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iOS 8, Yosemite und neue Entwicklertools

03.06.2014 | 11:03 Uhr |

Keine Hardware, dafür neue Betriebssysteme für iPhone, iPad und Mac. Apple stärkt die iCloud und bringt neue Entwicklertools.

Im Presidio genannten Saal des Konferenzzentrums Moscone West haben sich 6.000 Entwickler und Apple-Ingenieure versammelt. Und obwohl Apple die Keynote live im Internet übertragen hat, waren die Botschaften des Abends vor allem an die Entwickler gerichtet. Denn neben einigen neuen Features von OS X und iOS 8, über die sich Endanwender freuen dürfen, hatten Tim Cook und Kollegen (vor allem Craig Federighi) vor allem Neuheiten für Entwickler im Gepäck. Keine neuen Hardwareprodukte, keine neuen Services - sieht man einmal vom aufgebohrten iCloud ab.

Dass die Entwickler diesmal voll und ganz im Mittelpunkt stehen, zeigt bereits das Eröffnungsvideo, in dem sich Menschen auf der Straße zunächst fragen, was einen Entwickler ausmacht und was er so treibt und dann zum Schluss kommen, dass er vor allem großartige Software für alle Lebenslagen entwickelt. Der Imagefilm drückt teilweise auf die Tränendrüse, die Entwickler, die Hauptpersonen des Abends fühlen sich aber geschmeichelt. Und sollten im Laufe des Abends noch mehr Wertschätzung erfahren.

Wer erwartet hat, Apple würde an diesem Abend neben Neuheiten der Software wie im Vorjahr auch frische Hardware zeigen (Macbook Air und Mac Pro waren es im Jahre 2013), sah sich schnell von Apple-CEO Tim Cook enttäuscht. Dieser stellt rasch klar, worum es geht: Um OS X, iOS 8 und einen Programmpunkt, den er zunächst einfach nur als "Dev" ankündigt. Dieser sollte dann aber der Kern des Abends werden.

OS X Yosemite: Neuer Look, neue Funktionen

Angesichts der in den letzten Tagen aufgetauchten Plakate wenig überraschend heißt die nächste Version von OS X Yosemite, benannt nach dem Nationalpark an der Grenze zu Nevada. Apple hatte bereits mit Mavericks vor einem Jahr angekündigt, man werde seine Mac-Betriebssystem künftig nach "inspirierenden Orten in Kalifornien" benennen - Golden Gate und Napa Valley waren in der Szene auch lange im Gespräch.  OS X Mavericks bringt einige neue Funktionen, zeigt aber vor allem einen neuen Look. Was Apple in Mavericks schon mit der Kalender-App eingeschlagen hatte, führt es nun in Yosemite fort: "Flaches Design". Die App-Icons gleichen denen von iOS 7, Fenster werden eckiger, Schaltflächen zurückhaltender. Der Begriff der "Transluzenz", den Apple mit dem iMac und dem Power Mac G3 Yosemite (sic!) in den späten Neunzigern erstmals verwendet hatte, kehrt zurück ins Apple-Sprech. Diesmal sind es überlappende Fenster, die ihre Inhalte durchscheinen lassen. Yosemite lässt sich aber auch im "Dark Mode" betreiben, was denjenigen angenehmer sein dürfte, die weniger Wert auf optische Spielereien legen.

Aufgeräumt hat Apple vor allem die Mitteilungszentrale und Spotlight. Während erstere nun auch Widgets aufnehmen kann und vor allem mit einer besseren Tagesansicht glänzen will, wird Spotlight zu einer vollwertigen Datenvorschau. Dabei erhalten Nutzer nicht nur Einblick in ihre auf dem Mac gespeicherten Daten, sondern auch auf im Internet gefundene Informationen, Spotlight kann zum Beispiel direkt aus iTunes Inhalte streamen. Auch Kalender bekommt einen verbesserten Look, der konsistent mit dem der Mitteilungszentrale und Spotlight geht. Apple hat anscheinend viel Wert darauf gelegt, das Aussehen zu vereinheitlichen.

Mit iCloud mehr Kontinuität

Apple hat stets betont, OS X und iOS nicht zu einem Betriebssystem iOS X verschmelzen zu wollen. Stattdessen nutzt Apple seine iCloud dazu, das Zusammenspiel von Geräten zu verbessern. Dass die drahtlose Datenübertragung via Airdrop nun auch von Mac zu iOS möglich ist, ist nur ein Aspekt der Continuity getauften Technologie. Die Idee dahinter: Egal, auf welchem Gerät man ein Projekt begonnen hat, es lässt sich sofort auf einem anderen fortführen. Auf dem Mac am Schreibtisch, auf dem iPad auf dem Sofa oder auf dem iPhone unterwegs. Möglich macht das auch das neue iCloud Drive, was gewissermaßen die Rückkehr der iDisk bedeutet. Bisher tauschen Apps Daten direkt über die Plattformen untereinander aus, iCloud Drive ermöglicht nun auch den Austausch von Dateien über unterschiedliche Apps. Auf diese Art und Weise bekommt nun auch iOS 8 einen Dateimanager. Die Zusammenarbeit von Mac und iPhone geht nun auch so weit, dass sich auf dem iPhone eingehende Anrufe am Mac beantworten lassen und man umgekehrt vom Mac aus Telefonate initiieren kann. OS X Yosemite kommt im Herbst und wird wieder gratis sein, registrierte Entwickler erhalten die Beta-Version sofort. Im Laufe des Sommers kann sich schließlich jedermann bei Apple als Beta-Tester registrieren. Mehr zu OS X Yosemite sowie den Neuerungen in Safari und Mail lesen Sie hier.

