahmen gibt es nur für „ältere“ Programme, die bereits heute im Mac App Store erhältlich sind. Sandbox schützt die Benutzer von Software vor Programmierfehlern und Hackern, blockiert aber zum Beispiel alle Programme, die als Hintergrundhelferlein zusätzliche Tastenkombinationen definieren (erlaubt sind lediglich Hilfsprogramme, die den Benutzer vorab um Erlaubnis fragen).

Apple Design Award und iOS 6


Neben all den Vorträgen ist die Verleihung des Apple Design Award ein Höhepunkt jeder WWDC. Apple zeichnet damit Apps aus, die innovativ, gut designed und State of the Art hinsichtlich der Möglichkeiten der aktuellen Versionen von OS X und iOS sind. In den vergangenen Jahren gab es regelmäßig auch deutsche Preisträger, unter anderem Boinx (Foto Magico, Boinx TV) oder Algroriddim (Djay).

Parallel zu Mountain Lion arbeiten die Entwickler bei Apple an iOS 6, der nächsten Version des Betriebssystems für iPhone & Co. Verlässliche Details gibt es derzeit nicht, dafür reichlich Spekulationen über ein etwas größeres iPhone mit höherer Monitorauflösung.

Neue Macbooks ungewiss


Intel stellt wenige Tage nach dem Start der WWDC wahrscheinlich neue Prozessoren und die dazugehörigen Bausteine für Notebooks vor („Ivy Bridge“). Insider gehen davon aus, dass Apple diese Prozessoren im Macbook Air oder Macbook Pro nutzen wird, so dass die WWDC eigentlich ein guter Termin für die Präsentation der nächsten Macbook-Generation wäre. Wir erwarten, dass bei der WWDC das Mac-Betriebssystem Mountain Lion im Mittelpunkt steht. Da Apple an einem Tag sehr selten zwei Produkte vorstellt, spricht das gegen die Präsentation neuer Rechner – andererseits sind viele Details zu Mountain Lion bereits seit Februar 2012 bekannt. Vielleicht tritt deshalb Apples neuer Boss Tim Cook auf die Bühne und präsentiert mit den legendären Worten „one more thing“ (im Sinne von „einen hab’ ich noch“) ein neues Macbook.


Fazit


Die WWDC ist eigentlich ein Termin für Software- und Hardware-Entwickler. Doch im ersten Jahr nach dem Tod von Steve Jobs wer­-
den sicher viele Kameras auf die Bühne gerichtet sein, um zu erfahren, wie es mit Apple weiter geht. Tim Cook weiß das, deshalb gehen wir davon aus, dass er die Chance für eine Präsentation mit Überraschungen ergreift.

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