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WSJ: Apple soll den Mac killen - Widerspruch

17.06.2015 | 10:01 Uhr |

Christopher Mims stellt im Wall Street Journal eine steile These auf: Apple soll sich von seinem Mac-Geschäft trennen. Wir widersprechen.

Christopher Mims, Kolumnist des Wall Street Journal, hat am Montag in einem Diskussionsbeitrag vorgeschlagen , Apple solle sein Mac-Geschäft abstoßen und sich auf das weit lukrativere mit iPhone und iPad konzentrieren. Apple könne es sich nicht mehr leisten, in die Entwicklung von Nischenprodukten wie dem Mac Pro zu investieren und darüber den Fokus auf Mobilgeräte zu verlieren, lautet in etwa die Argumentation.

Dem widerspricht unser Macworld-Kollge Glenn Fleishman entschieden - und wir schließen uns seinen Argumenten an. Apple werde niemals wieder ein anderes Unternehmen über seine Zukunft entscheiden lassen, meint Fleishman.

Mims ist der Ansicht, Apple würde an zu vielen Baustellen arbeiten, iPhone, iPad und Apple Watch seien nicht die weltbesten Produkte, weil der Mac immer noch existiert und Ressourcen des Herstellers blockiert. Die Zukunft Apple liege allein bei Mobilgeräten und Wearables und nicht mehr bei "Technik aus dem letzten Jahrhundert" wie dem Mac Pro. Der Mac trägt nur noch zehn Prozent des Unternehmensumsatzes bei und mutmaßlich etwas mehr als zehn Prozent der Gewinne - die Margen sind nach wie vor hoch. Das ist aber nicht zu unterschätzen: "Jede andere Firma würde für derartige Umsätze, Gewinne, Margen und Wachstum im Geschäft mit dem Mac töten", betont Fleishman.

Bei Apple ist nicht alles perfekt, insbesondere die Software-Entwicklung. Doch hier setzt Fleishmans Kritik an Mims Beitrag an: Der Kollege würde die Prozesse der Hardwareentwicklung bei Apple völlig falsch einschätzen. Bei Apple gebe es keine Silos, also streng voneinander getrennte Abteilungen, die für unterschiedliche Produkte an ähnlichen Lösungen arbeiten. Im Gegenteil würden sich Apples Hardwareentwickler gegenseitig unterstützen und die Entwicklungen aufeinander aufbauen. Als Beispiel stehe etwa das Mainboard des Macbook 12 Zoll, das von dem des iPad inspiriert sei. Umgekehrt könnten die terrassenartig gestapelten Batterien bald in iOS-Geräten auftauchen. Die geheime Entwicklung des iPad schließlich konnte vom Macbook Air profitieren, das zwei Jahre zuvor auf den Markt gekommen war. Zulieferer schließlich steuern Bauteile für alle Produktkategorien bei, was man beim einen zur Verbesserung lernt, kann man beim anderen dann gleich von Anfang an richtig machen. Der von Mims so gescholtene Mac Pro war für Apple und seine Zulieferer vor allem eine Sache des Hardwaredesigns und des Herstellungsprozesses, allzuviele Ressourcen dürfte der Mac Pro nicht exklusiv für sich beansprucht haben. Und schon gleich gar nicht solche, die iPad, iPhone und Apple Watch besser auf die Sprünge geholfen hätten.

Fleishman sieht bei Apple allenfalls Probleme in der Softwareentwicklung, diese würden sich aber nur in den letzten Details zeigen und seien keineswegs durch eine Fokussierung auf Mobilgeräte oder Wearables zu lösen. Sprich: Wenn iCloud zickt, trägt daran nicht der Mac die Schuld. Schwierig seien die beiden letzten Jahre vor allem durch das von Johny Ive verantwortete  Redesign der Betriebssystem und der Vereinheitlichung ihres Looks gewesen. Dieser Prozess scheint aber weitgehend abgeschlossen, wie iOS 9 und OS X 10.11 El Capitan zeigen. Die letzten Neuentwicklungen im Mac-Business sind zudem solch erstaunliche Produkte wie das Macbook 12 Zoll, der iMac Retina 5K und eben der Mac Pro.

Einen anderen Grund zum Widerspruch gegen Mims Thesen sieht Fleishman im Stellenwert, den der Mac bei seinen Nutzern hat. Diese seien meist über Jahrzehnte loyale Kunden (die Apple zwar manchmal vor den Kopf stößt...), die auch die ersten Käufer von iPhones und iPad waren. Den Mac zu killen würde bedeuten, nicht nur diese Kunden zu verlassen, sondern auch langjährige Softwarepartner wie Adobe. Und wem das noch nicht genug ist: Apple würde sich niemals wieder in die Abhängigkeit einer anderen Firma begeben. Der Mac ist die Computerplattform, auf der alles aufgebaut ist, 100 Prozent der Entwicklung für iPhone und iPad findet darauf statt. Was wäre, wenn es das nicht mehr gäbe? Eben. Apple wird den Mac nie aufgeben.

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