iOS 8 soll noch besser werden

Nur fünf Prozent der Android-Nutzer haben die jüngste Version des mobilen Betriebssystems von Google installiert, dagegen sind bereits 89 Prozent der iOS-Nutzer auf iOS 7 umgestiegen, zitiert Tim Cook Marktstudien. Die Fragmentierung von Android mache das System unsicher, iOS wolle genau das Gegenteil erreichen. So ist es Apples Ziel, möglichst viele Nutzer auf iOS 8 umsteigen zu lassen. Dabei sollen aber vor allem die neuen Entwicklertools helfen, die Apple auf den Weg gebracht hat. iOS 8 selbst bringt auf den ersten Blick wenige Neuerungen, das Design hatte Apple ja vor einem Jahr umgestellt. Safari bekommt eine verbesserte Tab-Übersicht, auch in Mail soll man mit Wischgesten mehr Optionen erhalten. Und was bereits aus Mavericks bekannt ist: Direkt in der Mitteilungszentrale lassen sich Nachrichten beantworten. Die App Nachrichten versteht sich nun auch auf Ton- und Videonachrichten, die man über sie verschicken kann.

Weit aufgebohrt hat Apple jedoch die Foto-App, die nun mehr Optionen zur Bildbearbeitung erhält. Und mehr Speicherplatz: Über das iPhone und iPad bekomt man nun Zugriff auf iPhoto in der Cloud. Seine gesamte Bibliothek kann man ab Herbst Apples Rechenzentren anvertrauen, 5 GB sind kostenfrei, bis zu 1 TB an Speicher kann man mieten. 200 GB kosten dabei etwa fünf Euro im Monat. Für OS X hat Apple eine neue Fotolösung in Arbeit, die voraussichtlich iPhoto ablösen wird. Mehr zum Fotothema lesen Sie hier.

Interessante Neuerung, die man auch skeptisch betrachten darf: Quick Type. Ähnlich der Rechtschreibkorrektur greift hier das System in Schreibvorgägen ein. Anhand der bisher verfassten Texte will iOS 8 erkennen, was der Autor als nächstes schreiben wird. Könnten interessante Sätze dabei heraus kommen.

Apple will zudem die Suche im App Store verbessern , Familien können ihre im iTunes Store erworbenen Inhalte untereinander auf bis zu fünf Geräten teilen, solange Musik, Bücher und Filme alle mit der gleichen Kreditkarte gekauft wurden.

SDK mit 4000 neuen Funktionen

Was iOS aber wirklich voranbringen soll, ist das neue Softwaredeveloperkit (SDK), das 4000 neue Funktionen mitbringen soll. Die beiden wichtigsten sind die neue Programmiersprache Swift ( mehr dazu hier ) und die Möglichkeit für Apps, einige ihrer Schnittstellen und Funktionen für andere Programme zur Verfügung zu stellen. Aus der Foto-App heraus lässt sich so etwa direkt auf einen Filter zugreifen oder von Safari auf ein Übersetzungstool. Am Rande gestriffen hat Apple nur das Thema Heimvernetzung ( Alle Details finden Sie hier ) und die Sammelstelle von Gesundheitsdaten Health . Was daraus wird, werden ohnehin Entwickler mit ihren Produkten entscheiden. Sie haben nun eine Woche Zeit, Apple-Ingenieure mit ihren Fragen zu löchern.

Erste Reaktionen

Direkt nach der Keynote sind die Meinungen der Entwickler gespalten. „Wow, Continuity sieht wirklich clever aus!“ oder „Family Share ist endlich eine gute Lösung für Familien“, hört man hier. Ein anderer Entwickler ist weniger euphorischer: „Ich mache vor allem Kundenprojekte, da kann ich die ganzen neuen Funktionen und Schnittstellen leider eh nicht nutzen“. Aber auch bei den Entwicklern, die vor allem beruflich hier sind, kommt der Applefan durch: „Schade, dass so gar keine neue Hardware zu sehen war! Zumindest einen neuen Mac Mini hätte ich mir schon erwartet!“ Zu sehr will sich direkt nach der Keynote aber noch niemand festlegen. Zu unsicher ist noch, wie die dort gezeigten Funktionen und Schnittstellen dann tatsächlich in der Praxis funktionieren. Vor allem bei der neuen Programmiersprache Swift bleiben Fragen offen: „Ehrlich gesagt, hab ich die Syntax bei dem gezeigten Beispiel noch nicht verstanden.“

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